Bilanz des neuen Davis Cup Gemischtes Doppel

Zum ersten Mal wurde der Tennis-Davis-Cup in einer Woche in Turnierform ausgetragen. Dem Sport hat es nicht geschadet. Aber die Rahmenbedingungen kamen nicht gut an - von Nachttennis bis Shakira.
Shakira beim Davis Cup in Madrid an der Seite ihres Mannes Gerard Piqué: Die Begeisterung hielt sich in Grenzen

Shakira beim Davis Cup in Madrid an der Seite ihres Mannes Gerard Piqué: Die Begeisterung hielt sich in Grenzen

Foto: Alex Pantling/Getty Images

Rafael Nadal sank nach seinem verwandelten Matchball zu Boden, seine Teamkollegen eilten herbei, um den Weltranglistenersten zu feiern. Wieder einmal war Nadal es gewesen, der seine Mannschaft zum Erfolg im Davis Cup geführt hatte. Zum insgesamt sechsten Mal gewannen die Spanier den wichtigsten Team-Wettbewerb der Welt.

Dem Finalsieg gegen Kanada waren viele Partien vorausgegangen, in denen Nadal auch seine Qualitäten im Doppel unter Beweis stellen musste. Für den 33-Jährigen, der in diesem Jahr nach den Siegen bei den French und US Open auch Platz eins in der Weltrangliste zurückerobert hatte, war es der perfekte Saisonabschluss.

Dabei war der von Fußballprofi Gerard Piqué und seiner Investmentfirma Kosmos umgekrempelte Davis Cup als Saisonabschluss sehr umstritten gewesen. Schon vor dem Start waren die Bedenken groß, der ehemalige Tennisprofi Carl-Uwe Steeb sagte, man habe "dem Davis Cup eigentlich das Herz herausgerissen". Boris Becker kritisierte die einwöchige Veranstaltung, wenngleich er wenig später versprach, dem neuen Format eine "Chance geben zu wollen".

Davis-Cup-Sieger Spanien nach dem Triumph: Perfekter Saisonabschluss - zumindest für Nadal

Davis-Cup-Sieger Spanien nach dem Triumph: Perfekter Saisonabschluss - zumindest für Nadal

Foto: GABRIEL BOUYS /AFP

Kritik am Austragungsort

Erstmals wurde in diesem Jahr der Davis-Cup-Sieger binnen einer Woche ausgespielt. Dazu an einem "neutralen" Ort, sagten die Veranstalter. Neutral wäre der Ort aber nur gewesen, wenn Spanien nicht teilgenommen hätte. Dass Spanien das Event in Madrid gewann und die Veranstaltung auch im kommenden Jahr in der spanischen Hauptstadt stattfinden wird, dürfte nicht zum Ende der Diskussionen beitragen. Der ehemalige US-Open-Finalist Greg Rusedski forderte nun, den Team-Cup jährlich an einem anderen Ort austragen zu lassen.

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Gestartet wurde in sechs Gruppen mit jeweils drei Ländern. Die Gruppensieger qualifizierten sich für das Viertelfinale, ebenso die zwei besten Gruppenzweiten. Auch an diesem Modus gab es Kritik. Fans bemängelten auf Twitter, dass manche Gruppensieger gegen andere Gruppensieger antreten mussten und andere gegen einen vermeintlich schwächeren Gruppenzweiten.

Auch die Terminansetzung sollte für Ärger sorgen, besonders groß war die Aufregung über die Partie zwischen den USA und Italien. Das Doppel zwischen den beiden Nationen endete um vier Uhr nachts. "Ich weiß gar nicht mehr, wo wir sind, wie viel Uhr wir haben, welcher Tag ist", sagte der amerikanische Davis-Cup-Kapitän Mardy Fish nach dem 2:1-Erfolg seiner Mannschaft.

Und wie kam die Veranstaltung beim Publikum an? Die Begeisterung hielt sich meist in Grenzen. Zwar sorgten Tennisfans aus Argentinien und Italien für Stimmung, manche Partien fanden aber vor halbleeren Rängen statt. Die lautstarke Unterstützung der Zuschauer vermisste auch Philipp Kohlschreiber. Er sagte, dass die "besondere Atmosphäre" fehle.

Shakira bekommt eine Bühne

Piqué selbst nutzte die Veranstaltung auch, um die Tournee von Ehefrau Shakira zu bewerben. "Shakira in Concert - El Dorado World Tour" stand in großen Buchstaben auf den Werbebanden geschrieben; am letzten Spieltag trat die kolumbianische Sängerin in der ausverkauften Arena in Madrid auf. Aber dieser Auftritt sollte bei den Tennisfans nicht für Begeisterung sorgen.

Am Ende kam eigentlich nur das gut an, was Piqué und seine Investmentfirma kaum beeinflussen konnten: die sportliche Leistung. Aus dieser Perspektive war der Davis Cup in Madrid ein Erfolg. Superstars wie Nadal und Novak Djokovic, der mit Serbien im Viertelfinale an Russland scheiterte, boten den Zuschauern nach einer langen Saison noch einmal spektakuläre Ballwechsel. Auch Andy Murray war dabei, allerdings nach seiner Hüftoperation immer noch weit vom alten Leistungsvermögen entfernt.

Beim Teilnehmerfeld trübten lediglich die Absagen von Roger Federer und Alexander Zverev die Stimmung der Veranstalter. Die beiden zogen dem Davis Cup eine mehrtägige Tour durch Lateinamerika vor. Dabei stellten sie einen neuen Rekord auf: In Mexiko City duellierten sich die beiden in der größten Stierkampfarena der Welt vor 42.517 Fans.

Solche Bilder hätte sich Piqué wohl auch für seine Veranstaltung gewünscht. Der Fußballspieler des FC Barcelona sagte am Ende: "Wir wussten, dass es Schwierigkeiten geben wird. Wir müssen einige Sachen verbessern." Insgesamt fiel sein Fazit zur Premiere aber positiv aus.

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