Freilassung aus Abschiebeunterbringung Australisches Gericht erlaubt Tennisstar Djoković die Einreise

Novak Djoković hat vor Gericht in Melbourne einen Sieg errungen. Das Visum des Tennisspielers sei gültig, er darf nun einreisen und weiter hoffen, beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres teilzunehmen.
Novak Djoković

Novak Djoković

Foto:

Sarah Stier / Getty Images

Novak Djoković hat in dem Verfahren um seine Einreise nach Australien einen ersten Erfolg errungen. Ein Gericht in Melbourne entschied am Montag zugunsten des 34 Jahre alten Tennisspielers und ordnete Djoković' Freilassung aus der Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige an. Djoković' Anwälte waren gegen die Annullierung seines Visums durch die Grenzschutzbehörden nach der Ankunft des Serben am vergangenen Mittwoch vorgegangen.

DER SPIEGEL

Das Urteil garantiert aber nicht, dass Djoković als Titelverteidiger sicher an den Australian Open ab dem 17. Januar teilnehmen kann. Die australische Regierung hatte bereits vor der Verhandlung angekündigt, sie erwäge im Falle einer Aufhebung der Einreiseverweigerung weitere Schritte, um Djoković weiter das Visum zu verweigern. Das bestätigte der Regierungsanwalt Christopher Tran zum Ende der Verhandlung.

Die australische Regierung könnte nun trotzdem entscheiden, Djokovic auszuweisen, das läge im Ermessensspielraum von Einwanderungsminister Alex Hawke. Sollte Djokovic tatsächlich ausgewiesen werden, soll er Medienberichten zufolge drei Jahre lang nicht mehr nach Australien einreisen dürfen. Djoković hat die Australian Open neunmal gewonnen – so oft wie kein anderer, es ist mit Abstand das Grand-Slam-Turnier mit den größten Erfolgsaussichten für Djokovic. Er strebt seinen insgesamt 21. Grand-Slam-Titel an. Damit würde er seine Rivalen Rafael Nadal aus Spanien und Roger Federer aus der Schweiz abhängen und zum alleinigen Grand-Slam-Rekordturniersieger aufsteigen.

Djoković' Anwälte hatten sich in ihrer Berufung darauf gestützt, dass ihrem Mandanten eine Ausnahmegenehmigung von zwei unabhängigen medizinischen Gremien genehmigt worden war. Der laut Gerichtsakten ungeimpfte Djoković sei am 16. Dezember positiv auf das Coronavirus getestet worden und habe alles getan, was er für die Einreise nach Australien für erforderlich hielt. Dieser Einschätzung folgte der zuständige Richter Anthony Kelly. »Was hätte dieser Mann noch tun können?«, fragte der Kelly zu Beginn der Verhandlung.

Positiver Coronatest am 16. Dezember

Djoković, der sich wiederholt kritisch über Coronaimpfungen geäußert hatte, war am Mittwochabend in Melbourne gelandet, nachdem er nach eigenen Angaben eine Ausnahmegenehmigung von den Veranstaltern der Australian Open für eine Einreise ohne Impfnachweis erhalten hatte. Die australischen Grenzbeamten erkannten dies jedoch nicht an und entzogen ihm das Visum.

Djoković' Anwälte nannten als Grund für die Ausnahmegenehmigung einen positiven Coronatest ihres Mandanten vom 16. Dezember. Allerdings existieren Fotos bei Instagram, die zeigen, wie Djoković einen Tag nach dem angeblich positiven PCR-Test auf einer Veranstaltung in Serbien mit Nachwuchsspielern ohne Maske nah beisammen steht. Es traten zudem weitere Ungereimtheiten auf. Erstmals war der Tennis-Ausnahmespieler während seiner heftig kritisierten Adria Tour im Juni 2020 positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Schon vor dem Ärger um die Australien-Einreise war sein Impfstatus monatelang ein Thema für Diskussionen gewesen. Der Tennisprofi hatte daraus ein Geheimnis gemacht und den Status als Privatsache bezeichnet, dieser ist nun aber geklärt. Aus den Gerichtsdokumenten geht hervor, dass Djoković in der Befragung durch einen Beamten des australischen Grenzschutzes angegeben habe, »nicht gegen Covid-19 geimpft« zu sein.

In den vergangenen Tagen hatte der Fall auch auf politischer Ebene hohe Wellen geschlagen. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić sprach von einer »Belästigung« Djoković', während dessen Vater bei Protesten in Belgrad noch schärfere Töne anschlug. Der australische Premierminister Scott Morrison wehrte sich und betonte, dass niemand über dem Gesetz stehe.

krä/sid/dpa