Tennisstar Djokovic aus Australien ausgewiesen Eklat um die Nummer eins

Der Fall Novak Djokovic sorgt für Aufregung – und diplomatischen Ärger. Australiens Premier hat die Abweisung des Tennisprofis wegen dessen Impfstatus verteidigt. Vater Srdjan und die serbische Regierung sind empört.
Novak Djokovic

Novak Djokovic

Foto: Tim Clayton / Corbis / Getty Images

In der Tenniswelt gibt es derzeit nur ein Thema: die Reise von Novak Djokovic nach Australien. Beziehungsweise: bis zum Flughafen in Melbourne und einem Quarantänehotel in der Nähe. Viel weiter kam der Sportler in der Nacht zu Donnerstag nicht. Die australische Regierung hat ihm wegen seines unklaren Impfstatus die Einreise verweigert und das Visum entzogen. Djokovic wird ausgewiesen.

Australiens Ministerpräsident Scott Morrison hat die Entscheidung verteidigt. »Regeln sind Regeln, besonders, was unsere Grenzen angeht«, schrieb Morrison am Donnerstagmorgen australischer Zeit bei Twitter. Niemand stehe über dem Gesetz. »Unsere strikten Einreisebeschränkungen waren entscheidend dafür, dass wir eine der niedrigsten Todesraten durch Covid-19 weltweit haben«, schrieb Morrison, »wir bleiben wachsam.«

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Erwartungsgemäß ein wenig anders sieht das der Vater des Weltranglistenersten. »Es ist einfach beschämend. Abschiebung«, sagte Srdjan Djokovic der serbischen Zeitung »Blic« am späten Mittwochabend. »Ich kann nicht mit meinem Sohn reden, sie stellen ihn als Kriminellen dar. Ich habe keine Worte für alles, was sie ihm angetan haben.«

Djokovic muss nach der Aufhebung seines Visums in einem Quarantänehotel im Stadteil Carlton in Melbourne auf seine Ausreise warten. Laut australischen Medien verbrachte er offenbar rund zehn Stunden am Flughafen. Fernsehbilder zeigen, wie der Serbe im Park Hotel ankommt.

Quarantänehotel in Melbourne

Quarantänehotel in Melbourne

Foto: JOEL CARRETT / EPA

Djokovic wolle eine einstweilige Verfügung gegen die Entscheidung beantragen, verlautete in der Nacht von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person aus dem Umfeld der Australian Open.

Von der australischen Grenzschutzbehörde, die auch für die Einreiseregeln auf Flughäfen zuständig ist, hieß es: »Er hatte nicht die nötigen Belege, um die Einreisebestimmungen für dieses Land zu erfüllen. Daher wurde sein Visum annulliert.« Nicht-Staatsbürger in einer solchen Lage würden nun einmal festgesetzt und dann abgeschoben.

In Belgrad ist die Wut groß

In Serbien wurde dieser Schritt äußerst kritisch auch auf höchster politischer Ebene beobachtet. Präsident Aleksandar Vucic schrieb in den sozialen Medien: »Ich habe Novak gesagt, dass ganz Serbien hinter ihm steht und dass wir alles dafür tun, damit diese Schikanierung eines der besten Tennisspieler der Welt aufhört.«

Im Einklang mit »allen Normen des internationalen öffentlichen Rechts« werde Serbien für »Novak Djokovic, für Gerechtigkeit und Wahrheit kämpfen«. Der Botschafter der australischen Regierung in Belgrad wurden wegen des Falls einbestellt.

Djokovic wollte eigentlich ab dem 17. Januar bei den Australian Open antreten. Nur Spieler und Spielerinnen, die gegen das Coronavirus doppelt geimpft sind oder eine medizinische Ausnahmegenehmigung erhalten haben, dürfen daran teilnehmen.

Betroffene müssen allerdings einen akuten medizinischen Zustand nachweisen, der als Spitzensportler nur schwerlich vorstellbar ist. Auch eine Erkrankung mit dem Virus nach dem ersten August kann ein Grund sein. In australischen Medien wurde darüber spekuliert, dass sich Djokovic offenbar auf die Genesung von einer früheren Coronainfektion berufen und so ohne die eigentlich vorgeschriebene Impfung ins Land kommen wollte.

Turnierleitung hatte Ausnahmegenehmigung erteilt

Der Tennisspieler, der seinen Impfstatus nicht öffentlich macht, hatte erklärt, eine Ausnahmegenehmigung erhalten zu haben. Das hatte auch die Turnierleitung der Australian Open betätigt. Man habe die Ausnahmegenehmigung erteilt, »nach einem strengen Prüfverfahren unter Beteiligung zweier unabhängiger medizinischer Expertengremien«.

Eine Einreise gelang dem Sportler dennoch nicht. Die Dokumente, die Djokovic vorlegte, sahen australischen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor. Die daher kontaktierten Behörden des australischen Bundesstaats Victoria verweigerten die Unterstützung für den Weltranglistenersten.

Bereits zuvor hatte Premier Morrison ausreichende Belege für die medizinische Ausnahme  gefordert: »Er muss das tun, denn wenn er nicht geimpft ist, muss er einen akzeptablen Nachweis erbringen, dass er aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, um Zugang zu den gleichen Reiseregeln wie vollständig geimpfte Reisende zu erhalten«, sagte Morrison. Sonst werde Djokovic »im ersten Flieger nach Hause« sitzen.

Die Ausnahmeerlaubnis hatte vor der Ankunft des 34-Jährigen für Empörung in Australien gesorgt: Der Sender ABC schrieb, sie löse »Zorn und Konfusion« aus. Andere Äußerungen reichten von »Ohrfeige für alle Australier« bis »Schlag ins Gesicht für Millionen von Australiern«.

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Noch immer warten Tausende Staatsbürger nach vielen Monaten mit geschlossenen Grenzen auf ihre Rückkehr nach Australien. Derzeit steigen auch Down Under die Infektionszahlen durch die Verbreitung der Omikron-Variante rapide an. Neue Lockdowns hat die Regierung Morrison bisher aber ausgeschlossen – über die zu erwartenden Positivschlagzeilen im Land nach dem Fall Djokovic dürfte sie nicht unglücklich sein.

jok/dpa