Halbfinale bei den French Open Zverevs Drama, Nadals Magie

Bis zu seiner Verletzung bot Alexander Zverev Rafael Nadal ein großes Match. Der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel platzte jedoch schmerzvoll. Der Spanier zeigte, warum er eine spezielle Beziehung zu den French Open hat.
Aus Paris berichtet Marcus Krämer
Alexander Zverev liegt nach seinem folgenschweren Sturz auf dem Boden

Alexander Zverev liegt nach seinem folgenschweren Sturz auf dem Boden

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GONZALO FUENTES / REUTERS

Krücken statt Schläger: Über drei Stunden waren im ersten Halbfinale der French Open gespielt. Alexander Zverev duellierte sich mit Rafael Nadal auf hohem Niveau, der zweite Satz wäre in den Tiebreak gegangen. Doch dann passiert es: Zverev will eine Vorhand von Nadal zurückbringen und knickt dabei mit dem rechten Fuß böse um. Die Schmerzensschreie sind im gesamten Stadion zu hören, kurz darauf wird der Deutsche mit dem Rollstuhl vom Platz gebracht. Nadal wartet kurz, geht dann hinterher in die Katakomben und kommt mit Zverev auf Krücken zurück auf den Platz. Der Traum vom zweiten Grand-Slam-Finale seiner Karriere ist jäh ausgeträumt, die French Open sind für Zverev vorbei.

Das (unwichtige) Ergebnis: In der Tennis-Fachsprache heißt es »Walkover«, wenn ein Spieler nach Aufgabe seines Gegners weiterkommt. Nadal steht nach dem 7:6, 6:6 mal wieder im Finale der French Open.

Zverev kommt auf Krücken zurück und wird von Nadal getröstet

Zverev kommt auf Krücken zurück und wird von Nadal getröstet

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YVES HERMAN / REUTERS

Ein Siegerinterview wider Willen: Zverev war es ein Anliegen, sich persönlich von den Fans zu verabschieden. Das wurde mit »Sascha«-Rufen honoriert, auch weil er Nadal, dem Liebling der Massen, bis dahin ein Match auf Augenhöhe geliefert hatte. Nadal wiederum hätte im Anschluss am liebsten mit Zverev den Platz verlassen, auf das Interview mit Mats Wilander hätte er gern verzichtet. »Es ist ein Traum, wieder im Finale zu stehen«, sagte Nadal mit betretener Miene. »Aber Zverev in der Kabine weinen zu sehen, war ein schlimmer Moment.«

Hallentennis in Paris: Seit zwei Jahren gibt es beim zweiten Grand-Slam des Jahres die Möglichkeit, auf dem Court Philippe-Chatrier ein Dach zu schließen. Eine halbe Stunde vor Beginn fing es in Paris tatsächlich an zu regnen, und so entschlossen sich die Veranstalter frühzeitig, für sichere Bedingungen zu sorgen. Das bedeutete auch: keine Sonne, kein Wind und vor allem völlig andere Bedingungen, als beide Spieler in den vergangenen Tagen im Training hatten. Vorteil für den erfahreneren Nadal? Am Ende war es egal.

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Es sind immer noch French Open: Rafael Nadal und dieses Grand-Slam-Turnier im Stade Roland Garros – das ist eine spezielle, fast magische Beziehung. Das weiß auch Zverev, er hatte in den vergangenen Tagen selbst darüber gesprochen. Bis zu seiner Verletzung hat er es nun auch erlebt. Zverev war im ersten Satz der bessere, aktivere Spieler. Er führte lange, dann ging es in den Tiebreak, wo Zverev vier Satzbälle hatte. Nadals Magie zeigte sich in zwei sensationellen Vorhandschlägen, beide in totaler Bedrängnis, die eine zur Abwehr des dritten Satzballs physikalisch fast nicht möglich. So spielt ein 13-maliger French-Open-Sieger.

Frühstarter Zverev: Als die beiden Kontrahenten das Stadion betraten, war alles wie immer. Nadal gehörten die Sympathien des Publikums, er drapierte seine Handtücher akribisch am Spielfeldrand, die Pausen zwischen den Ballwechseln nutzte er wie gewohnt bis zur Grenze des zeitlich Erlaubten aus. Nur sportlich lief es für Nadal nicht – denn Zverev begann, wo er im Viertelfinale gegen Carlos Alcaraz aufgehört hatte. Fokussiert, äußere Umstände ausblendend, mit einer guten Länge in den Grundschlägen, konstant beim Aufschlag. Nach einer halben Stunde mit einem frühen Break hatte Zverev bereits zwölf Winner geschlagen, am Ende des Satzes waren es 25.

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91 Minuten Tenniswerbung: Zur Analyse dieses Matches gehörte jedoch auch, dass sich mit dem Rebreak von Nadal zum 4:4 Zverevs Fehler häuften. Mal war es ein verunglückter Stopball, einmal verlor der 25-Jährige gar seinen Schläger, zudem konnte Zverev mit den kurz gespielten Bällen des Spaniers wenig anfangen. Es war ein nicht immer hochklassiges, aber dramatisches Match, das sich nicht hinter Nadals zahlreichen Schlachten gegen Novak Djoković oder Roger Federer verstecken musste. Es gipfelte in einem Tiebreak mit insgesamt acht Mini-Breaks – und dem besseren Ende für den Matador.

Gentleman Nadal: Wäre es nicht Rafael Nadal, gäbe es auf der ATP-Tour oder bei Grand-Slam-Turnieren wohl häufiger Beschwerden wegen seiner häufigen Spielverzögerungen, zum Beispiel häufiges Balltippeln vor dem Aufschlag oder Schweiß abwischen. Einer aktiven Tennislegende verzeiht man aber mehr – auch deshalb: Nach dem Spielgewinn zum 6:5 begegneten sich Zverev und Nadal auf dem Weg zu ihren Bänken am Netz. In der Regel gehen sich Spieler in diesen Situationen aus dem Weg, schauen sich nicht mal an. Nadal ließ seinem Gegner mit einer kurzen Geste den Vortritt.

Neue Stärke, alte Schwächen: Der zweite Satz begann wie aus dem Tennislehrbuch. Nach diesem intensiven, von dem schlechten Ende überstrahlten ersten Durchgang verlor Zverev sein erstes Aufschlagspiel zu null. Es gab in der Vergangenheit Turniere, da wäre er im Anschluss in eine Negativspirale geraten. Doch der Zverev dieser French Open hat sich mental weiterentwickelt, er lässt sich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen, bleibt auch nach Negativerlebnissen konzentriert. Das Spiel war nun von Aufschlagverlusten auf beiden Seiten geprägt, Zverev streute leichte Fehler ein, sein Aufschlag kam nicht mehr so zuverlässig. Doch er blieb stets dran – bis zu seinem verhängnisvollen Sturz.

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Wie geht es weiter? Wenn klar ist, welche Verletzung Zverev sich genau zugezogen hat (die Diagnose ist noch nicht bekannt), wäre es dem Weltranglistendritten zu wünschen, dass er das Positive aus diesen French Open herausziehen kann: Die Sehnsucht nach dem ersten Grand-Slam-Titel bleibt, doch trotz seiner Finalteilnahme bei den US Open 2020 scheint Zverev noch nie näher dran gewesen zu sein. »Ich weiß, wie hart es ist, ein Grand Slam zu gewinnen«, sagte auch Nadal. »Er wird es schaffen.«

Der 36-Jährige trifft am Sonntag im Finale auf den Sieger des Spiels zwischen Casper Ruud (Norwegen) und Marin Čilić (Kroatien). Bei einem Erfolg stünde Nadal bei 14 French-Open-Triumphen – und 22 Grand-Slam-Siegen insgesamt.

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