Federer wirft Djokovic bei ATP Finals raus Der Aufschläger

Vier Jahre lang hatte Roger Federer nicht mehr gegen Novak Djokovic gewonnen, bei den ATP Finals war es wieder so weit. Gegen Federers stärkste Waffe konnte sich der Serbe nicht verteidigen.

Roger Federer darf das Rampenlicht bei den ATP Finals noch ein paar Tage genießen
Reuters/Tony OBrien

Roger Federer darf das Rampenlicht bei den ATP Finals noch ein paar Tage genießen

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Szene des Spiels: Als Novak Djokovic den letzten Ball ins Netz tropfen ließ, brüllte Roger Federer dem Serben seine Freude entgegen. Der Schweizer ballte die Faust, lief dann aber schnell auf seinen Gegner zu und gab ihm die Hand. Djokovic reagierte kühl, verzog keine Miene und akzeptierte seine Niederlage. Wenige Augenblicke später war er schon in der Kabine verschwunden.

Das Ergebnis: Im dritten Gruppenspiel bei den ATP Finals in London gewann Federer 6:4, 6:3 gegen Djokovic und zieht ins Halbfinale ein - zum 16. Mal bei seiner 17. Teilnahme.

Serie beendet: Seit November 2015 hatte Federer kein Spiel mehr gegen Djokovic gewonnen. Damals besiegte der Schweizer den Serben ebenfalls im Gruppenspiel der ATP Finals 7:5, 6:2. Das Endspiel 2015 verlor Federer dann wiederum gegen Djokovic - und blieb bis heute ohne Sieg gegen die aktuelle Nummer zwei der Welt. "Ich könnte gerade nicht glücklicher sein", sagte Federer nun: "Ich habe es genossen und unglaublich gespielt."

Der erste Satz: Es bahnte sich ein ausgeglichenes, spannendes Match zweier Topspieler an - zumindest wenn man nach dem ersten Spiel urteilen wollte. Beim Stand von 40:40 kämpften die beiden Stars um die erste Führung, nach sieben Minuten ging der Punkt an Djokovic. Bedeutung für die Partie hatte das dann aber kaum. Federer gelang später das erste Break zur 2:1-Führung. Djokovic konnte das nicht mehr aufholen - auch weil er sich zu viele Fehler leistete. Insgesamt 19 unforced Errors unterliefen ihm im gesamten Spiel, viel zu viele für sein Niveau.

Der Aufschlag: Federer trat in seinen Aufschlagspielen enorm stark auf, lediglich drei Punkte gab er im ersten Satz ab, wenn er den Ball in der Hand hatte. Insgesamt schlug der Schweizer zwölf Asse. Dagegen fand Djokovic die gesamte Partie über kein Mittel.

Novak Djokovic resignierte
Reuters/Tony OBrien

Novak Djokovic resignierte

Das Finale: Der nächste Satz begann wie der erste mit einem engen Spiel - erneut mit dem besseren Ende für Djokovic. Und tatsächlich schien es kurz so, als könne der 32-Jährige eine Aufholjagd starten. 48 Minuten waren gespielt, als es bei Aufschlag Federer erstmals 40:40 stand. Djokovic war nah am Break, doch das verhinderte Federer. Es war der Schlüsselmoment das Spiels. Danach gelang dem 38-Jährigen das Break, die Führung gab er nicht mehr her. Nach 1:13 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball.

Kalter Djoker: Djokovic schien das gesamte Spiel über emotionslos. Weder Ärger noch Frust waren in seinem Gesicht zu sehen, in den letzten Spielen ließ er die Niederlage dann über sich ergehen. Nach zwei Niederlagen und einem Sieg schied Djokovic bei den ATP Finals aus und wird das Jahr nicht als Weltranglistenerster beenden. Die Ehre wird Rafael Nadal zu Teil. Nichtsdestotrotz kann Djokovic sich 2019 über die Siege bei den Australian Open und in Wimbledon freuen.

Erfolgsgeheimnis: Im Finale von Wimbledon hatte Federer eine bittere Niederlage gegen Djokovic einstecken müssen. Auf die Frage, was er dieses Mal anders gemacht habe, antwortete Federer vor den 18.000 Fans in der Arena: "Diesmal habe ich den Punkt beim Matchball gemacht." Tennis kann so einfach sein.

Wie geht es weiter? Roger Federer zählt spätestens nach dieser dominanten Leistung zu den Favoriten auf den Sieg in London. Im Halbfinale stehen neben ihm noch Gruppengegner Dominic Thiem und aus der zweiten Gruppe Stefanos Tsitsipas. Um den letzten Platz unter den Top-Vier kämpfen am Freitag Rafael Nadal und Alexander Zverev im Fernduell. Zverev spielt gegen Daniil Medwedew, Nadal gegen Tsitsipas.



insgesamt 4 Beiträge
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schradinho 15.11.2019
1. Tsitsipas schon im Halbfinale?
Das ist noch nicht sicher. Verliert er heute gegen Nadal, und gewinnt Zverev gegen Medvedev, haben drei Spieler 2:1 Matches gewonnen. Dann zählen Satz- und Spielverhältnis. Und da kann der Grieche noch ausscheiden.
saintorsinner 15.11.2019
2. Nein...
Zitat von schradinhoDas ist noch nicht sicher. Verliert er heute gegen Nadal, und gewinnt Zverev gegen Medvedev, haben drei Spieler 2:1 Matches gewonnen. Dann zählen Satz- und Spielverhältnis. Und da kann der Grieche noch ausscheiden.
Nein, Tsitsipas ist sicher weiter. Selbst wenn er in zwei Sätzen verliert und Zverev in zwei Sätzen gewinnt, haben zwar Nadel, Zverev und Tsitsipas alle 2 Spiele gewonnen und 1 verloren. Nadal scheidet aber aus, weil er einen Satz mehr abgegeben hat. Zverev und Tsitsipas hätten in diesem Fall 2 Spiele in 2 Sätzen gewonnen, Nadal hätte ein Spiel in 2 Sätzen gewonnen (das noch ausstehende gegen Tsitsipas) und ein Spiel in 3 Sätzen (gegen Medvedev). Egal was also heute passiert. Tsitsipas ist weiter.
thomas_rettenmund 15.11.2019
3. Im Alter von Federer muss schon vieles stimmen...
die aktuelle physische und mentale Verfassung, ganz sicher - seiner variablen Aufschlagsstärke geschuldet - der Belag und der Spielverlauf im ersten Satz. Dann kann der wohl immer noch technisch kompletteste Spieler der Welt gewinnen und das hatte er hier eindrücklich gezeigt. Aber natürlich, auch ein Djokovic kann nicht jedes Mal auf Topniveau spielen und das war auch hier sichtbar. Trotzdem, der oftmals abgeschriebene Roger Federer hat wieder gezeigt, dass er zu den Allerbesten gehört und solange im das Spiel Freude macht ist er noch ein paar Jährchen zu geniessen. Es sei ihm gegönnt und uns Zuschauern auch.
jean-baptiste-perrier 15.11.2019
4. Siege gegen Djokovic zählen doppelt,
zumindest für Federer. Dass er nun am Jahresende nicht als Nr. 1 geführt wird - sondern Nadal - wird den Djoker auch nicht in die Depression treiben. ATP Finals schön und gut. Doch erst im Januar bei den Australian Open kommt es wirklich drauf an. Gerade bei der Zuspitzung der GS Titel zwischen Federer, Nadal und Djokovic. Federer ist jetzt froh über diesen langersehnten Sieg gegen Djokovic. Das verlorene Wimbledon Endspiel gegen Djokovic (insgesamt zum vierten Mal!) wird Federer jedoch noch lange gedanklich mit sich rumschleppen. Vier verlorene Endspiele in Wimbledon gegen Djokovic! Das wurmt den Maestro schon sehr. Und ganz besonders das letzte mit den vergebenen Matchbällen. Deshalb ATP Finals sind ganz nett, gerade für Leute wie Zverev und Dimitrov. Für die Big 3 ist das aber eher eine Art Probedurchgang.
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