FAQ zum Fall Djoković Darf er oder darf er nicht?

Die Anwälte von Novak Djoković bereiten sich auf eine Verhandlung vor, in der es um das Visum des Tennis-Superstars geht. Und wohl darum, ob er bei den Australian Open starten darf. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Ein Fan hält ein Bild von Novak Djoković vor dem Quarantänehotel in Melbourne hoch

Ein Fan hält ein Bild von Novak Djoković vor dem Quarantänehotel in Melbourne hoch

Foto: LOREN ELLIOTT / REUTERS

Worum geht es?

Eigentlich reiste Novak Djoković, die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste, nach Melbourne, um bei den Australian Open den Rekord für die meisten Grand-Slam-Siege zu brechen. Seit Tagen sitzt Novak Djoković in Melbourne aber in einem Hotel für Ausreisepflichtige. Nach seiner Landung in Australien musste er dort einchecken, weil sein Visum für nichtig erklärt und ihm daraufhin die Einreise verwehrt wurde. Der Grund: Djoković ist nicht gegen das Coronavirus geimpft, das ist jedoch Voraussetzung für das Visum, wie es Djokovićs Team für den Superstar beantragt hatte.

Djoković hatte eine Ausnahmegenehmigung eingereicht, Medienberichten zufolge wurde dafür aber die falsche Visum-Kategorie beantragt.

Dass Djoković das Hotel und das Land nicht schon längst wieder verlassen hat, liegt wohl an der Hoffnung, doch noch beim ersten Tennis-Major des Jahres starten zu dürfen. Die Anwälte des 34-Jährigen klagen gegen die Annullierung seines Visums, ein Gericht in der australischen Metropole vertagte die Verhandlung auf Montag. Einen Antrag der australischen Regierung, den Termin auf Mittwoch zu verschieben, lehnte das Gericht ab. Das heißt: Am Montag (Mitternacht deutscher Zeit) startet die Verhandlung, ob Djoković nun einreisen darf oder nicht. Hier  wird die Verhandlung live übertragen.

Was ist die Vorgeschichte?

Djoković ist für seine – vorsichtig ausgedrückt – ungewöhnlichen Ansichten bekannt. Nach Beginn der Coronapandemie sagte er einmal, dass man giftiges Wasser durch »energetische Transformation« in Trinkwasser verwandeln könne. Das rief laute Kritik hervor, nicht das einzige Mal in der Pandemie: Erst sorgte er inmitten der Virusausbreitung als Mitorganisator eines Showturniers für ein regelrechtes Tennis-Corona-Cluster und infizierte sich dabei selbst. Dann ließ Djoković mit Verweis auf die freie Meinungsäußerung seinen Impfstatus offen.

Aufgrund der strengen Einreisevorschriften in Australien, die das Land größtenteils mit Erfolg durch die Pandemie führten, war bereits früh über die Teilnahme von Djoković spekuliert worden. Zumal die Veranstalter den derzeit besten Tennisspieler der Welt unbedingt im Teilnehmerfeld haben wollten. Turnierdirektor Craig Tiley skizzierte deswegen bereits kurz vor Weihnachten , wie Djoković auch ohne Impfung an den Start gehen könnte: mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung.

Die Frage, um die sich nun alles dreht, ist der Grund für diese Ausnahmegenehmigung. Turnierdirektor Craig Tiley rief Djoković bereits dazu auf, die Gründe dafür offenzulegen, die Anwälte des Serben teilten inzwischen mit, dass es sich um eine Coronainfektion binnen der vergangenen sechs Monate handele. Doch auch dabei gibt es ein Problem: Das Datum des angeblich positiven PCR-Tests, der 16. Dezember, liegt offenbar einen Tag vor einer Veranstaltung, bei der Djoković bereitwillig Nachwuchsspielern für Instagram-Fotos zur Verfügung stand.

Wie sind die Reaktionen?

Als Djoković am vergangenen Dienstag mit einem Bild bei Instagram seinen Abflug nach Australien tatsächlich mit einer Ausnahmeregelung begründete, sorgte das für einen Sturm der Entrüstung. Australische Medien übertrafen sich gegenseitig in ihrer Empörung, in »The Herald Sun« war von einer »kranken Heuchelei« die Rede, seien die Menschen in Australien doch wegen Covid durch die Hölle gegangen. Offenbar aufgeschreckt durch das mediale Echo, meldete sich plötzlich auch die Regierung um Premierminister Scott Morrison zu Wort, der Eklat nahm seinen Lauf.

Demonstranten vor dem Hotel, in dem Djoković sitzt: Sie demonstrieren für Menschen mit abgelehnten Asylanträgen

Demonstranten vor dem Hotel, in dem Djoković sitzt: Sie demonstrieren für Menschen mit abgelehnten Asylanträgen

Foto: SANDRA SANDERS / REUTERS

Djokovićs Familie verglich ihn seither unter anderem mit Jesus am Kreuz, Tennisakteure wie Ex-Trainer Boris Becker sprachen wahlweise von einem »großen Fehler« oder nahmen ihn in Schutz. In Melbourne vor dem Hotel wird, wie auch in der serbischen Hauptstadt Belgrad, demonstriert, aber nicht nur zugunsten Djokovićs: Auch die abgelehnten Asylbewerber in dem Hotel werden thematisiert, »Refugees are welcome, Djoković is not« hieß es auf einem Plakat. Djoković selbst bedankte sich bei Instagram kurz und knapp für die Unterstützung.

Wie geht es weiter?

Egal, wie die Entscheidung des Gerichts ausfallen wird: Djoković wird in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten weiter polarisieren. Sollte Djoković an den Australian Open, die am 17. Januar starten, teilnehmen dürfen, erwartet ihn ein Spießrutenlauf, denn Fans werden in den Stadien wohl zugelassen sein, wohlgemerkt nur, wenn sie doppelt geimpft sind. Bei Twitter wurde bereits mit einem Augenzwinkern verkündet, dass der Spieler, der Djoković aus dem Turnier werfe, in Australien wohl nie wieder für ein Bier bezahlen müsste.

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Unklar ist, ob Djoković bei einem Erfolg vor Gericht auch unmittelbar an den Australian Open teilnehmen darf.

Sollte Djoković aber nicht in Australien starten dürfen, würde es für den Weltranglistenersten zumindest sportlich normal weitergehen können: In anderen Ländern herrschen keine derart strikten Einreisebeschränkungen, die französische Sportministerin verkündete bereits, dass Djoković bei den French Open, die Ende Mai starten, teilnehmen dürfe, wenn auch mit anderen Beschränkungen als geimpfte Profis. Spätestens dort wird Djoković also um seinen 21. Grand Slam spielen können.

hba