Doppelsieg für Ineos bei Tour de France In aller Freundschaft

Nach all den Rückschlägen darf Ineos jetzt auch mal jubeln. Fürs Gesamtklassement ist es egal, fürs Bergtrikot aber nicht. Deutschlands Sprintkönig André Greipel feierte einen traurigen Tour-Abschied.
Eine echte Bromance - wer hätte das bei Ineos erwartet?

Eine echte Bromance - wer hätte das bei Ineos erwartet?

Foto: STEPHANE MAHE / REUTERS

Pure Genugtuung: Auf das vom Erfolg normalerweise so verwöhnte Team Ineos ist in den vergangenen zweieinhalb Tour-Wochen kräftig eingeprügelt worden. Die falsche Taktik habe der Chef David Brailsford gewählt, die falschen Leute mitgenommen, und dann musste Titelverteidiger Egan Bernal auch noch zermürbt aufgeben. Wie sehr dies alles an dem Team genagt hat, war an diesem Donnerstag für jeden sichtbar, als die Ineos-Fahrer Richard Carapaz und Michal Kwiatkowski gemeinsam freudestrahlend als Etappensieger wie die besten Kumpel, wenn sie aus der Kneipe kommen, über die Ziellinie radelten. Das war nicht ein Stein, der Ineos vom Herzen fiel, das war ein ganzes Fracking-Bergwerk.

Ergebnis der Etappe: Kwiatkowski hatte beim gemeinschaftlichen Eintrudeln nach 175 Kilometern von Meribel nach La Roche-sur-Foron eine Reifenbreite vor Carapaz ins Ziel gebracht. Primoz Roglic und seine Verfolger Tadej Pogacar und Miguel Angel Lopez kamen zwei Minuten danach als gemeinsame Gruppe ins Ziel. Es bleibt vorn im Gesamtklassement also nach dem letzten Alpentag alles unverändert. (Über den ausführlichen Liveticker können Sie die Etappe nachverfolgen, zum Rennbericht geht es hier entlang.)

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Land und Leute: Von dem Skiort Meribel, von dem man im Sommer am besten ganz schnell wegradelt, ging es noch einmal durchs Hochgebirge, die Kamera des französischen Fernsehens schwelgte in den Bildern des Montblanc-Massivs. Es ist die Gegend, aus der der heilige Franz von Sales stammt. Das ist der Schutzheilige der Journalisten und der Gehörlosen, und andere mögen da Zusammenhänge herstellen.

Die Edelhelfer: Sich einen veritablen Giro-d'Italia-Gewinner als Helfer zu engagieren, das können sich nur die Topteams mit viel Geld im Rücken leisten. Roglic von Jumbo-Visma hatte in diesen Wochen den Niederländer Tom Dumoulin an der Seite, der ihm in den Bergen die Führungsarbeit abnahm. So hatte sich Ineos das mit Kapitän Bernal und Richard Carapaz auch vorgestellt. Aber Bernal schwächelte, und so schlug die Stunde des Ecuadorianers erst, als Bernal ausgestiegen war. Wie befreit fährt er seitdem, jenseits aller taktischen Zwänge. Den Etappensieg überließ er Kwiatkowski, weil der zuvor die Helferdienste für ihn verrichtet hatte, für die Carapaz eigentlich bei Bernal eingeplant gewesen war. Carapaz fuhr dafür ins gepunktete Bergtrikot, das er von Pogacar übernimmt.

Der letzte große Berg: Noch einmal ging es über einen Berg der höchsten Kategorie: das Plateau des Glières. Seinen Ruf hat das Plateau frankreichweit, weil sich hier 1944 eine Gruppe der Résistance mit den Soldaten des Vichy-Regimes und den Deutschen Gefechte lieferte. Ein gewaltiges Monument erinnert heute daran.

Schotter: Nichts hassen Radprofis mehr. Höchstens noch Regen. Hinter der Passhöhe des Plateaus des Glières ereilte es sie - 1800 Meter Schotterpiste, und besonders der Australier Richie Porte wird die Kiesel verflucht haben. Ein Reifendefekt warf ihn zurück, er kämpfte sich zwar wieder heran an die Besten, aber die Kräfte für eine Attacke hatte er dann nicht mehr. Da fährt man Tausende Kilometer, um aufs Podium zu kommen, und dann sorgen Steinchen dafür, dass das eventuell nichts wird.

Der alte Mann kann nicht mehr: André Greipel hatte schon zuvor angekündigt, dass es wohl seine letzte Tour sein würde, am Donnerstag war es dann auch seine letzte Etappe. Nach 40 Kilometern stieg der 38-jährige Sprintspezialist vom Rad, entkräftet von einem Infekt. "Jeder Mensch mit gesundem Verstand legt sich ins Bett", sagte er schon vor dem Etappenstart. Nach 40 Kilometern meldete sich dann offenbar der gesunde Verstand. Eine große deutsche Tour-Karriere mit elf Etappensiegen geht damit im Krankenbett zu Ende.

Strenges Aroma: Wer am Fernsehen mit ARD-Livekommentator Florian Naß durch Frankreich fährt, erfährt alles über die Landschaften, aber vor allem über Weine und Käse. Am Donnerstag schwärmte er vom savoyischen Reblochon, aber auch Saint-Nectaire, Salers, Cantal und Abondance gehen einem als ARD-Zuschauer mittlerweile spielend über die Lippen. Wenn das Erste schlau ist, dann bringt es ganz bald Bücher über die Kulinarien auf den Markt: "Trockene Weine mit Florian Naß".

Ausblick: Die Berge sind Geschichte, und der Toursieger steht mit Roglic fast schon fest. Am Freitag wird es flacher, und am Samstag beim Bergzeitfahren kann der Mann im Gelben Trikot seinen Vorsprung eher noch ausbauen. Erste schüchterne Glückwünsche Richtung Slowenien können bereits abgesetzt werden.

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