Fotoband Auf Tuchfühlung mit den Tennisstars

Als großer Tennisfan und erfolgreicher Fotograf hat Stephan Würth seinem Lieblingssport einen Bildband gewidmet. Hier spricht der Deutsche über die Magie des Matchballs und seinen besonderen Draht zu Rafael Nadal.

Stephan Würth

Ein Interview von Florian Sturm


Zur Person
  • Christian Lucidi
    Stephan Würth, geboren 1969, wuchs in München, Texas und Kalifornien auf. Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte er bereits als Jugendlicher. Von 2000 bis 2002 studierte er Fotografie am Art Institute of Fort Lauderdale in Florida. Seither arbeitet er als freier Fotograf. Seine Bilder erschienen in der "New York Times", "Esquire", "Sports Illustrated" sowie mehreren internationalen Ausgaben der Vogue.

SPIEGEL ONLINE: Herr Würth, mit den US Open läuft gerade das letzte und größte Grand-Slam-Turnier des Jahres. Was ist das Besondere an diesem Turnier?

Stephan Würth: Die Atmosphäre, das Essen, der Best-of-Five-Modus. Es ist hier allerdings auch sehr voll und dadurch etwas stressig, eigentlich habe ich eher ein Faible für kleinere Turniere. In diesem Sommer war ich das erste Mal in Stuttgart. Das Turnier gefiel mir gut, dort kommst du sehr nah an die Spieler ran. Auch die Atmosphäre ist so, wie ich sie mir beim Tennis wünsche.

SPIEGEL ONLINE: Nämlich?

Stephan Würth: Das klingt vielleicht altmodisch, aber ich finde, beim Publikum sollte eine gewisse Etikette dazugehören. Die Zuschauer in Stuttgart waren ruhig, niemand hat geklatscht, wenn ein Spieler mal einen Doppelfehler servierte. In den USA wird es dagegen schon mal sehr laut, fast wie in einem Fußballstadion. Während eines Spiels von Novak Djokovic bei den US Open saß ich einmal direkt hinter seinen Fans. Die haben jeden Punkt ihres Idols laut gefeiert und dabei mit großen Flaggen gewedelt. Diese Volksfeststimmung beim Tennis brauche ich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert Sie am Tennis denn so?

Stephan Würth: Ich spiele Tennis, seit ich sieben Jahre alt bin. Für mich ist das mittlerweile wie meditieren. Wenn Bälle rhythmisch hin und her gespielt werden - das entspannt mich. In New York gibt es einen besonderen Tennisplatz, der im Sommer durch seinen roten Sand beinahe strahlt. Es macht großen Spaß, dort zu spielen, und ich fühle mich, als würde ich in Italien oder Spanien ein paar Bälle schlagen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben nun mit "Tennis Fan" einen Bildband veröffentlicht - nach zehn Jahren Arbeit.

Stephan Würth: Die Idee dazu entstand schon 2008, durch ein Geschenk meines Vaters. Ich bekam von ihm eine Leica MP, eine Analogkamera. Irgendwann nahm ich die Kamera mit zum Tennisplatz und dachte: Du liebst Tennis, hast aber noch nie ein Fotoprojekt darüber mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen gesehen. Und so ging es los.

Fotostrecke

12  Bilder
"Tennis Fan": Das sind die Fotos von Stephan Würth

SPIEGEL ONLINE: An welche Tennis-Momente erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Stephan Würth: 2012 war ich vor dem offiziellen Beginn der US Open auf dem Tennisgelände und beobachtete die Spieler beim Training. Ich hatte den ganzen Tag fotografiert und wollte gerade nach Hause gehen, da sehe ich plötzlich Roger Federer, seinen damaligen Trainer Paul Annacone und Marin Cilic. Ich muss einer der Ersten gewesen sein, der Federer erkannt hat, denn als ich zu ihm lief, stand dort lediglich ein Autogrammjäger. Es dauerte dann nur noch ein paar Sekunden, und schon hatte sich eine Traube von 40 Menschen um ihn herum versammelt.

SPIEGEL ONLINE: Keine optimalen Bedingungen für einzigartige Fotos.

Stephan Würth: Genau, aber ich hatte mein Bild bereits im Kasten. Manchmal muss man einfach Glück haben und schnell reagieren. Aber das Foto ist für mich auch deswegen so besonders, weil Cilic zwei Jahre später die US Open gewonnen hat - als das Foto mit Federer entstand, kannte ich Cilic gar nicht. Und Annacone ist inzwischen einer meiner liebsten Tenniskommentatoren.

Preisabfragezeitpunkt:
01.08.2019, 15:55 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE

Stephan Wurth
Stephan Wurth: Tennis Fan

Verlag:
Damiani
Seiten:
100
Preis:
EUR 23,42

SPIEGEL ONLINE: Sie sind vor allem aber großer Fan von Rafael Nadal.

Stephan Würth: Ja, und ich habe auch schon sehr oft seine Matches verfolgt, bestimmt Hunderte Male. Ich habe dadurch auch das Gefühl, dass ich mittlerweile sehr gut erkenne, in welcher Verfassung er sich am jeweiligen Tag befindet.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Würth: Im vergangenen Jahr saß ich bei seinem US-Open-Halbfinale gegen Juan Martín del Potro in der ersten Reihe. Ich bemerkte schon vom ersten Punkt an, dass mit seinem Knie etwas nicht stimmte, lange bevor er sich behandeln ließ. Nach dem zweiten Satz musste Nadal die Partie verletzungsbedingt aufgeben.

SPIEGEL ONLINE: Sie gucken gerne Tennis und fotografieren den Sport. Geht das überhaupt beides gleichzeitig?

Stephan Würth: Manchmal klappt das nicht. Bei einer Halbfinalpartie von Indian Wells in Kalifornien, 2012, verpasste ich den Matchball.

SPIEGEL ONLINE: Was ist passiert?

Stephan Würth: Der Amerikaner John Isner spielte damals gegen Novak Djokovic. Fast das gesamte Stadion war für den US-Profi Isner und als er sich im Tiebreak des dritten Satzes einen Matchball erkämpft hatte, wollte ich die Reaktionen der Zuschauer festhalten. Ich drehte mich nach hinten und richtete meine Kamera auf das Publikum. Alle auf dem Foto sprangen auf und jubelten - bis auf einen Herrn. Der war wohl Djokovic-Fan.



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.