Dokovic nach seinem Triumph bei den Australian Open Wenn schon keine Liebe, dann wenigstens Rekorde

Bei den Australian Open hat Novak Djokovic erneut gezeigt, welche Ausnahmestellung er derzeit einnimmt. Seit Jahren ist er der beste Tennisspieler der Welt. Aber das reicht ihm nicht.
Novak Djokovic hält viele Rekorde inne, zu den beliebtesten Tennisprofis gehört er aber nicht

Novak Djokovic hält viele Rekorde inne, zu den beliebtesten Tennisprofis gehört er aber nicht

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MICHAEL DODGE / AFP

Nach seinem Finalsieg sprach Novak Djokovic über Liebe. Es sei eine Liebesbeziehung zwischen ihm und den Australian Open, jenem Grand-Slam-Turnier, das er soeben gegen Daniil Medwedew gewonnen hatte. Sie würde von Jahr zu Jahr immer nur weiter wachsen, sagte der Mann, der nun 18 Grand-Slam-Titel gewonnen hat, die Hälfte davon in Melbourne.

Djokovic ist geübt darin, Siegesreden zu halten, oft sind sie voller Pathos. Im vergangenen Jahr, als er hier ebenfalls triumphierte, sprach er hinterher über den tragischen Tod des Basketballers Kobe Bryant. Über die verheerenden Buschbrände, die Australien 2020 heimgesucht hatten. 2021 waren die Themen leichter, das Pathos blieb das gleiche.

Später, auf der Pressekonferenz, war das Finale selbst schnell abgehakt. Zu dominant war der Auftritt des 33-Jährigen. Der deutliche 7:5, 6:2, 6:2-Erfolg über Medwedew war das Ergebnis eines Matchplans gewesen, der da lautete: attackieren, wann immer es möglich ist, auf schnelle Punkte gehen, stets die Kontrolle behalten. All das ging auf. Medwedew sagte hinterher über die großen Drei im Herren-Tennis, zu denen neben dem Serben Rafael Nadal und Roger Federer gehören, sie seien eine Mischung aus Mensch und Maschine. Djokovic ist im Vergleich zu seinen beiden großen Widersachern auf dem Platz vielleicht sogar mehr Maschine als Mensch. Und zugleich der größere Individualist.

Nadal und Federer haben beide jeweils 20 Grand-Slam-Titel gewonnen, zwei mehr als Djokovic. Dieses Rennen nach Titeln würde sie alle drei antreiben, sagte Djokovic. »Es ist ein Wettbewerb zwischen uns. Und solange sie da sind, werde ich auch da sein.« Selten zuvor hat man dem Weltklassespieler angemerkt, wie sehr ihn dieses Thema wirklich umtreibt.

»Ich will Rekorde brechen, ich will mehr Grand-Slam-Titel gewinnen als die anderen«, sagte er.

Nadals und Federers Pokalsammlungen seien eine Sache, aber selbst die 23 Titel von Serena Williams und die immer noch geltende Tennis-Bestmarke von 24 Siegen bei Major-Turnieren, die die Australierin Margaret Court aufstellte, seien Dinge, mit denen er sich beschäftige. Dabei ginge es ihm nicht um das Einstellen von Rekorden, sondern um das Aufstellen von neuen.

Ein Ziel abgehakt, Fokus auf das nächste

In einer Kategorie hat Djokovic das bald geschafft: In zwei Wochen wird er Federers bisherigen Rekord von insgesamt 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste brechen. »Es fühlt sich wie eine große Befreiung an, dass ich dieses Ziel erreichen konnte«, sagte Djokovic. Als Folge dessen wolle er ab sofort seinen Kalender anpassen, wenige Turniere spielen und sich bis zum letzten Tag seiner Karriere insbesondere auf die Grand-Slam-Turniere konzentrieren. Djokovic wirkte wie getrieben, als er seine neuen Pläne enthüllte. Getrieben von der Jagd nach Rekorden.

Seit Jahren ist Djokovic der beste Tennisspieler der Welt. Aber es scheint oft, als reiche es ihm nicht, Matches und Titel zu gewinnen. Es wirkt zuweilen, als gehe es ihm auch darum, ähnlich beliebt zu sein wie seine beiden großen Konkurrenten. Federer und Nadal, sie sind nicht nur große Athleten, sondern auch große Sympathieträger. Auch Djokovic hat weltweit Fans, auf Instagram folgen ihm fast acht Millionen Menschen. Aber so beliebt wie die beiden Rivalen?

Rafa Nadal (l.) und Roger Federer

Rafa Nadal (l.) und Roger Federer

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Adrian DENNIS / AFP

Dass Djokovic das nicht ist, dass er das vielleicht nie sein wird, hat auch mit dem zu tun, wie er abseits des Platzes auftritt. Zum Beispiel im Zuge der Corona-Pandemie. Kurz vor Beginn der Australian Open forderte er weitere Lockerungen für die ohnehin schon begünstigten Tennisprofis. Das brachte ihm teils scharfe Kritik ein. Auch die von ihm organisierte Adria-Tour, bei der es zu Infektionen mit dem Coronavirus kam (unter anderem bei Djokovic selbst), verteidigte er, anstatt sich selbstkritisch zu äußern. Die Liste der Fragwürdigkeiten ließe sich erweitern.

»Es war nicht fair, mich zu kritisieren, ohne richtig hinzuschauen«, sagte Djokovic mit Blick auf seinen umstrittenen Forderungskatalog für die Tenniskolleginnen und -kollegen in Quarantäne. »Es hat mir auch wehgetan. Ich habe mir aber in den letzten Jahren ein dickes Fell angeeignet. Auf meine Leistung hat das alles keine Auswirkung. Dieser Pokal hier ist meine Antwort auf das alles.«

Es mag sein, dass Djokovic nie die Beliebtheit eines Federer, eines Nadal erlangen wird. Aber sportlich kann er sie übertrumpfen. Und das brächte ihm eine ganz eigene Form der Anerkennung, die ihm vorerst niemand wird streitig machen können.

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