Navratilova über Umgang mit Peng-Protesten »Das ist einfach nur erbärmlich«

»Wo ist Peng Shuai?«-Shirts sind bei den Australian Open verboten – die Veranstalter nennen das Statement »politisch«. Tennislegende Martina Navratilova findet das sehr feige.
Peng Shuai

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Kim Hong-Ji / REUTERS

Tennisikone Martina Navratilova hat die Veranstalter der Australian Open für den Umgang mit Protesten in der Causa Peng Shuai kritisiert. Die 65-Jährige bezeichnete es als »erbärmlich«, dass Sicherheitskräfte die Zuschauer daran hindern, im Melbourne Park T-Shirts mit der Aufschrift »Wo ist Peng Shuai?« zu tragen.

Auslöser der Kritik ist ein Internetvideo, das Sicherheitskräfte im Melbourne Park zeigt, wie sie die Zuschauende daran hinderten, zur Unterstützung der chinesischen Tennisspielerin T-Shirts mit der Aufschrift »Wo ist Peng Shuai?« zu tragen. Auf den Aufnahmen ist auch zu sehen, wie Mitarbeiter der Australian Open ein Transparent entfernen. »Unsere Eintrittsbedingungen erlauben keine Kleidung, Banner oder Schilder, die kommerziell oder politisch sind«, sagte ein Sprecher von Tennis Australia zu dem Vorfall und versicherte: »Die Sicherheit von Peng Shuai ist unser Hauptanliegen.«

Martina Navratilova (Archivbild)

Martina Navratilova (Archivbild)

Foto: NOAH SEELAM/ AFP

»Das ist einfach nur erbärmlich. Die WTA steht damit ziemlich allein da!«, twitterte die 18-malige Grand-Slam-Siegerin Navratilova. Die Tennisspielerinnen-Vereinigung WTA hatte sich immer wieder klar positioniert und eine transparente Aufklärung im Fall Peng Shuai gefordert.

Die frühere Doppel-Weltranglistenerste Peng Shuai hatte im November in einem nur kurz zugänglichen Beitrag im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo über ein Verhältnis mit Chinas Ex-Vizepremierminister Zhang Gaoli berichtet. Im Beitrag war auch davon die Rede, dass Zhang mindestens einmal Druck auf Peng ausgeübt habe, um sie zum Sex zu nötigen (mehr zu Pengs Vorwürfen lesen Sie hier).

Ihre anschließende mehrwöchige Abwesenheit in der Öffentlichkeit führte zu Protesten und Forderungen zahlreicher prominenter Kolleginnen und Kollegen sowie Institutionen nach unabhängig überprüfbaren Sicherheitsgarantien für die Athletin.

»Ich finde das sehr, sehr feige«

Dem US-Sender Tennis Channel sagte Navratilova, der australische Tennisverband würde vor China »kapitulieren« und Sponsorengelder über Menschenrechtsfragen stellen. »Ich finde das sehr, sehr feige«, sagte sie, und weiter: »Ich denke, sie liegen damit falsch. Das ist kein politisches Statement, sondern ein Statement zu den Menschenrechten.«

Aktivisten kündigten unterdessen an, tausend T-Shirts drucken und so viele wie möglich in die Arenen der Australian Open bringen zu wollen.

mon/sid/Reuters
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