Sprint-Ärger bei der Tour de France Das war knapp

Im Duell mit Peter Sagan entgeht Wout van Aert nur knapp einem Sturz. Im Ziel ist der Belgier geschockt. Caleb Ewan denkt schon an Paris. Und "El Tractor" ist der beste Helfer der Welt.
Peter Sagan (l.) rempelte Wout van Aert zur Seite: "Ich bin schockiert"

Peter Sagan (l.) rempelte Wout van Aert zur Seite: "Ich bin schockiert"

Foto: Thibault Camus / AP

Sprint-Ärger: Wer den Sturz von Fabio Jakobsen bei der Polen-Rundfahrt noch vor Augen hat, wird bei dieser Szene wohl auch zusammengezuckt sein. Peter Sagan rempelte seinen Konkurrenten Wout van Aert im Sprint zur Seite, um sich Platz zu verschaffen. Van Aert hielt sich zwar auf dem Rad, war aber so erbost über Sagans Aktion, dass er dem Slowaken noch auf der Ziellinie den Mittelfinger zeigte. "Ich bin schockiert", sagte van Aert laut "wielerflits.nl"  im Ziel: "Es ist gefährlich genug."

Bestraft: Sagan wurde durch sein Vorgehen Zweiter. Und damit hätte er tatsächlich einen alleinigen Rekord von 23 zweiten Plätzen bei Tour-Etappen aufgestellt. Doch er teilt sich die Höchstmarke (22) vorläufig weiter mit Erik Zabel und Sean Kelly. Denn Sagan wurde von der Rennjury für seinen Rempler auf den 85. Platz strafversetzt. Sagans Team Bora-hansgrohe akzeptierte die Entscheidung. "Wir wollen immer gewinnen, aber auf eine respektvolle Art und Weise, selbst wenn der Adrenalinpegel bei der Tour hoch ist", hieß es in einer Stellungnahme.

Noch auf der Ziellinie beschwerte sich Wout van Aert (M.) bei Peter Sagan (l.)

Noch auf der Ziellinie beschwerte sich Wout van Aert (M.) bei Peter Sagan (l.)

Foto:

THIBAULT CAMUS / AFP

Das Rennergebnis: Den Endspurt der elften Etappe entschied Caleb Ewan für sich. Nach 167,5 Kilometern von Châtelaillon-Plage nach Poitiers holte der Australier seinen zweiten Etappensieg bei dieser Tour. Zweiter wurde Sam Bennett vor van Aert. Das Gelbe Trikot trägt weiterhin Primoz Roglic. Hier geht's zum Etappenbericht.

Highspeed: Ewan zählt zu den endschnellsten Sprintern bei der Tour de France, keiner hat seit 2019 mehr Etappen bei den großen Rundfahrten gewonnen. Doch nicht immer fährt der Australier am richtigen Hinterrad. Am Mittwoch war es aber wieder soweit. Ewan rauschte aus dem Windschatten von Sam Bennett, dem Mann in Grün, auf den letzten Zentimetern an seinen Konkurrenten vorbei. Dabei kam er auf eine Höchstgeschwindigkeit von 67,1 Kilometern die Stunde. Das kriegt der Otto-Normal-Radler nicht mal bergab hin. "Ich bin superglücklich mit meinem zweiten Etappensieg", sagte Ewan: "Aber jetzt will ich den dritten in Paris."

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Klassiker: Die Etappe hatte eigentlich ganz friedlich begonnen. Lediglich Matthieu Ladagnous von Groupama-FDJ setzte sich vom Feld ab und begann eine lange Soloflucht. Zwischendurch sah es so aus, als könnten sechs weitere Fahrer zu ihm aufschließen, doch das Peloton ließ sie nicht weg. Und so fuhr Ladagnous weiter allein in dem Wissen, dass er sowieso bald eingeholt würde. Etwa 40 Kilometer vor dem Ziel war es so weit.

Maschine: Tim Declercq ist sicherlich nicht der berühmteste Radprofi, aber wahrscheinlich einer, der am häufigsten im Fernsehen zu sehen ist. Wenn es darum geht, Ausreißer zu verfolgen, das Peloton anzuführen, dann fährt oft der Domestique vom Team Deceuninck–Quick-Step voran. Der 1,90 Meter große Belgier kann lange Zeit viel Energie investieren. Weil er das Feld öfter so hinter sich herzieht, hat er sich den Spitznamen "El Tractor" verdient. Von seinen Kollegen wurde er in einer Umfrage von "cyclingnews"  zum besten Helfer der Welt gewählt. Das Gelbe Trikot der Herzen.

"El Tractor" Tim Declercq

"El Tractor" Tim Declercq

Foto: BENOIT TESSIER / REUTERS

Schöne Grüße aus Italien: Die früheren Toursieger Chris Froome und Geraint Thomas schafften es nicht ins Tour-Aufgebot ihrer Mannschaft Ineos. Froome war lange verletzt und auch Thomas nicht rechtzeitig in Form. Beide sind nun beim italienischen Rennen Tirreno-Adriatico unterwegs. "Ich vermisse die Tour, sie fehlt mir", sagte Froome jedoch der "Gazzetta dello Sport": "Wenn ich kann, bin ich am Fernseher dabei." Im kommenden Jahr will der vierfache Toursieger selbst wieder in Frankreich auf dem Rad sitzen, dann für sein neues Team Israel Start-up Nation.

Aufgegeben: Von ursprünglich 176 Tour-Startern haben 161 Fahrer die Hälfte der Rundfahrt überstanden. Mehr als 1800 Kilometer haben sie hinter sich. Zwei mussten aber auf dem Weg nach Poitiers aufgeben. Der erkrankte Bora-Fahrer Gregor Mühlberger schleppte sich lange am Ende des Pelotons entlang, bevor er vom Rad stieg. Astana-Profi Ion Izagirre konnte nach einem Sturz nicht weiterfahren.

Der längste Tag: Für den Rest des Pelotons steht am Donnerstag die mit 218 Kilometern längste Etappe der Tour an. Auf dem Weg von Chauvigny nach Sarran Corrèze gibt es vier Bergwertungen, darunter eine der zweiten Kategorie. Das Profil kommt Klassikerfahrern wie Julian Alaphilippe oder auch Peter Sagan entgegen. Vielleicht wagt sich aber auch der Deutsche Maximilian Schachmann an einen Ausreißversuch. Er kommt mit seinem Schlüsselbeinbruch immer besser zurecht. Der ARD sagte Schachmann am Dienstag: "Ich bin noch nicht fertig mit dieser Tour."