Strafprozess in London Boris Becker zu Haftstrafe verurteilt

In seinem Insolvenzverfahren legte Boris Becker Vermögen von mehr als einer Million Euro nicht offen – das sieht eine Jury in London als erwiesen an. Nun hat die Richterin das Strafmaß verkündet.
Boris Becker in London

Boris Becker in London

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Frank Augstein / AP

Boris Becker ist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Die Richterin Deborah Taylor verurteilte den 54-Jährigen in London zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft, weil er in seinem Insolvenzverfahren Vermögenswerte von mehr als einer Million Euro nicht offengelegt hatte. Eine Jury hatte die Tennisikone Anfang April schuldig gesprochen .

Bei der Urteilsverkündung sagte Richterin Taylor, dass es bemerkenswert sei, dass Becker »keine Reue« oder »Anerkennung« seiner Schuld gezeigt habe. »Sie haben keine Demut gezeigt«, sagte sie.

Becker kann noch Rechtsmittel einlegen – sowohl gegen den Schuldspruch als auch gegen das Strafmaß. Bleibt das Urteil bestehen, muss Becker mindestens die Hälfte der Strafe absitzen. Becker wies die Vorwürfe stets zurück und betonte, falsch beraten worden zu sein.

Dem 54-Jährigen wurde in dem Strafprozess vorgeworfen, Teile seines Vermögens verschleiert zu haben, nachdem er von einem Londoner Gericht im Jahr 2017 für insolvent erklärt worden war. Die Jury am Londoner Gerichtshof Southwark Crown Court befand ihn in vier von 24 Anklagepunkten für schuldig.

Immobilienbesitz in der Heimat verschleiert

Konkret geht es um eine Immobilie in Beckers Heimatort Leimen, deren Eigentümerschaft er verschleiert haben soll, zudem gelangten die Geschworenen zur Ansicht , dass Becker unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwiesen und Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz verschwiegen hatte.

Staatsanwältin Rebecca Chalkley hatte Becker zuvor einen schweren Vertrauensbruch vorgeworfen. Sie verwies zudem darauf, dass er in Deutschland wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war – dies erwähnte auch Richterin Taylor anschließend als strafverschärfend. Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw sprach sich für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren aus.

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Insgesamt hatte die Staatsanwaltschaft 24 Anklagepunkte hervorgebracht. Die Geschworenen sahen es jedoch unter anderem nicht als erwiesen an, dass Becker absichtlich verschweige, wo etwa die Miniatur des Wimbledon-Pokals ist, den er mit 17 Jahren im Jahr 1985 gewonnen hatte.

Der dreifache Wimbledon-Sieger hatte zwar während seiner Karriere etwa 25 Millionen US-Dollar an Preisgeld eingesammelt und nach eigenen Schätzungen etwa dieselbe Summe mit Werbung verdient. Dennoch geriet er in finanzielle Probleme. Becker machte dafür vor Gericht unter anderem die Scheidung von Ex-Frau Barbara verantwortlich sowie Unterhaltskosten.

hba/dpa