Im Rollstuhl vom Platz Zverev muss im Halbfinale gegen Nadal verletzt aufgeben

Bei den French Open lieferten sich Alexander Zverev und Rafael Nadal in der Hitze von Paris einen harten, packenden Kampf. Dann der Schock: Der Deutsche knickte um, musste den Platz verlassen.
Alexander Zverev

Alexander Zverev

Foto: Clive Brunskill / Getty Images

Olympiasieger Alexander Zverev hat bei den French Open das Endspiel auf dramatische Weise verpasst. Der 25 Jahre alte Weltranglistendritte aus Hamburg musste im Halbfinale gegen den spanischen Grand-Slam-Rekordchampion Rafael Nadal beim Stand von 6:7 (8:10), 6:6 aufgeben, nachdem er umgeknickt war. Zverev schrie vor Schmerzen, konnte nicht auftreten und wurde anschließend mit einem Rollstuhl vom Platz gefahren. Wenige Minuten später kam der 25-Jährige auf Krücken zurückgehumpelt, gab auf und umarmte Nadal. Zum Zeitpunkt der Aufgabe waren bereits mehr als drei Stunden gespielt.

Beim Platzinterview zeigte sein Gegner Mitgefühl: »Es ist sehr schwer und sehr traurig für ihn. Er hat ein unglaubliches Turnier gespielt«, sagte Nadal. »Ich bin mir sicher, dass er nicht nur ein Grand-Slam-Turnier gewinnen wird. Ich wünsche ihm nur das Beste.« Zverev weinen zu sehen, sei ein sehr schwerer Moment, betonte Nadal.

»Sascha weint nie. Nie!«, hatte Zverevs Bruder Mischa bei Europort angesichts der Fernsehbilder ausgerufen und angefügt: »Der kommt nicht wieder«. Alexander Zverev humpelte wenig später unter donnerndem Applaus vom Court Philippe Chatrier. Zverev, der auch im vergangenen Jahr das Halbfinale in Paris erreicht hatte, wartet damit weiter auf den zweiten Finaleinzug seiner Karriere bei einem Majorturnier. Dies gelang ihm bislang nur bei den US Open 2020, bei denen er den Titel knapp verpasste.

Heißer Fight unter dem Dach

Wegen des Regens in der französischen Hauptstadt war das Dach über dem größten Stadion der Anlage geschlossen worden. Es war sehr heiß, das Publikum stand bereits im ersten Satz von den Sitzen auf – Finalstimmung. Sieben Spiele lang spielte Zverev danach das beste Tennis, das er bislang je bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt hatte. Doch dann kam es plötzlich zu einem Bruch im Spiel des Deutschen. Nadal, seit Wochen mit chronischen Fußbeschwerden spielend, war weiter weit von seiner Topform entfernt, doch Zverev unterliefen auf einmal viele leichte Fehler. So ließ er Nadal zurück ins Spiel, zum 4:4 schaffte der Spanier das Break zum Ausgleich.

Danach wogte die Partie hin und her. Zverev wehrte beim Stand von 4:5 drei Satzbälle Nadals ab, um dann im anschließenden Aufschlagspiel des Spaniers zwei Breakbälle nicht zu nutzen. Im Tiebreak hatte Zverev dann auf einmal vier Satzbälle. Einen vergab Zverev mit einem leichten Volley-Fehler, den Rest wehrte Nadal ab. Zverev hielt dagegen, wehrte zwei weitere Satzbälle von Nadal ab, um den ersten Durchgang nach 1:31 Stunden dann doch zu verlieren – weil Nadal mit einem unfassbaren Passierball seinen sechsten Satzball unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer nutzte.

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Im zweiten Satz ging das Hin und Her weiter. Zverev verlor sofort seinen Aufschlag, kämpfte sich aber zurück und machte Nadal das Leben weiter unglaublich schwer. Beim Stand von 5:3 schlug er zum Satzgewinn auf, leistete sich aber drei Doppelfehler. Die Entscheidung schien so erneut im Tiebreak zu fallen – dann knickte Zverev um und musste aufgeben.

Stehender Applaus für Altmeister Nadal

Rekordsieger Nadal peilt dagegen in Roland Garros seinen 14. Titel an. Schon beim Einmarsch auf den Court Philippe Chatrier wurde er mit Ovationen empfangen. Die Zuschauer erhoben sich von den Plätzen und applaudierten – so als ob sie den spanischen Ausnahmekönner zum letzten Mal live bewundern könnten. Zu Ehren seines Geburtstages stimmte das Publikum dann sogar ein Ständchen an. Nadal trifft im Endspiel am Sonntag (15.00 Uhr / Eurosport) als Favorit auf den Norweger Casper Ruud oder Marin Čilić aus Kroatien.

vgl/sid
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