Internationale Reaktionen »Das ist nicht gut für das Tennis«

Australiens Premierminister verteidigt die Entscheidung, Tenniskollege Andy Murray bedauert die Situation und serbische Medien sprechen von »Lynchstimmung«. Die Reaktionen.
Novak Djokovic

Novak Djokovic

Foto: Naomi Baker / Getty Images

Der australische Regierungschef Scott Morrison hat die Entscheidung seines Einwanderungsministers Alex Hawke zur Annullierung des Visums des ungeimpften Tennisstars Novak Djoković begrüßt.

»Diese Pandemie war für jeden Australier unglaublich schwierig, aber wir haben zusammengehalten und Leben und Existenzen gerettet. Gemeinsam haben wir eine der niedrigsten Sterblichkeitsraten, die stärkste Wirtschaft und die höchsten Impfraten der Welt erreicht«, teilte Morrison in einer Stellungnahme am Freitag mit und betonte: »Die Australier haben während dieser Pandemie viele Opfer gebracht, und sie erwarten zu Recht, dass das Ergebnis dieser Opfer geschützt wird.«

Djoković ist nicht gegen das Coronavirus geimpft und deswegen eine umstrittene Person in dem Land, das seit Beginn der Pandemie harte Regeln aufgestellt hat. Sein Visum war in einer persönlichen Entscheidung von Hawke zuvor für ungültig erklärt worden. Dies sei gut begründet und »im öffentlichen Interesse«, hatte der Minister mitgeteilt. Djokovićs Anwälte haben gegen die Entscheidung eine einstweilige Verfügung beantragt. Es war allerdings zunächst unklar, wann eine Entscheidung des Einspruchs zu erwarten sein würde.

Andy Murray nennt Situation »bedauerlich«

Der britische Tennis-Topspieler Andy Murray erklärte, es sei bedauerlich, dass es zu dieser Situation gekommen sei. »Ich weiß nicht, welchen Weg er einschlagen wird, ob er Berufung einlegen kann und wie lange das dauert, und ob er noch trainieren kann, während das Verfahren läuft, oder ob er noch am Turnier teilnimmt.«

Er wolle nur, dass die Sache geklärt werde. »Ich denke, es wäre für alle gut, wenn das der Fall wäre. Es scheint so, als würde es sich jetzt schon ziemlich lange hinziehen, und ja, das ist nicht gut für das Tennis, nicht gut für die Australian Open und nicht gut für Novak.« Ähnlich kritisch hatte sich auch der ehemalige Tennisprofi Michael Stich bereits am Donnerstag in einem Interview mit dem SPIEGEL geäußert .

Medien in Djokovics Heimat reagierten auf den Beschluss der Regierung mit Wut und Empörung. »Unglaublich, was der (australische) Minister als Begründung angibt: die öffentliche Gesundheit und das Gemeinwohl. Und das in einem Land, das täglich 150.000 Neuinfektionen hat!«, schrieb »telegraf.rs« und befand: »Das ist verrückt!«

Internetportale der serbischen Boulevardmedien gingen zur verbalen Attacke über. Für »informer.rs« war die Karikatur einer australischen Zeitung, die Djokovics Impfgegnerschaft zum Thema hatte, ein Beleg für die »Lynchstimmung«, die die australischen Medien gegen den serbischen Tennisstar schüren würden. »Die Verfolgung des Novak«, schrieb »blic.rs«.

ara/dpa/rtr
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