ATP-Turnier in Acapulco Medwedew wird die Nummer eins der Welt – »aber Tennis ist manchmal nicht so wichtig«

Der Russe Daniil Medwedew ist ab Montag die Nummer eins im Tennis. Er zeigte sich beim Turnier in Acapulco aber auch betroffen über den Angriff auf die Ukraine.
Daniil Medwedew in Acapulco

Daniil Medwedew in Acapulco

Foto: Eduardo Verdugo / dpa

Am Montag ist Daniil Medwedew aus Russland der Weltranglistenerste im Tennis. Im Viertelfinale des Turniers in Acapulco besiegte der Russe den Japaner Yoshihito Nishioka mit 6:2, 6:3-Erfolg und trifft nun im Halbfinale in der Neuauflage des Australian-Open-Endspiels auf den Spanier Rafael Nadal.

Medwedew äußerte sich betroffen über den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. »Hier in Mexiko aufzuwachen und die Nachrichten aus der Heimat zu sehen, war nicht einfach«, sagte er. Als Tennisspieler werbe er für Frieden auf der ganzen Welt. »Wir spielen in so vielen verschiedenen Ländern, ich war als Junior und als Profi in so vielen verschiedenen Ländern. Es ist nicht leicht, all diese Neuigkeiten zu hören«, sagte Medwedew.

Natürlich sei er froh, die Nummer eins zu werden, sagte Medwedew und bezeichnete dies als Ziel seit seiner Kindheit. »Aber in diesen Momenten ist klar, dass Tennis manchmal nicht so wichtig ist«, sagte der Australian-Open-Finalist dieses Jahres und US-Open-Sieger von 2021. Medwedew erinnerte daran, dass noch in der vergangenen Woche beim Turnier in Marseille sein russischer Landsmann Andrej Rubljow gemeinsam mit dem Ukrainer Denis Molchanow den Doppel-Titel gewonnen habe. »Das war großartig, weil die Menschen zusammenhalten müssen«, sagte Medwedew.

Weil die bisherige Nummer eins Novak Djokovic (Serbien) am Donnerstag beim parallel stattfindenden Turnier in Dubai verlor, wird er am kommenden Montag seine Führung in der Weltrangliste an Medwedew abgeben. Djokovic hatte die Liste 361 Wochen lang angeführt.

Erstmals seit 2004 keiner der »großen Vier« vorne

»Es ist tatsächlich nicht einfach, ein Match zu spielen, wenn man diese Nachricht tagsüber erhält«, sagte Medwedew. Er habe die Niederlage von Djokovic mitbekommen, »aber ich wusste nicht, dass ich die Nummer eins werde, wenn er verliert. Ich dachte, ich müsste hier etwas Großes tun. Als ich dann alle Nachrichten erhielt, verstand ich: Okay, es wird passieren.«

Mit Medwedew wird erstmals seit 2004 nicht einer der »großen Vier« an der Spitze der Tennis-Weltrangliste stehen. Fast zwei Jahrzehnte lang hatten Djokovic, Nadal, Roger Federer oder Andy Murray die Weltrangliste angeführt. Zudem ist der 26-Jährige nach Jewgeni Kafelnikow und Marat Safin erst der dritte Russe überhaupt, der das Tableau bei den Männern anführt.

als/dpa/SID