Emotionaler Abschied von US Open Osaka kündigt Pause vom Tennis an

Auf dem Platz wirkte sie fahrig, leistete sich viele Fehler, ließ ihrem Frust freien Lauf: Naomi Osaka lässt nach ihrem frühen Ausscheiden bei den US Open offen, ob und wann sie überhaupt wieder Tennis spielt.
Nichts geht mehr: Tennisstar Naomi Osaka bei ihrem Spiel gegen die Kanadierin Leylah Fernandez

Nichts geht mehr: Tennisstar Naomi Osaka bei ihrem Spiel gegen die Kanadierin Leylah Fernandez

Foto: ED JONES / AFP

Nach ihrem überraschend frühen Aus bei den US Open hat die Weltranglistendritte Naomi Osaka eine Pause vom Tennis angekündigt – und den Zeitpunkt ihrer Rückkehr auf die Tour offen gelassen. In einer emotionalen Pressekonferenz, bei der sie sichtbar um Fassung ringen musste, gewährte die 23-jährige Japanerin am Freitagabend tiefe Einblicke in ihr Seelenleben. Den Auftritt vor Medienvertretern in New York beendete sie mit den Worten: »Ich denke, ich werde für eine Weile mit dem Spielen pausieren.«

Die US Open waren für Osaka der erste Auftritt bei einem Grand-Slam-Turnier seit ihrem Rückzug von den French Open. In Paris hatte sie zunächst angekündigt, Medienrunden nicht wahrnehmen zu wollen. Nach ihrem Sieg in der ersten Runde hatte sie vom Turnier zurückgezogen, ihre Depressionsphasen öffentlich gemacht und eine Auszeit genommen.

Vor den Olympischen Spielen in Tokio, in ihrer japanischen Heimat, hatte die 23-Jährige knapp zwei Monate lang auf Turniere verzichtet und auch Wimbledon ausgelassen. Bei den Sommerspielen war sie überraschend im Achtelfinale ausgeschieden. Bei den US Open war sie wieder eine der großen Favoritinnen, 2018 und 2020 hatte sie in New York triumphiert.

»Ich fühle mich, als wenn ich an diesem Punkt bin, wo ich versuche herauszufinden, was ich machen will. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann ich mein nächstes Tennismatch spielen werden werde.«

Ausgeschieden gegen die Nummer 73 der Weltrangliste

Siege würden sie inzwischen nicht mehr glücklich machen, gestand die in den USA aufgewachsene Athletin am Freitag in New York. »Es fühlt sich mehr wie eine Erleichterung an. Und wenn ich dann verliere, bin ich sehr traurig. Ich glaube nicht, dass das normal ist.« Danach kam Osaka auf ihre Zukunftspläne zu sprechen. »Ich fühle mich, als wenn ich an diesem Punkt bin, wo ich versuche herauszufinden, was ich machen will. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann ich mein nächstes Tennismatch spielen werden werde.«

Beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres war die Mitfavoritin zuvor sensationell schon in der dritten Runde ausgeschieden. Gegen die erst 18-jährige Kanadierin Leylah Fernandez – die Nummer 73 der Weltrangliste – verlor sie mit 7:5, 6:7 (2:7) und 4:6. Dabei wirkte Osaka fahrig, leistete sich etliche Flüchtigkeitsfehler und ließ ihrem Frust teils freien Lauf. Im dritten Satz schmiss sie gar mehrmals ihren Schläger auf den Hartplatz und schlich mit gesenktem Kopf über die Anlage in Flushing Meadows.

Sie habe vergeblich versucht ruhig zu bleiben, erzählte Osaka später auf der Pressekonferenz. »Normalerweise mag ich Herausforderungen, aber in letzter Zeit fühle ich mich sehr verunsichert, wenn es nicht so gut läuft für mich, und ich habe das Gefühl, dass man das auch spürt.« Auf dem Platz habe sie sich »wie ein kleines Kind« verhalten.

Mit ihrem Ausscheiden bei den US Open ist das mögliche Achtelfinal-Duell mit Angelique Kerber geplatzt. Die Kielerin entschied zuvor das hochklassige Duell der ehemaligen Turniersiegerinnen mit der US-Amerikanerin Sloane Stephens 5:7, 6:2, 6:3 für sich. Kerber spielt nun gegen Fernandez um den Einzug ins Viertelfinale.