Ohne Mundschutz, ohne Abstand Djokovic lädt zum Tennisturnier, 4000 Zuschauer kamen

Während in Deutschland wegen der Corona-Pandemie noch Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen gelten, füllt Novak Djokovic mit anderen Tennisstars in Serbien ein ganzes Stadion. Nun muss sich der Initiator rechtfertigen.
Novak Djokovic spielt wieder vor Zuschauern: "Es liegt nicht an mir, eine Entscheidung darüber zu treffen, was für die Gesundheit richtig oder falsch ist"

Novak Djokovic spielt wieder vor Zuschauern: "Es liegt nicht an mir, eine Entscheidung darüber zu treffen, was für die Gesundheit richtig oder falsch ist"

Foto: imago images/Xinhua

Zuschauer saßen ohne Mundschutz auf der Tribüne, Novak Djokovic machte Selfies mit Fans und Alexander Zverev reichte Handtücher herum: Beim ersten Tennisturnier der Adria-Tour in Belgrad schien die Sorge vor dem Coronavirus weit weg zu sein. Die serbische Regierung hat Sportevents mit Zuschauern wieder erlaubt - und so konnte das von Djokovic initiierte Show-Turnier in einer scheinbaren Normalität vor bis zu 4000 Zuschauern in der Arena stattfinden.

Bereits vor Turnierbeginn hatte sich der 33-Jährige für den Einlass von Zuschauern gerechtfertigt. "Man kann uns kritisieren und sagen, dass das vielleicht gefährlich ist", sagte Djokovic, "aber es liegt nicht an mir, eine Entscheidung darüber zu treffen, was für die Gesundheit richtig oder falsch ist." Man halte sich an die Vorgaben der Regierung. In Serbien sind nach der Corona-bedingten Zwangspause seit dem 1. Juni auch wieder Fußballspiele mit Publikum erlaubt, wenn zwischen den Zuschauern ein Sicherheitsabstand von einem Meter eingehalten wird. Von solchen Vorsichtsmaßnahmen war beim Tennis aber auf Bildern und bei Fernsehübertragungen kaum etwas zu sehen.

Zverev freute sich, dass am Samstag selbst bei seinem erst nach Mitternacht beendeten 4:1, 4:1 gegen den Serben Viktor Troicki Zuschauer auf den Tribünen saßen. "Das bedeutet mir viel. Als wir die Tour gestartet haben, wussten wir nicht, ob wir Zuschauer haben dürfen, jetzt dürfen wir", sagte der 23-Jährige. Am Sonntag verlor er sein letztes Vorrundenspiel gegen Djokovic trotz einer zwischenzeitlichen Steigerung 0:4, 4:1, 2:4 und verpasste damit knapp Rang eins und das Finale. Das gewann der Österreicher Dominic Thiem gegen Filip Krajinovic 4:3 (7:2), 2:4, 4:2. "Ein voller Center-Court ist ein Traum für jeden Spieler", sagte Thiem.

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Selfies und Umarmungen: Djokovic-Turnierserie beginnt in Belgrad mit Zuschauern

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Mit der Showkampf-Serie will Djokovic Gelder für karitative Zwecke sammeln. Weitere Turniere der Tour sollen bis Anfang Juli in Kroatien und Bosnien und Herzegowina stattfinden. Die Profi-Touren ATP und WTA stehen nach wie vor still, mindestens bis zum 31. Juli sind die Turniere ausgesetzt. Auch der Deutsche Tennis Bund veranstaltet deswegen momentan eine Turnierserie - allerdings mit weniger prominenten Namen und unter erheblich strengeren Hygieneregeln.

Am Montag soll sich derweil entscheiden, ob Ende August tatsächlich die US Open beginnen können. Es wird ein gemeinsames Statement des amerikanischen Verbands sowie der ATP und WTA erwartet, in dem Stellung zu der Austragung des Grand-Slam-Turniers genommen wird. Möglich ist eine Absage, aber auch die Durchführung der US Open mit entsprechenden Hygienemaßnahmen. Pläne sahen zuletzt vor, die Spielerinnen und Spieler in einem Flughafenhotel unterzubringen, nur mit einem kleinen Betreuerstab und ohne Zugang nach Manhattan.

Djokovic hatte die Hygienepläne kritisiert, unter diesen Bedingungen werde er nicht teilnehmen. Er halte es für unmöglich, sollten Profis nur eine Person mit auf die Anlage nehmen dürfen. "Man braucht einen Trainer, einen Fitnesstrainer und einen Physiotherapeuten", so der 33-Jährige. Die geplanten Hygienemaßnahmen nannte er "extrem".

ptz/dpa