Bartys Wimbledon-Erfolg Besser als ein Traum

Ashleigh Barty hat als erste Australierin seit 41 Jahren Wimbledon gewonnen, in einem kuriosen Finale. Kontrahentin Karolina Pliskova, wegen ihrer Beherrschung auch »Eiskönigin« genannt, war emotional wie selten – und laut.
So groß die Schale, so groß der Erfolg für Ashleigh Barty

So groß die Schale, so groß der Erfolg für Ashleigh Barty

Foto:

Kirsty Wigglesworth / dpa

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Unfassbar: Nachdem diese finale Rückhand von Karolina Pliskova ins Netz ging und Ashleigh Barty die Glückwünsche ihrer Gegnerin entgegengenommen hatte, ging sie zurück auf den Platz. Immer wieder nahm sie die Hände vors Gesicht, sank in die Knie, schaute auf die Tribüne, zu ihrer Box. Sie konnte es nicht fassen, dass sie Wimbledon, dieses traditionsreichste aller Turniere, gewonnen hatte. Noch vor dem Spiel hatte sie über das Erreichen des Finals gesagt: »Ganz ehrlich, ich war nicht sicher, ob mir das je passieren würde.« Es war passiert. Und noch so viel mehr.

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Das Ergebnis: Ashleigh Barty hat das Finale in London 6:3, 6:7 (4:7), 6:3 gegen Karolina Pliskova gewonnen. Es ist nicht nur der erste Wimbledon-Titel und der zweite Major-Erfolg nach dem Sieg bei den French Open 2019 für Barty. Es ist auch das erste Mal seit 41 Jahren, dass eine Australierin in Wimbledon triumphiert. 1981 gewann Bartys Mentorin Evonne Goolagong Cawley 6:1, 7:6 gegen Chris Evert. Den letzten Erfolg für Australien feierte Lleyton Hewitt 2002 gegen David Nalbandian (6:1, 6:3, 6:2). Mit gebrochener Stimme sagte die 25-Jährige nach dem Spiel: »Ich hoffe, ich habe Evonne stolz gemacht.«

Furioser Start: Es war eigentlich alles angerichtet für das Match der beiden besten Spielerinnen des Turniers, beide Debütantinnen im Endspiel von Wimbledon. Doch was dann kam, hat wohl niemand erwartet: Barty startet mit 14 Punkten am Stück in den ersten Satz, nach elf Minuten lag Pliskova, die erstmals seit 2016 wieder ein Grand-Slam-Finale erreicht hatte, 0:4 hinten. Bis zu diesem Match hatte die eigentlich starke Aufschlägerin Pliskova im gesamten Turnier nur viermal überhaupt ein Break kassiert. Damit, dass die Australierin knapp eine Stunde später erstmals gegen den Satzverlust servieren würde, hätte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand gerechnet.

Die Finalistinnen auf dem Center Court: Barty (vorne) und Plíšková

Die Finalistinnen auf dem Center Court: Barty (vorne) und Plíšková

Foto: Alberto Pezzali / AP

Der erste Punkt: Pliskova, die gegen die druckvoll aufschlagende Barty keinen Zugriff auf das Finale bekam, brauchte also 15 Versuche, um überhaupt einen Punkt in diesem ersten Satz machen zu können. Als ihr aber beim Stand von 0:3 den ersten Fehler von Barty erzwingen konnte, war nicht nur die Faust erstmals bei Pliskova zu sehen. Auch das Publikum bejubelte dieses Punkt überraschend lautstark. Schließlich waren sie ja für ein spannendes Match auf den Center Court gekommen. Einzig: Ein weiterer Ball ins Aus und ein anschließender Doppelfehler brachte das zweite Break in Folge für Barty. Die Tennisfans würden noch ein wenig auf das erhoffte umkämpfte Match warten müssen. Nach 28 Minuten verwandelte Barty ihren ersten Satzball zum 6:3.

Royals, Rekordsiegerin und die King: Im Publikum übrigens auch royaler Besuch. Herzogin Kate und Prinz William hatten Wimbledon-Rekordsiegerin Martina Navratilova Tennisikone Billie Jean King in der Royal Box zu Gast. Pliskova hat auch einen Fan in einem anderen königlichen Haus: Der Prinz von Jordanien war zur Unterstützung angereist.

Von wegen Eiskönigin: Dieses Spitznamen hat sich Pliskova erarbeitet, weil sie auf dem Platz sehr kühl wirkt, wenig Emotionen zeigt. In diesem Finale aber waren ihre Gefühle deutlich zu erkennen. Als sie nach dem ersten gewonnenen Punkt bei Aufschlag Barty erstmals die Faust ballt. Oder als ihr im zweiten Satz zunächst das Reabreak zum 3:3 gelang und sie dann die bislang längste Rally des Matches mit einem Vorhand-Wimmer für sich einschied. Der anschließende Schrei, der selbst den frenetischen Jubel übertönten, kündigte an: Dieses Spiel ist noch nicht vorbei.

Lauter als der Jubel: Karolína Plíšková nach einem wichtigen Punktgewinn

Lauter als der Jubel: Karolína Plíšková nach einem wichtigen Punktgewinn

Foto:

Mike Hewitt / AP

Der zweite Satz: Waren es im ersten Satz noch eher einfache Fehler von Barty, die Pliskova mit zwei Breaks ins Spiel brachten, übernahm nun die ehemalige Weltranglistenerste immer häufiger die Kontrolle. Vor allem, weil ihr erster Aufschlag nun endlich auch mit mehr Speed und überhaupt im Feld landete, ging Pliskova nach einem 1:3 Rückstand 5:4 in Führung. Barty wiederum hatte bereits im Halbfinale gegen Angelique Kerber gezeigt, dass sie gegen den drohenden Satzverlust servieren kann. »Come on Barty, let's go Party« forderte ein Zuschauer beim Stand von 5:5. Und tatsächlich: Barty verhinderte drei Spielbälle ihrer Gegenüber, nahm Pliskova danach den Aufschlag ab – um dann das klare Rebreak zu kassieren. Denn auch das hatte das Semifinale gegen Kerber gezeigt: Barty kann mit Druck gegen sich umgehen. Ein Match zuzumachen, fällt ihr deutlich schwerer. Der zweite Satz ging im Tiebreak an Pliskova.

Standing Ovations: Mittlerweile war die Tschechin längst die klare Favoritin des Publikums auf dem Center Court. Zwar zeigten im Tiebreak des zweiten Satzes beide Spielerinnen ihr bestes Tennis, doch nur die Kombination aus atemberaubendem Ballwechsel und Punktgewinn Pliskova ließen die Fans kreischend aufspringen. Später sagte die 29-Jährige mit Tränen in den Augen: »Ich habe es jede Minute genossen, auf diesem Platz zu spielen.«

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Die Entscheidung: Der dritte Satz begann ähnlich klar wie der erste, Barty führte erneut früh 3:0. Pliskova kam weiter zu starken Punkten, die immer wieder die Faust hervorbrachten – oder ein Lächeln, wie bei jenem Ballwechsel, als sie ein Duell über den gesamten Platz mit einem Stopp gewann, den die zuvor bereits rauf und runter gelaufene Barty nicht mehr erreichen würde. Doch diese überragenden Momente reichten nicht, um den Erfolg der Nummer eins der Weltrangliste zu verhindern. Nach 1:55 Uhr verwandelte Barty ihren ersten Matchball.

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Matchball? Welcher Matchball: Wie groß dieser Sieg für Barty war, ließ sich zunächst nur erahnen. Gefragt nach dem Matchball sagte sie etwa, sie könne sich gerade gar nicht an diesen wohl wichtigsten Punkt ihrer Karriere erinnern. Für die Gefühle danach fand sie aber doch erste Worte. Sie habe in der Nacht lange wachgelegen und sich vorgestellt, wie alles rund um das Finale wohl sein würde. Und: »Es ist besser, als ich mir das je vorgestellt habe.«

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