Tour de France Bora Bora hinter dem Sieger

Die 13. Etappe der Tour de France durchs Zentralmassiv war reich an dramatischen Momenten: Zwei Deutsche verpassten den ersehnten Etappensieg, dafür machten zwei Slowenen ihre Dominanz deutlich.
Maximilian Schachmann war eine der dramatischen Figuren dieser 13. Etappe

Maximilian Schachmann war eine der dramatischen Figuren dieser 13. Etappe

Foto: Benoit Tessier / AP

Der letzte Kilometer: Bergankünfte bei der Tour de France werden zuweilen leicht blutrünstig als Scharfrichter bezeichnet, dieser letzte Kilometer war es in jedem Fall. Nach 190 Kilometern rauf und runter durchs Zentralmassiv ging es zuletzt noch einmal mit zehn Prozent Steigung nach oben für das Spitzentrio, das aus dem Kolumbianer Daniel Martínez und den beiden Deutschen Max Schachmann und Lennard Kämna vom Team Bora-hansgrohe bestand. Ein brutaler Anstieg, dem erst Schachmann und dann im Zielsprint auch Kämna zum Opfer fiel. So nah war ein deutscher Etappensieg bei der Tour de France 2020 noch nie.

Ergebnis der Etappe: Diese 13. Etappe von Chatel-Guyon nach Puy Mary mit sieben Bergwertungen war gerade in der Schlussphase ein klassisches Tour-Drama - den Fahrern war die Strapaze ins Gesicht geschrieben. Wie Ausreißer Schachmann einen Kilometer vor dem Ziel noch eingeholt wurde, wie er versuchte dranzubleiben, und es dann doch sein lassen musste, war ein zutiefst mitleiderregender Moment. Zudem gab es eine mögliche Vorentscheidung: Von allen Favoriten kamen die beiden Slowenen Primoz Roglic und Tadej Pogacar am besten über die Berge und nahmen der Konkurrenz, allen voran Titelverteidiger Egan Bernal, wichtige Sekunden ab. Die Liveberichterstattung der Etappe können Sie hier nachlesen. Zum Etappenbericht geht es hier.

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Die Dritte im Bunde: Alles redet bei der Tour de France über die Pyrenäen und die Alpen als die großen Herausforderungen. Aber wer das tut, ist noch nie im Massiv Central mit dem Rad unterwegs gewesen. Steigungen, Abfahrten ohne Pause, keine Chance zur Erholung, giftige Anstiege - das ist die Auvergne rund um den Puy de Dome. Wie gemacht für ein gnadenloses Ausscheidungsrennen, wie es am Freitag der Fall war. Jacques Anquetil und Raymond Poulidor lieferten sich hier einst ihr legendäres Ellbogenduell.

Land und Leute: Aus Clermont-Ferrand, der Hauptstadt der Region, stammt die unvergleichliche Sandrine Bonnaire, der Formel-1-Rennfahrer Patrick Depailler und, apropos Motorsport, Lolo Ferrari. Papst Urban II. rief von hier aus zum Kreuzzug auf, und hier ist die Zentrale des Michelin-Konzerns. Das Michelin-Männchen ist ein Arverner. Genau, die Gegend ist die Region von "Asterix und der Arvernerschild". Einen der Fahrer an diesem Tag nach diesen Anstrengungen als Gaius Faulus zu bezeichnen, wäre wirklich unwürdig.

Der Tag von Bora: Früh waren Maximilian Schachmann und Lennart Kämna in eine 17-köpfige Fluchtgruppe vorgefahren, die zeitweise mehr als zehn Minuten Vorsprung aufs Hauptfeld hatte. Dann riss erst Schachmann aus, ihm folgten Martínez und Kämna. Eine ideale Ausgangsposition für das deutsche Team, aber mit einem Schönheitsfehler: Martínez ist Kolumbianer und damit am Berg immer im Vorteil. Dennoch: Nachdem Kapitän Emanuel Buchmann in der Gesamtwertung nichts mehr zu bestellen hat, war das bisher der beste Bora-Tag der Tour. Fahrer aus neun Nationen haben bisher bei der Tour Etappen gewonnen, Deutschland gehört noch nicht dazu.

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Nicht der Tag von Frankreich: Romain Bardet, der bis dahin Viertplatzierte, stammt aus der Auvergne, die Etappe ist für ihn wie gemalt - und was passiert? In einer Kurve 100 Kilometer vor dem Ziel stürzen er und der Niederländer Bauke Mollema. Bardet kann zwar weiterfahren, muss aber bei den letzten Bergen abreißen lassen. Auch Guillaume Martin, der Dritte im Gesamtklassement und der Philosoph im Peloton , kann am Ende nicht mehr mithalten. Frei nach seinem großen Vorbild Nietzsche: Gehst du zur Bergankunft, vergiss die Peitsche nicht. Es wird wohl wieder nichts mit einem französischen Toursieg.

Die Ski- und Radsportnation: Roglic, der frühere Skispringer, konnte am Schlussanstieg jedes Tempo mitgehen, ein Tempo, das von seinem Landsmann Pogacar vorgegeben wurde. In der Gesamtwertung belegen zwei Slowenen jetzt die Plätze eins und zwei. Das gab es bislang nur im Wintersport. Slowenien hat nach Tina Maze, Ilks Stuhec, Bojan Krizaj und Peter Prevc jetzt zwei neue Superstars des Sports.

Die Stadt, der Müll und der Tod: Am Samstag geht es weit weniger anstrengend herunter nach Lyon. Wie lange die Stadt noch Etappenziel sein wird, ist offen. Der Bürgermeister hat bereits moniert, dass die Tour zu viel Müll produziere, der Tross zu groß geworden sei, und wenn sich das nicht ändere, werde sich Lyon in Zukunft nicht mehr um Etappen bewerben. Bordeaux verzichtet deswegen schon seit Jahren darauf. Es ist nicht allein Corona, das die Tour in Probleme bringt.