Tennisverband WTA sorgt sich nach fragwürdigem Interview weiter um Peng Shuai

Die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai nannte einem unabhängigen Medium zweifelhafte Gründe für ihr Verschwinden. Die Tennisorganisation für Frauen zeigt sich beunruhigt – und fordert ein Treffen.
Peng Shuai: WTA fordert vertrauliches Treffen

Peng Shuai: WTA fordert vertrauliches Treffen

Foto: EDGAR SU / REUTERS

Die Tennisspielerin Peng Shuai äußerte Missbrauchsvorwürfe gegen einen chinesischen Politiker und verschwand daraufhin wochenlang aus der Öffentlichkeit . Am Rande der Olympischen Winterspiele in Peking tritt die 36-Jährige nun wieder öfter in Erscheinung, sei es durch ein Treffen mit IOC-Chef Thomas Bach oder ein Interview mit der französischen Sportzeitung »L'Équipe« , in dem sie erneut bestritt, Missbrauchsvorwürfe erhoben zu haben.

Das Problem: Pengs Aussagen in dem Interview werfen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. Auch die WTA, die Organisation für Frauentennis, hat Zweifel an den Aussagen – und ist weiterhin in Sorge um Peng.

»Es ist immer gut, Peng Shuai zu sehen, ob es in einem Interview oder beim Besuch der Olympischen Spiele ist. Jedoch mildert ihr jüngstes Interview keine unserer Sorgen über ihren ursprünglichen Post am 2. November«, teilte WTA-Chef Steve Simon mit . Peng habe durch ihre Vorwürfe einen mutigen Schritt gewagt. »Wir haben eine formelle Untersuchung ihrer Vorwürfe durch die geeigneten Behörden und eine Möglichkeit für die WTA, sich mit Peng vertraulich zu treffen, um ihre Situation zu diskutieren, gefordert«, heißt es.

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Die deutsche Frauen-Bundestrainerin Barbara Rittner antwortete darauf via Twitter: »Stolz auf unsere WTA.«

Die Zweifel an dem Interview waren von »L'Équipe« selbst befeuert worden. Die Zeitung schrieb, man habe die Fragen im Voraus einreichen müssen, Pengs Antworten seien von einem Offiziellen des Nationalen Olympischen Komitees aus dem Chinesischen übersetzt worden.

Athleten-Vereinigungen übten auch scharfe Kritik am Internationalen Olympischen Komitee. »Das IOC hat sich zum Komplizen gemacht – in mehrfacher Hinsicht«, schrieb Maximilian Klein, der Beauftragte für Internationale Sportpolitik der Initiative Athleten Deutschland, auf Twitter: »Vertrauen lässt sich schlecht mehren, wenn keins mehr da ist.«

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Das Sportler-Bündnis Global Athlete  schrieb in den sozialen Netzwerken, dass die Athleten angewiesen worden seien, »zu China zu schweigen, weil du nicht weißt, was dir passieren könnte.«

Missbrauchsvorwürfe via Weibo

Pengs Fall bewegt die Welt, seit die frühere Weltranglistenerste im Doppel im November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht hatte. Der Post wurde bald danach gelöscht. Seither äußerten Sportler, Politiker und Menschenrechtsaktivisten Sorge um Peng Shuais Wohlergehen. Sie hatte später bestritten, die Vorwürfe erhoben zu haben. Ihre Aussagen wirkten jedoch gestellt.

Der »L'Équipe« sagte sie nun: »Ich habe niemals gesagt, dass irgendwer mich irgendwie sexuell belästigt hat.« Erneut sprach sie von einem »enormen Missverständnis«. Die Besorgnis um ihre Person habe sie nicht verstanden. Zur Begründung zu ihrem Verschwinden sagte Peng, sie habe so viele Nachrichten erhalten, dass sie nicht auf alle habe antworten können.

ptz/dpa