Nadals 14. French-Open-Sieg 2005, 2006, 2007, 2008, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2017, 2018, 2019, 2020 und 2022

Rafael Nadal und die French Open, diese Liebe will kein Ende nehmen: Der Spanier hat zum 14. Mal das Grand-Slam-Turnier auf Sand gewonnen – und trat im Anschluss Gerüchten über einen Rücktritt entgegen.
Aus Paris berichtet Marcus Krämer
Rafael Nadal auf dem roten Sand, den er so liebt

Rafael Nadal auf dem roten Sand, den er so liebt

Foto:

GONZALO FUENTES / REUTERS

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Er bleibt: So oder so sollte dieser 5. Juni ein historischer Tag werden. Rafael Nadal im Finale der French Open, zum 14. Mal, diesmal gegen Casper Ruud. Der Spanier spielte um seinen 22. Grand-Slam-Titel, damit konnte er seine große Rivalen Roger Federer (20 Titel) und Novak Djokovic (20) weiter distanzieren. Den gesamten Tag über hielten sich in Paris zudem Gerüchte, Nadal könnte im Anschluss an das Finale seinen Rücktritt vom Leistungssport erklären. Der Paukenschlag blieb aus. »Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, aber ich werde weiter kämpfen«, sagte Nadal bei der Siegerehrung. Und ja: Der Sieger hieß Rafael Nadal.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Das Ergebnis: Es war ein einseitiges Finale, Nadal gewann nach einer Spielzeit von 2:16 Stunden gegen Ruud 6:3, 6:3, 6:0. Er steht nun tatsächlich bei 22 Major-Triumphen.

Pariser Liebe: Die Zuneigung der Pariser Fans für Rafael Nadal könnte nicht größer sein, selbst wenn er einer der ihren wäre, ein Franzose. Nadal ist Spanier und es waren auch viele spanische Fans unter den über 15.000 Besuchern auf dem Court Philippe-Chatrier. Aber mit dem Moment, wenn Nadal die rote Asche betritt, spielen Nationalitäten keine Rolle mehr. Den ersten akustischen Höhepunkt dieser Liebesbeziehung gab es an diesem Sonntag – wie schon seit Jahren –, als Stadionsprecher Marc Maury die bisherigen French-Open-Titel Nadals klangvoll (»deux mille…«) aneinanderreihte: 2005, 2006, 2007, 2008, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2017, 2018, 2019, 2020. Nun kann Maury 2022 (deux mille vingt-deux) hinzufügen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Selbst das Wetter spielt mit: Nach dem Halbfinale, mit dem schmerzhaften Ende für Alexander Zverev, hatte Nadal die Bedingungen auf seinem Lieblingsplatz moniert. Am Freitag hatte es geregnet, das Dach musste geschlossen werden und so kämpfte Nadal mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Die Bälle seien sehr schwer gewesen, sein Topspin verlor an Wirkung. Für den Finaltag waren zunächst wieder Niederschläge angesagt gewesen, doch die dunklen Wolken über dem Stade Roland Garros hielten dicht. Das Dach blieb auf, die Sonne kam raus, der König bekam zu seiner 14. Krönung seine Lieblingsbedingungen.

Ist der Lehrmeister nervös? Man sollte meinen, Nadal kann nichts mehr überraschen. Und doch gab es im ersten Satz einen kurzen Moment, der nach Nervosität aussah. Der 36-Jährige war mit einem Break standesgemäß gestartet, Nadal hätte auf 3:0 stellen können. Es folgte: Doppelfehler, Doppelfehler, Vorhandfehler. Ein seltener Anblick, den Ruud jedoch nicht zu nutzen wusste – und Nadal umgehend widerlegte. Er zog das Tempo mit seiner alles beherrschenden Vorhand an, der Norweger schaffte nur noch zwei weitere Spielgewinne.

Der Lehrling ist nervös: Für Ruud war es ein außerordentliches Spiel. Erstmals stand der 23-Jährige in einem Grand-Slam-Finale, natürlich auf seinem Lieblingsbelag Sand, auf dem er in seiner Karriere bereits sieben Titel gewinnen konnte. Vor allem aber trainiert Ruud seit 2018 in Nadals Akademie auf Mallorca. Die beiden hatten noch nie ein offizielles Match gegeneinander bestritten, kennen sich aber aus unzähligen Trainingsspielen. Nadal lobte Ruud im Vorfeld des Finals über alle Maßen, als Spieler, aber auch als Mensch. »Er ist in einer tollen Familie aufgewachsen«, sagte er, Ruud wird von seinem Vater, einem Ex-Tennisprofi, trainiert. Den Respekt vor seinem Idol konnte Ruud nur in ganz wenigen Ballwechseln des ersten Satzes ablegen.

Casper Ruud (l.) und sein Idol Rafael Nadal

Casper Ruud (l.) und sein Idol Rafael Nadal

Foto:

YVES HERMAN / REUTERS

Ploing: Der Schlag des Tages, zumindest aus akustischer Sicht, ging trotzdem auf Ruuds Konto. Nadal hatte nach 48 Minuten Satzball, der Aufschlag ging weit nach außen, auf die beidhändige Rückhand des Norwegers. Ruud traf nicht das Feld – sondern das Mikrofon des Schiedsrichters. Es machte Ploing – und der Satz war weg.

Schnelle Punkte braucht der Ruud: Je länger das Spiel dauerte, desto klarer wurde, wo Ruuds Chancen lagen – und warum er es überhaupt in dieses Finale geschafft hatte. Der erste Aufschlag ist eminent wichtig für sein Spiel, die Vorhand longline kommt hart und präzise, er kann extreme Winkelschläge einbauen. Nach guten Schlägen waren bisweilen »Rüüüüd«-Rufe zu hören. Doch bei längeren Ballwechseln war Ruud meist chancenlos. Im zweiten Satz lag der Rechtshänder ein Break vor (3:1), doch wieder zog Nadal an, wieder ging es dahin. »Ich bin nicht dein erstes Opfer«, sagte Ruud im Anschluss.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Niemals fünf Sätze: Vor dem dritten Satz verschwand Nadal für einige Minuten in der Kabine. Die Zuschauerinnen und Zuschauer probierten sich an einer La Ola, im sechsten Versuch sollte es klappen. Ruud stand schon lange zum Return bereit, ehe Schiedsrichter James Keothavong Nadal zum Weiterspielen aufforderte. Die Stimmung wirkte so, als sei allen klar, dass Nadal eine 2:0-Satzführung nicht aus der Hand geben würde. Übrigens: In seinen 14 French-Open-Endspielen musste Nadal nie über fünf Sätze gehen.

Ein durchschnittliches Finale: Ruud war an diesem Tag einfach nicht gut genug, um Rafael Nadal an seine Grenzen zu bringen, so wie es Zverev im Halbfinale zumindest zeitweise geschafft hatte. Aber auch die French-Open-Legende erwischte zwei Tage nach seinem 36. Geburtstag nicht seinen besten Tag. Egal: game, set, match and legend Nadal.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.