Tour de France Ein Kuss in Andorra

Er stammt aus Colorado und kam für den Radsport nach Andorra: Sepp Kuss gewinnt in seiner neuen Heimat seine erste Tour-Etappe. Dabei fehlte ihm lange die »Würze in den Beinen«.
Sepp Kuss (r.) auf dem Weg zum Etappensieg

Sepp Kuss (r.) auf dem Weg zum Etappensieg

Foto: STEPHANE MAHE / REUTERS

Der Fehdehandschuh: David Gaudu, Hoffnungsträger der Franzosen, streifte sich seine Handschuhe ab und schmiss sie auf die Straße des Col de Beixalis, als wolle er seiner Konkurrenz zeigen: Kommt schon, euch mache ich fertig. Das hätte er besser nicht getan. Sepp Kuss fühlte sich offenbar herausgefordert und attackierte am letzten Anstieg. Keiner konnte ihm mehr folgen, allein fuhr er zum Etappensieg in Andorra la Vella. Vor der Ziellinie warf er seine Sonnenbrille ins Publikum.

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Gut gewürzt: Der 26-Jährige stammt aus den Bergen von Durango im US-Bundesstaat Colorado, wo er mit dem Mountainbiking anfing. Doch seit einiger Zeit lebt Kuss in Andorra, um näher an seinem niederländischen Team Jumbo-Visma und dem europäischen Radsport zu sein. In seiner neuen Heimat feierte er nun seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. »Ich habe viel gelitten bei dieser Tour. Ich hatte keine Würze in den Beinen«, sagte Kuss. »Heute wusste ich, dass die Etappe dort endet, wo ich lebe. Ich war sehr motiviert und hatte endlich wieder sehr gute Beine.«

Das Ergebnis: Kuss gewann die 191,3 Kilometer lange 15. Etappe von Céret nach Andorra la Vella vor dem 41 Jahre alten Alejandro Valverde. Wout Poels wurde Dritter. Tadej Pogačar verteidigte das Gelbe Trikot des Gesamtführenden.

Kampf um die Punkte: Selten war das Bergtrikot so begehrt wie in diesem Jahr. Der Niederländer Wout Poels, der Kanadier Michael Woods und der Kolumbianer Nairo Quintana kämpfen erbittert um die Führung. So auch auf dem Weg nach Andorra. Poels war an allen Wertungen unter den besten drei Fahrern und holte sich das Trikot zurück. Nairo Quintana war immerhin der Erste auf dem Port d'Envalira, dem mit 2408 Meter höchsten Berg der diesjährigen Tour. Damit setzte Quintana auch eine kleine Serie fort. Seit 2018 war immer ein kolumbianischer Profi der erste Fahrer auf dem jeweiligen Dach der Tour.

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Erinnerung an Andorra: Zum sechsten Mal in der Geschichte führte die Tour de France nach Andorra, das kleine Fürstentum in den Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Die in Deutschland berühmteste Etappe führte 1997 nach Arcalis, der junge Jan Ullrich fuhr Bjarne Riis, Richard Virenque und Marco Pantani davon, übernahm das Gelbe Trikot und gab es bis Paris nicht mehr her. Heute weiß man, was von den vermeintlichen Leistungen der rollenden Apotheke zu halten ist. Doch Ullrich steht noch immer als Etappensieger in den Geschichtsbüchern, ihm wurden wegen Dopings nur seine Erfolge nach dem 1. Mai 2005 gestrichen.

Attacken auf Pogačar: Im Prinzip steht Tadej Pogačar seit der ersten Tourwoche als Gesamtsieger in spe fest. Schon in jenen Tagen konnte keiner seiner vermeintlichen Konkurrenten mit dem Slowenen mithalten. In Andorra musste Pogačar nun selbst nicht mehr aggressiv fahren, sondern einige Attacken parieren. Jonas Vingegaard versuchte ebenso wie Richard Carapaz, dem 22-Jährigen davonzufahren. Doch immer hielt Pogačar das Hinterrad seiner Gegner. Im Gesamtklassement hat er vor der letzten Woche weiterhin mehr als fünf Minuten Vorsprung, aber immerhin kann man den Verfolgern nicht ihre Motivation absprechen.

Dusche für den Sprinterkönig: In den Bergen wurde es heiß, da konnten Fahrer wie Mark Cavendish eine Dusche auf dem Rad vertragen. Der Mann im Grünen Trikot konnte erneut auf die Unterstützung seiner Teamkollegen zählen, um nicht die Karenzzeit zu überschreiten und aus der Tour auszuscheiden. Anders ging es dem französischen Sprinter Nacer Bouhanni, der von seinen Kollegen alleingelassen aufgab. Cavendish geht die Konkurrenz im Kampf um Etappensiege im Massensprint aus. Die Wahrscheinlichkeit für seinen 35. Tageserfolg wächst.

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Pause: »Wir werden sehen, wie sich der Kampf um das Gelbe Trikot weiterentwickelt. Jeder ist müde«, sagte Pogačar. Am Montag steht ein Ruhetag in Andorra bevor, doch dann gibt es schwere Bergetappen mit dem schweren Col du Portet am Mittwoch und dem Col du Tourmalet am Donnerstag. Cavendish hofft bei der Flachetappe am Freitag sowie am Sonntag in Paris auf die Chance auf den alleinigen Rekord als Fahrer mit den meisten Etappensiegen bei der Tour de France.