Kerber bei den US Open Einfach orientierungslos

Die Krise von Angelique Kerber dauert an. Die Pleite bei den US Open war ihre dritte Erstrundenniederlage in Folge. Die beste deutsche Tennisspielerin leugnet jedoch das Problem eines fehlenden Trainers.
Angelique Kerber hat mal wieder früh verloren

Angelique Kerber hat mal wieder früh verloren

Foto: Emilee Chinn/AFP

Angelique Kerber hat eine besondere Beziehung zu den US Open. Beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres begann 2011 mit ihrer ersten Halbfinalteilnahme bei einem Major der Aufstieg in die Weltspitze. Fünf Jahre später gewann sie das Turnier in New York - und war anschließend die Nummer eins der Tenniswelt. Geblieben sind derzeit nur die Erinnerungen an diese Erfolge.

Kerber ist einmal mehr viel zu früh bei einem wichtigen Turnier ausgeschieden. In 2:24 Stunden hatte die Nummer 14 der Setzliste gegen Kristina Mladenovic aus Frankreich 5:7, 6:0, 4:6 verloren. Um 14:59 Uhr Ortszeit waren die US Open 2019 für Angelique Kerber beendet - ihre rasante Fahrt auf der Abwärtsspirale hingegen geht weiter. Und niemand scheint das Bremspedal zu finden.

"Sie war im dritten Satz mutiger und ich zu passiv. Anstatt draufzugehen, habe ich drei Schritte nach hinten gemacht", sagte Kerber. Vier der bisherigen fünf Partien hatte sie gegen Mladenovic gewonnen. Doch das ist derzeit so irrelevant wie ihr Turniersieg in Flushing Meadows vor drei Jahren oder die Tatsache, dass ihre Gegnerin in der Weltrangliste 40 Positionen hinter Kerber geführt wird. Es scheint ohnehin egal zu sein, gegen wen die Kielerin gerade antritt - das Ergebnis ist immer gleich.

Kerber mangelt es an Selbstvertrauen

Schon bei den vergangenen beiden Turnieren in Cincinnati und Toronto waren die Auftakthürden zu hoch gewesen. Kerber scheiterte an Anett Kontaveit aus Estland (Weltranglisten-20.) und Daria Kasatkina (Russland/Nummer 40). In Wimbledon, wo sie als Titelverteidigerin angetreten war, verlor sie in der zweiten Runde gegen die US-Amerikanerin Lauren Davis - die 95. des WTA-Rankings.

Wer früh ausscheidet, spielt automatisch weniger Partien. Und wer weniger Partien hat, dem fehlt natürlich Spielpraxis. Im Fall von Kerber kommt ein extremer Mangel an Selbstvertrauen hinzu. Zehn Tage hatte sie sich auf dieses letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres vorbereitet, "gut trainiert", wie sie betonte. Geändert hat sich dennoch nichts.

Sie sei "ein bisschen enttäuscht", meinte die Weltranglisten-14. Andere zertrümmern nach Niederlagen wie diesen schon mal ihre Schläger, schreien ihren Frust heraus oder zeigen ihre Wut. Kerber hingegen griff nach dem Aus auf dem Grandstand ihre Tasche, legte sich ein Handtuch um die Schultern, winkte halbherzig Richtung Zuschauer und verschwand in den Katakomben. Und als sie 31 Minuten später in der Pressekonferenz saß, antwortete sie wie immer recht emotionslos und monoton. "Jedes Jahr ist anders. 2019 war nicht mein bestes Jahr und damit muss ich klarkommen", sagte Kerber.

Die Suche nach einem Trainer geht weiter

Als sie bei den Australian Open zu Jahresbeginn als Nummer zwei der Setzliste im Achtelfinale scheiterte, war das vor allem wegen der Deutlichkeit der Niederlage - 0:6, 2:6 gegen die eher unbekannte Danielle Collins aus den USA - eine Überraschung. Letztlich war dieses Erreichen der Runde der besten 16 jedoch Kerbers mit Abstand bestes Grand-Slam-Ergebnis 2019. Denn bei den anschließenden French Open verlor sie - wie bei den US Open in Runde eins. Nach dem frühen Aus in Wimbledon trennte sich Kerber von Trainer Rainer Schüttler. Seitdem ist sie ohne Coach - und hat im Anschluss alle drei gespielten Matches verloren.

Sie habe sich "bewusst dafür entschieden, allein nach New York zu reisen", sagte Kerber. Boris Becker hält genau das für einen Fehler. "Wenn jetzt nicht der Groschen gefallen ist, wann dann", fragte der 51-Jährige, der als Experte für Eurosport in New York ist. Er könne nicht verstehen, so Becker weiter, dass Kerber ohne Trainer angetreten sei. Alle Top-Ten-Spielerinnen hätten einen Coach an ihrer Seite.

Doch Kerber schiebt das Trainerthema vor sich her wie andere einen Termin zur Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Und eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht. Sie wolle "die richtige Entscheidung treffen" und sie habe ja "genug Zeit", um sich zu entscheiden. Denn die Saison ist nicht mehr lang. Und dann wurde sie sogar trotzig: "Ich habe verloren, weil mir Matchpraxis und Selbstvertrauen fehlen, aber nicht, weil ich keinen Coach habe. Da bin ich mir sicher."

In der Trainerfrage wirkt Kerber so orientierungslos wie auf dem Tennisplatz.

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