Caroline Wozniacki Abschied in ein neues Leben

Die ehemalige Weltranglistenerste Caroline Wozniacki beendet nach ihrem Aus bei den Australian Open mit 29 Jahren ihre Karriere. Für die Dänin der Anfang eines neuen Kapitels.
Von Philipp Joubert
Wozniacki stand 71 Wochen an der Spitze der Weltrangliste, bei den Australian Open feierte sie ihren Abschied

Wozniacki stand 71 Wochen an der Spitze der Weltrangliste, bei den Australian Open feierte sie ihren Abschied

Foto: Mark Kolbe/ Getty Images

Als Caroline Wozniacki den Tennisplatz eigentlich schon verlassen wollte, spielte die Stadionregie noch ein letztes Mal den Song „Sweet Caroline“ von Neil Diamond. Eine Hommage an ihren größten Triumph: Denn das Lied ertönte auch nach ihrem Sieg bei den Australian Open im Jahr 2018. Damals hatte sie im Endspiel gegen die Rumänin Simona Halep den Titel gewonnen. Und auch dieses letzte Mal singen die Zuschauer den Refrain laut mit. Denn nun ist es Zeit für das nächste Kapitel ihres Lebens.

Caroline Wozniacki lief mit der dänischen Flagge über den Court

Caroline Wozniacki lief mit der dänischen Flagge über den Court

Foto: Mike Owen/ Getty Images

Ihre Tenniskarriere hatte im dänischen Odense als siebenjähriges Kind polnischer Eltern begonnen, 22 Jahre später verkündete sie exklusiv im amerikanischen Frühstücksfernsehen ihren Rücktritt. Im Hintergrund johlten die Studiozuschauer, die Moderatorin ratterte durch ein paar Fakten: zweimal Nummer 1 der Welt, ein Star auf und neben dem Platz. Es ist ein Bogen, den im letzten Tennisjahrzent dann auch kaum jemand so mühelos geschlagen hat wie Wozniacki: Von der übertalentierten Athletin hinzu einem der wenigen Weltstars, die das Tennis wirklich hatte.

Wozniacki lief, rannte und sprintete

Der Melbourner Nachmittag, an dem Wozniackis sportliche Laufbahn nun endgültig mit einer 5:7 6:3 5:7 Niederlage gegen Ons Jabeur endete, wurde nicht nur zum Beweis ihrer Anziehungskraft. Er kam daher wie ein spielerisches Potpourri der Karriere Wozniackis. Wie so oft im letzten Jahrzehnt traf Wozniacki auf eine Gegnerin, die ihr - nicht nur auf den ersten Blick - technisch überlegen schien.

Doch die 29-Jährige tat, was sie stets getan hatte: Wozniacki lief, rannte und sprintete – so lange bis selbst sie nicht mehr entwischen konnte. Eine finale Vorhand, die ins Aus segelte, Freudentränen im Interview auf dem Platz. Wozniacki witzelte über die vom Tenniskollektiv stets angemeckerten Unzulänglichkeiten auf der Vorhand, winkte und lachte, ließ sich von ihrem Vater über den Platz tragen. Der Vater, dessen animierte Ansprachen genauso zur Wozniacki Folklore gehörten wie ihre Sonnenschein-Attitüde.

Anerkennende Worte von Angelique Kerber

Doch nur ein Lächeln, das hätte Wozniacki natürlich nie an die Spitze gebracht. Wer in Melbourne nach Wozniacki fragte, der bekam dann neben „Nettigkeit“ immer wieder ein Wort zu hören: Entschlossenheit. Auch Angelique Kerber, die mit Wozniacki gut befreundet ist, sagte auf Nachfrage dem SPIEGEL: „Caroline ist neben dem Platz genauso wie auf dem Platz. Sie ist locker und weiß genau was sie will, auch jetzt nachdem die Karriere vorüber ist.“ Dass Wozniacki stets das Besondere anstrebte, zeigte sich früh.

Als sie die Dänischen Meisterschaften für unter Zwölfjährige gewann, sagte Wozniacki einem TV-Team, sie wolle die beste Spielerin der Welt werden. Schon im Alter von 20 Jahren konnte Wozniacki einen Haken hinter dieses Ziel setzen.

Bei den Australian Open 2018 gelang Wozniacki der einzige Sieg bei einem Grand Slam

Bei den Australian Open 2018 gelang Wozniacki der einzige Sieg bei einem Grand Slam

Foto: Edgar Su/REUTERS

Doch bis sie den inoffiziellen Titel als beste Spielerin, die nie ein Grand Slam Turnier gewinnen konnte, abschüttelte, dauerte es noch mehr als sieben Jahre. Die Zwischenzeit füllte Wozniacki mit Titeln und Statistiken, die sie einst in die Ruhmeshalle des Tennis führen werden. Doch die finale Erleichterung kam erst mit dem Australian Open Titel 2018. Der Ort, an dem Wozniacki nun ihren Abschied nahm. Über die letzten zwei Jahre war die Karriere der Dänin ausgetrudelt, vor allem auf Grund von Verletzungen und einer rheumatischen Arthritis, die anscheinend selbst die Vielarbeiterin Wozniacki im Eifer bremste.

Abschied in eine neues Leben

Ein Leben ohne fest abgestecktes Trainingspensum, das sei dann auch eine der Sachen, auf die sie sich am meisten freute, sagte Wozniacki als sie gut neunzig Minuten nach ihrem letzten Match im Pressekonferenzraum eingetroffen war. Der Nagellack leuchtete im selben Blau wie die Courts von Melbourne, die Taschentücher standen bereit, der Ton nasal von den Tränen, die sie mit ihrer Familie vergossen hatte. Doch Wozniacki ging wie sie einst ins Tennis gekommen war: Mit einem Lachen. 

Denn auch jetzt betonte Wozniacki zwar, sie wolle als harte Arbeiterin in Erinnerung bleiben. Aber sie hoffe, sie habe auch ein bisschen Fröhlichkeit im Tennis hinterlassen können. Durchaus bemerkenswerte Abschiedsworte, in einem Sport, der Härte nach innen und außen zelebriert und den Wozniacki nun für ihr nächstes Kapitel hinter sich lässt.

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