Erste Etappe der Tour de France Ein Pappschild wird dem Peloton zum Verhängnis

Eine Zuschauerin hielt ihr Pappschild auf die Straße, Tony Martin stürzte und es kam zur Massenkarambolage. Mal wieder wurde die erste Tour-Etappe von Unfällen überschattet. Auch ein deutscher Profi musste aufgeben.
Nach dem zweiten Sturz mussten sich einige Fahrer erst mal sammeln

Nach dem zweiten Sturz mussten sich einige Fahrer erst mal sammeln

Foto: POOL ANNE-CHRISTINE POUJOULAT / imago images/Belga

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Der erste Sturz: Eine Zuschauerin hielt ein Pappschild in die Kamera. »Allez Opi Omi« war da zu lesen. Doch die Frau schaute nicht auf die Straße – und so kam es 45 Kilometer vor dem Ziel zum ersten schweren Unglück der diesjährigen Tour de France. Der deutsche Profi Tony Martin (Team Jumbo-Visma) rammte in die Pappe und stürzte. Die Fahrer hinter ihm konnten nicht mehr ausweichen, fielen über ihn drüber oder krachten von hinten in die Massenkarambolage.

Kein Platz: »Ich habe gesehen, wie sie mit der Kamera mitgegangen ist. Für mich war kein Platz und keine Reaktionszeit mehr da«, sagte Martin nach der Etappe. »Dann bin ich reingefahren. Schade, das ist sehr unnötig.« Er habe sich wohl Prellungen zugezogen. »Ich denke, ich werde weiterfahren«, so Martin.

Die Verletzten: Dutzende Profis waren beteiligt und konnten froh sein, wenn sie nur Schürfwunden davontrugen oder ihr kaputtes Fahrrad tauschen mussten. Der deutsche Profi Jasha Sütterlin (Team DSM) dagegen musste verletzungsbedingt aufgeben. Von Jumbo-Visma hieß es dagegen , dass es allen Fahrern des Teams den Umständen entsprechend gut ginge. Angesichts der Bilder von Martins Sturz grenzt das an ein Wunder. Das Peloton jedenfalls wartete auf all die Fahrer, die schnell wieder aufs Rad steigen konnten.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Das Finale: Die Favoriten auf den Etappensieg waren am Schlussanstieg beisammen. Der Franzose Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick-Step) attackierte am steilen Hang von Landerneau und keiner konnte ihm folgen. Kurz vor der Ziellinie war der Weltmeister dann siegessicher, steckte sich den Daumen in den Mund und widmete den Etappensieg damit seinem vor wenigen Tagen geborenen Sohn Nino.

Das Ergebnis: Alaphilippe gewann die erste Etappe der Tour de France 2021 über 197,8 Kilometer von Brest nach Landerneau vor Michael Matthews (Team BikeExchange) und Primoz Roglic (Team Jumbo-Visma). Damit übernimmt der Franzose auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Lesen Sie hier den Rennbericht.

Blut am Bein: Alaphilippes Knie blutete im Ziel. »Ich war in einen Sturz verwickelt«, sagte der 29-Jährige: »Aber ich bin zurückgekommen, ohne in Panik zu verfallen.« Er sei sehr glücklich über den Sieg. »Es ist riesig, das mit meiner Familie zu teilen. Ich vermisse sie«, so der Weltmeister.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Dailymotion, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der zweite Sturz: 7,5 Kilometer vor dem Ziel hatte Alaphilippe sich aus dem zweiten Massensturz raushalten können. Ein Fahrer im Feld hatte offenbar die Kontrolle über sein Rad verloren. Erneut gingen Dutzende Profis zu Boden, darunter der vierfache Tour-Sieger Chris Froome sowie Sprinter André Greipel. Beide schleppten sich erst etwa eine Viertelstunde nach Alaphilippe ins Ziel. Neben Sütterlin mussten mit Cyril Lemoine (B&B Hotels-KTM) und Ignatas Konovalovas (Groupama FDJ) zwei weitere Profis das Rennen aufgeben. Movistar-Profi Marc Soler schaffte es ins Ziel, musste mit Knochenbrüchen aber aufgeben. Wie schwer die Verletzungen der verunglückten Fahrer sind, war zunächst nicht klar.

Der Fluch der ersten Etappe: 2019 stürzte Mitfavorit Jakob Fuglsang schwer, 2020 gingen im Regen mehrere Fahrer zu Boden. Bei der ersten Tour-Etappe des Jahres kam es zuletzt häufiger zu schweren Stürzen. Das mag zum Teil an der Nervosität der Profis liegen, auch am Wetter. Aber dieses Mal war für den ersten Sturz ein unaufmerksamer Fan verantwortlich.

Die Sicherheit: Wie lassen sich solche Unglücke verhindern? Die Radsportsaison 2020 war geprägt von schweren Stürzen, unter anderem lag der Sprinter Fabio Jakobsen nach seinem Unfall bei der Polen-Rundfahrt im Koma. Der Weltverband UCI reagierte auf die Unfälle mit neuen Sicherheitsregeln: Der Zielbereich muss mit Abgrenzungen nun besser gesichert werden und den Fahrern sind besonders windschnittige Sitzpositionen verboten – eine Regel, die für viel Kritik sorgte , weil sie die Verantwortung auf die Fahrer abwälze. Die neuen Regeln bewirkten beim Tour-Starts jedenfalls nichts. Nur durchgehende Begrenzungen, aufmerksame Streckenposten oder mehr Eigenverantwortung der Zuschauerin mit dem Pappschild hätten das Unglück wohl verhindern können.

Runter von der Straße: Tour-Profi Jasper Stuyven twitterte  dazu: »Schön zu sehen, dass viele Zuschauer unseren Sport lieben und uns anfeuern. Aber bitte steht am Straßenrand, nicht auf der Straße!«

La Course: Bevor die Männer losfuhren, waren erst die Frauen dran. Seit ein paar Jahren findet das Rennen La Course im Vorprogramm einer Tour-Etappe statt. Die Niederländerin Demi Vollering sprintete dieses Mal zum Sieg. Sie ist womöglich die letzte Gewinnerin von La Course, denn das Rennen wird wohl abgeschafft. Ab dem kommenden Jahr will Veranstalter Aso wieder eine Tour de France für Frauen organisieren. Das einwöchige Etappenrennen soll am Ende der Männer-Tour im Juli 2022 stattfinden.

Die Hügel: Das Peloton bleibt bei der zweiten Etappe in der hügeligen Bretagne. Nachdem die Fahrer ihre Wunden versorgt haben, werden sie am Sonntag in Richtung Mûr-de-Bretagne starten. Dort hat Julian Alaphilippe dann gute Chancen, sein Gelbes Trikot zu verteidigen. Tour-Debütant Mathieu van der Poel wird am schweren Schlussanstieg aber auf seine Chance lauern.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.