Kaia Kanepi überrascht in Melbourne Die Nummer 115 der Welt wirft Favoritin Sabalenka raus

Mit 36 Jahren hat es Kaia Kanepi erstmals ins Viertelfinale der Australian Open geschafft. Gegen die Weltranglistenzweite Aryna Sabalenka gelang ihr ein Coup – obwohl sie vier Matchbälle vergab.
Kaia Kanepi: »In meinem Alter habe ich nicht geglaubt, dass ich das schaffen würde«

Kaia Kanepi: »In meinem Alter habe ich nicht geglaubt, dass ich das schaffen würde«

Foto: Hamish Blair / AP

Kaia Kanepi hat ihre überraschende Erfolgsserie bei den Australian Open auch gegen die Weltranglistenzweite Aryna Sabalenka fortgesetzt. Die Bezwingerin von Angelique Kerber setzte sich gegen die Belarussin 5:7, 6:2, 7:6 (10:7) durch. Damit sicherte sich die 36 Jahre alte Estin ein Viertelfinale gegen die frühere polnische French-Open-Siegerin Iga Świątek, die Sorana Cîrstea aus Rumänien bezwungen hat.

Kanepis Viertelfinaleinzug ist eine der großen Überraschungen von Melbourne. In das Turnier war sie als Nummer 115 der Welt gegangen, nun steht sie bei ihren 13. Australian Open erstmals in der Runde der letzten Acht. In der Weltrangliste ist ihr damit ein großer Satz nach vorn gewiss. Sollte sie die 16 Jahre jüngere Świątek bezwingen, stünde Kanepi erstmals in ihrer langen Tenniskarriere im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Am vergangenen Dienstag hatte Kanepi Deutschlands beste Spielerin Kerber ausgeschaltet. Es folgten Siege über Marie Bouzková und Maddison Inglis.

Gegen Sabalenka startete sie in der Margaret Court Arena mit einem Satzverlust, profitierte dann aber von Service-Problemen der Favoritin. Auch dank mehrerer Doppelfehler in entscheidenden Momenten gelangen Kanepi wichtige Punkte. Vier Matchbälle vergab die Estin, der fünfte brachte ihr den Sieg.

»In meinem Alter habe ich nicht geglaubt, dass ich das schaffen würde«

»Nach den vergebenen Matchbällen dachte ich, ich würde verlieren«, sagte Kanepi, die bei den anderen drei Grand Slams jeweils zweimal das Viertelfinale erreicht hatte. »Die Australian Open waren das einzige Viertelfinale bei einem Grand Slam, das ich verpasst habe. In meinem Alter habe ich nicht geglaubt, dass ich das schaffen würde.«

Tsitsipas zittert und siegt, Medvedev klagt

Bei den Männern hat Mitfavorit Stefanos Tsitsipas ein frühes Scheitern abwenden können. In einem Fünfsatzmatch machte der Weltranglistenvierte Rückstände wett und rang den Amerikaner Taylor Fritz 4:6, 6:4, 4:6, 6:3, 6:4 nieder. Nach 3:23 Stunden entschied der 23 Jahre alte Grieche die Achtelfinalpartie zu seinen Gunsten. Im Kampf um den Einzug ins Halbfinale bekommt es Tsitsipas nun mit dem Italiener Jannik Sinner zu tun.

Zuvor hatte auch der in Melbourne stark aufspielende Daniil Medvedev sein Achtelfinale gemeistert, dabei aber einige Mühen gehabt. Der Russe stritt mit dem Schiedsrichter, schimpfte über seinen Gegner Maxime Cressy aus den USA und kämpfte sich schließlich ins Viertelfinale. 6:2, 7:6 (7:4), 6:7 (4:7), 7:5 hieß es am Ende aus Sicht des russischen Siegers.

»Es war ein Wahnsinns-Match und ich bin froh, dass ich durch bin«, sagte Medvedev, der nun auf Shootingstar Félix Auger-Aliassime trifft. In dem intensiven Match über 3:30 Stunden gegen Cressy war er zeitweise enorm unzufrieden. Er beklagte sich, dass der Gegner zu viel Zeit vor seinen Aufschlägen in Anspruch nehme und fluchte über vermeintliche Rahmentreffer von Cressy, der 135-mal ans Netz vorrückte.

Medvedev ist in Melbourne in Abwesenheit des Weltranglistenersten Novak Djoković der höchst gesetzte Profi, im Vorjahresfinale unterlag er Djoković in drei Sätzen.

Die Viertelfinal-Begegnungen im Überblick

Damen
Ashleigh Barty – Jessica Pegula
Barbora Krejčíková – Madison Keys
Danielle Collins – Alizé Cornet
Iga Świątek - Kaia Kanepi

Herren
Gaël Monfils – Matteo Berrettini
Denis Shapovalov – Rafael Nadal
Jannik Sinner – Stefanos Tsitsipas
Félix Auger-Aliassime – Daniil Medvedev

mon/dpa/Reuters
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