Radsport Alles, was Sie zum Start der Tour de France wissen müssen

Die Tour de France geht in ihre 109. Auflage und startet erstmals in Dänemark. Ist Titelverteidiger Tadej Pogačar zu schlagen? Welche Chancen haben die deutschen Fahrer? Und gibt es endlich wieder eine Tour für Fahrerinnen?
Der Slowene Tadej Pogačar ist auch diesmal der Topfavorit.

Der Slowene Tadej Pogačar ist auch diesmal der Topfavorit.

Foto: STEPHANE MAHE / REUTERS

108 Jahre hat es gedauert, bis die Tour de France Dänemark erreicht hat. In Kopenhagen wird die Frankreich-Rundfahrt an diesem Freitagnachmittag (16 Uhr/ARD/Eurosport) mit einem Einzelzeitfahren eröffnet. Ab kommender Woche geht es in Frankreich weiter. Dann warten in bewährter Weise Vogesen, Alpen und Pyrenäen auf das Peloton. 184 Fahrer hoffen darauf, möglichst unbeschadet und gut platziert am 24. Juli auf die Champs Élysées in Paris einzubiegen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Start der Tour:

Was ist das Besondere an dieser Tour?

Sicherlich der Start in Dänemark. Die Skandinavier reihen sich als zehntes Land in die Serie derer ein, die den Tour-Auftakt außerhalb Frankreichs organisieren. Es ist der bisher am weitesten von Frankreich entfernte Start der Rundfahrt. Tourchef Christian Prudhomme hat Kopenhagen im Vorfeld zur »fahrradfreundlichsten Stadt der Welt« erhoben, tatsächlich ist die Tour-Begeisterung in Dänemark schon seit Jahren groß, die Einschaltquoten liegen dort teilweise bei 60 Prozent und damit deutlich höher als zum Beispiel in Frankreich selbst. Drei Tage hält sich der Tross in Dänemark auf. Am Montag, dem ersten Ruhetag, setzt man dann nach Frankreich über.

Welche Etappen sollte man sich nicht entgehen lassen?

Die 2. Etappe am Samstag wird nicht nur spektakuläre Bilder bieten, wenn die Fahrer über die Brücke über den Großen Belt fahren. Sie wird mit dem einfallenden Wind auch zur ersten Herausforderung . Am Mittwoch kommender Woche warten dann die Kopfsteinpflaster-Pavés in Frankreichs Norden. Mit der ersten Bergankunft am kommenden Freitag in den Vogesen wird das Klassement dann wohl endgültig durchgeschüttelt.

In der zweiten Woche geht es in die Alpen, die Bergankunft in L'Alpe d'Huez am französischen Nationalfeiertag ist sicher einer der Höhepunkte. Am Tag zuvor werden die mythischen Pässe Col de Telegraphe und Col de Galibier überfahren.

Die letzte Woche schickt das Peloton in die Pyrenäen, hier ist die Etappe von Lourdes nach Hautacam noch einmal prägend fürs Klassement. Dennoch kann es sein, dass die Tour 2022 erst am vorletzten Tag beim Zeitfahren über 41 Kilometer entschieden wird.

Wer sind die Favoriten?

Eigentlich gibt es nur einen: Tadej Pogačar, der Slowene aus dem Team UAE, hat schon die beiden vergangenen Frankreich-Schleifen für sich entschieden, und wenn nicht ein Sturz oder Corona ihm dazwischenkommt, gibt es wenig Zweifel, dass er wieder triumphiert.

In diesem Jahr hat er drei Rundfahrten bestritten und alle drei gewonnen. Ex-Champion Alberto Contador nennt ihn ein »Wunderkind«, andere sprechen von »Pogacarmstrong«. Da klingt auch der Zweifel mit, ob all seine Leistungen mit rechten Dingen zustande kommen.

Fordern will ihn auf jeden Fall sein Landsmann Primož Roglič, der mit seinem Team Jumbo-Visma und dem Tour-Zweiten Jonas Vingegaard die stärksten Helfer im Peloton hat. Außenseiterchancen rechnen sich Adam Yates und Geraint Thomas aus. Aber eigentlich fahren sie nur um die Plätze auf dem Podium hinter Pogačar.

Bora-Trumpfkarte Alexander Wlassow bei der Tour de Suisse dieses Jahres

Bora-Trumpfkarte Alexander Wlassow bei der Tour de Suisse dieses Jahres

Foto: Gian Ehrenzeller / dpa

Das deutsche Team Bora-hansgrohe setzt seine Klassement-Hoffnungen auf den Russen Alexander Wlassow. Dass dies sportlich seine Berechtigung hat und dennoch durch den Ukrainekrieg ein Geschmäckle hat, machte schon eine digitale Pressekonferenz vor dem Tourstart deutlich – als Bora eine Journalistenfrage an Wlassow zu seiner Haltung zum Krieg einfach mal nicht weiterleitete.

Was machen die Deutschen?

Mit neun Fahrern ist Deutschland bei der diesjährigen Tour vertreten, so wenige waren es lange nicht. Maximilian Schachmann musste wegen einer Coronainfektion bis zuletzt um die Teilnahme bangen, er hofft ebenso wie die deutschen Meister Nils Politt (Straße) und Lennard Kämna (Zeitfahren) auf einen großen Tag, sprich auf einen Etappenerfolg. Das ist allen dreien zuzutrauen. Routinier John Degenkolb liebäugelt mit der Etappe über die Kopfsteinelemente, das ist sein Metier.

Ist Doping noch ein Thema?

Jein. Das Geraune um die überragenden Leistungen von Pogačar hört zwar nicht auf, ist aber bislang nur genau das: Geraune. Am Donnerstag haben Ermittler die Unterkünfte des Teams Bahrain-Victorious durchsucht. Dies geschah auf Amtshilfeersuchen französischer Dopingfahnder. Ob bei der Razzia etwas gefunden wurde, ist offen. Bereits am Montag hatte es Durchsuchungen bei dem Team gegeben. Da scheint noch etwas in der Luft zu liegen.

Das Team Jumbo Visma bei einer Trainingseinheit vor dem Start der Tour

Das Team Jumbo Visma bei einer Trainingseinheit vor dem Start der Tour

Foto: Daniel Cole / AP

Wer überträgt im Fernsehen?

Anders als die Schwimm-Fans, die zuletzt bei der WM in die Röhre sahen und keine Livebilder serviert bekamen, können die Radsportfreundinnen und -freunde nicht meckern. Erst bescherte ihnen die ARD die üppige Jan-Ullrich-Dokumentation  zum 25-jährigen Jubiläum von dessen Toursieg 1997, jetzt steigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch bei der Tour wieder groß ein. Die meisten Etappen werden großflächig vom Spartensender One übertragen, die entscheidenden Phasen laufen dann auch live in der ARD. Der Sportsender Eurosport bietet ebenfalls wie seit vielen Jahren ausführliche Liveübertragungen an.

Gibt es wieder eine Tour de France der Frauen?

Endlich wieder, muss man sagen. 14 Jahre lang tat sich nichts, 2022 wird ein Neuanfang gewagt – und diesmal einer, der Perspektive haben kann. Die "Tour de France Femmes avec Zwift", so der etwas umständliche offizielle Name, startet an dem Tag, an dem die Männer ihre Final-Etappe in Paris fahren. Anschließend geht es eine Woche lang in acht Etappen durch den Nordosten Frankreichs. Paris ist der Startpunkt, die letzte und gleichzeitig schwerste Etappe führt hinauf nach La Super Planche des Belles Filles in den Vogesen, auch in der Männer-Tour eine der Härteproben.

Tour-Direktorin Marion Rousse war einst selbst eine der besten Fahrerinnen des Landes, später wurde sie auch als Radsport-Expertin im französischen Fernsehen bekannt. Als Tour-Chefin hat sie einige der prominentesten Fahrerinnen der Welt für die Rundfahrt gewinnen können: So sind unter anderem die Niederländerinnen Marianne Vos, Lorena Wiebes und Annemiek van Vleuten am Start, aus deutscher Sicht macht sich Lisa Brennauer Hoffnungen.

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