Tennis Spieler um Novak Djokovic wollen sich außerhalb der ATP organisieren

Novak Djokovic ist offenbar von seinem Posten als Vorsitzender des Spielerrats innerhalb der ATP zurückgetreten - um eine eigene Organisation zu gründen. Frauen werden bei diesen Plänen nicht einbezogen.
Novak Djokovic: Abschied aus dem ATP-Spielerrat

Novak Djokovic: Abschied aus dem ATP-Spielerrat

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KIM HONG-JI/ REUTERS

Tennisstar Novak Djokovic will offenbar eine unabhängige Spielervertretung gründen und soll dafür das Amt als Vorsitzender des ATP-Spielerrates abgegeben haben. Das berichtet die "New York Times" .

Die ATP ist die Vereinigung professioneller männlicher Tennisspieler. Dem Board of Directors gehören drei Turnier- sowie drei Spielerrepräsentanten aus dem Spielerrat an.

Ziel der neuen Organisation sei es, "die Interessen ihrer Spieler zu fördern, zu schützen und zu vertreten und die Zukunft des Tennis zu schützen''. So steht es in einem Brief, der kurz vor Beginn der US Open am Montag an die Spieler verschickt wurde und der "New York Times" sowie der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

Djokovic wolle zusammen mit Vasek Pospisil der neuen Professional Tennis Players Association, kurz PTPA, als Präsidenten vorstehen. Pospisil hat seinen Rücktritt aus dem ATP-Spielerrat bereits verkündet. "Nach zwei Jahren trete ich von meinem Posten als Vertreter für die Spieler der Ranglistenplätze 51 bis 100 zurück", schrieb der Kanadier auf Twitter.

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Es wäre das erste Mal in der Geschichte des Tennissports, dass sich Spieler unabhängig organisieren, wie es in den USA etwa in den großen Sportligen der Fall ist. Die Tour bei den Männern wird von der ATP organisiert, die Tour der Frauen von der WTA durchgeführt. Zudem gibt es den Weltverband ITF und die vier Grand-Slam-Turnierveranstalter in Melbourne (Australian Open), Paris (French Open), London (Wimbledon) und New York (US Open). Tennisspieler werden jeder für sich als unabhängiger Vertragspartner betrachtet, nicht als angestellter Arbeitnehmer.

Frauen würden nicht involviert

"Es ist klar geworden, dass es als Mitglied des Spielerrats innerhalb der gegenwärtigen Strukturen der ATP sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, irgendeinen wesentlichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen unserer Tour zu haben", schrieb Pospisil in seinem Tweet.

Im April hatte ein Tweet von Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer für Aufsehen gesorgt, in dem er eine Fusion der beiden Dachverbände ins Spiel brachte. "Bin ich der Einzige, der sich fragt, ob jetzt nicht die Zeit wäre, dass sich das Männer- und das Frauentennis zusammenschließen?", fragte Federer damals, und erhielt prompt Unterstützung, etwa von Rafael Nadal und Simona Halep. In der von Djokovic und Pospisil angedachten PTPA, die von einem jährlich gewählten Beirat mit bis zu neun Mitgliedern geleitet werden soll, werden Frauen nicht involviert.

"Existenzielle Bedrohung für die ATP"

Als Bereiche, mit denen sich die PTPA befassen würde, werden Turnierregeln, Gewinnverteilung, Disziplinarmaßnahmen, Rentenpläne, Verpflegung und Annehmlichkeiten vor Ort, Versicherungen und medizinische Versorgung genannt. "Ziel der PTPA ist es nicht, die ATP zu ersetzen, sondern den Spielern eine Selbstverwaltungsstruktur zu bieten, die unabhängig von der ATP ist und direkt auf die Bedürfnisse und Anliegen der Mitglieder eingeht", heißt es in dem Brief an die Spieler.

Die ATP sieht das offenbar anders. In einem eigenen Schreiben an die Spieler, das der "New York Times" vorliegt, bezeichnet Präsident Andrea Gaudenzi die Bildung einer konkurrierenden Spielerorganisation als eine "existenzielle Bedrohung für die ATP" und schreibt, die Gruppe dürfe nicht erwarten, von den Turnieren anerkannt zu werden. Die Spieler sollten die Konsequenzen nicht "auf die leichte Schulter nehmen", so Gaudenzi.

"Ihr habt das, was andere Athleten in anderen Sportarten anstreben würden - einen Sitz am Vorstandstisch. Das ist es, wofür die Spieler bei der Gründung der ATP-Tour gekämpft haben. Es ergibt keinen Sinn, dass es besser für euch wäre, diese Rolle von innerhalb der Führungsstruktur nach außerhalb zu verlagern."

In einem offiziellen Statement teilte die ATP später am Samstag mit: "Wir sind der festen Überzeugung, dass jetzt die Zeit der Einigkeit und nicht der inneren Spaltung gekommen ist." Weiter hieß es, dass der Erfolg der ATP-Tour in den vergangenen 30 Jahren auf einer "echten, gleichwertigen Partnerschaft" aufgebaut wurde.

sak/Reuters/AP
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