Tour de France Was wir über die Dopingermittlungen wissen

Wurde bei der Tour de France doch wieder gedopt? In Frankreich laufen Ermittlungen gegen Fahrer der Mannschaft Arkéa-Samsic. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Nairo Quintana soll bei den Ermittlungen befragt worden sein

Nairo Quintana soll bei den Ermittlungen befragt worden sein

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STEPHANE MAHE / REUTERS

Auf dem Papier war die Tour de France so sauber wie wahrscheinlich noch nie. Das könnte sich nun ändern, dem Radsport droht ein neuer Skandal. Der Überblick zu den Ermittlungen gegen das Team Arkéa-Samsic.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Die französische Staatsanwaltschaft gab am Montag bekannt, Vorermittlungen wegen eines Dopingverdachts eingeleitet zu haben, nannte aber keine Namen. Mittlerweile hat das französische Team Arkéa-Samsic bestätigt, dass sich die Ermittlungen gegen Fahrer der Mannschaft richten.

Staatsanwältin Dominique Laurens bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, der Dopingverdacht beträfe einen "kleinen Teil" des betroffenen Rennstalls. Bei Durchsuchungen seien "viele Gesundheitsprodukte und Medikamente gefunden worden." Entdeckt worden sei zudem eine "Methode, die man als Doping bezeichnen könnte". Ermittelt werde nun wegen der Verschreibung einer verbotenen Substanz sowie der Hilfe bei und der Anstiftung zu der Einnahme eben dieser Substanz. Zwei Personen befanden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Polizeigewahrsam.

Medienberichten zufolge fanden die Durchsuchungen in Hotelzimmern und Teamunterkünften bereits nach der 17. Etappe am vergangenen Mittwoch in Méribel statt. Laut "Le Parisien"  und der Nachrichtenagentur Reuters wurden 100 Milliliter Kochsalzlösung und Material für Infusionen gefunden. Die Zeitung berichtet zudem, bei den beiden festgenommenen Personen handele es sich um einen Arzt und einen Physiotherapeuten. "L'Équipe"  berichtet, die beiden seien Angehörige der Brüder Nairo und Dayer Quintana. Die beiden Kolumbianer sowie ihr Landsmann Winner Anacona, ebenfalls Profi bei Arkéa-Samsic, sollen im Zuge der Ermittlungen befragt worden sein.

Was sagen die Beschuldigten zu den Vorwürfen?

Emmanuel Hubert, Chef des Teams Arkéa-Samsic, bestätigte die Durchsuchungen und Ermittlungen. Er betonte in einer Mitteilung  jedoch, diese richteten sich nicht gegen die Mannschaft, ihn selbst oder weitere Mitarbeiter, sondern gegen "eine sehr begrenzte Anzahl von Fahrern" und deren Begleiter, die nicht bei Arkéa-Samsic angestellt seien. Ob das eine Schutzbehauptung ist oder das Team doch stärker involviert sein könnte, ist derzeit nicht bekannt.

"Wir unterstützen natürlich unsere Fahrer", sagte Hubert. Sollten sich die Dopingvorwürfe jedoch bewahrheiten, werde sich die Mannschaft "unverzüglich von solchen Handlungen distanzieren" und Maßnahmen ergreifen, um die Verbindungen zu beenden, die die Mannschaft "mit inakzeptablen Methoden" in Verbindung bringen könnten.

Die drei kolumbianischen Fahrer des Teams, Nairo und Dayer Quintana sowie Winner Anacona haben sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Was ist das für ein Team?

Arkéa-Samsic ist eine französische Mannschaft aus dem Continental Circuit, sozusagen der zweiten Liga des Weltradsports. Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren jedoch Wildcards für die Tour de France erhalten und durfte somit an der wichtigsten Rundfahrt der Welt teilnehmen. Sie ist Mitglied in der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC), die sich für eine strikte Einhaltung des Ethikcodes des Radsportweltverbands UCI einsetzt. Bislang gab es keine Dopingverdächtigungen gegen Arkéa-Samsic, Teamchef Emmanuel Hubert oder Sportdirektor Sébastien Hinault, die beide selbst ehemalige Profis sind.

Bei der diesjährigen Tour de France war die Mannschaft unauffällig, holte keinen Etappensieg und war nur selten in Ausreißergruppen vertreten. Von allen 22 Teams gewann laut "Pro Cycling Stats"  keines weniger Preisgeld als Arkéa-Samsic (15.600 Euro).

Wer sind die Fahrer?

Der Kader von Arkéa-Samsic besteht hauptsächlich aus französischen Fahrern, Star des Teams war seit 2018 Warren Barguil. Zur laufenden Saison verpflichtete die Mannschaft mit den Quintana-Brüdern sowie Anacona drei Kolumbianer. Das Trio kennt sich noch aus gemeinsamen Jahren beim spanischen Team Movistar. Gegen die Quintanas sowie Anacona gab es bislang keine konkreten Dopingvorwürfe.

Nairo Quintana ist der erfolgreichste Fahrer der drei. Der 30-Jährige hat unter anderem schon den Giro d'Italia 2014 sowie die Vuelta a España 2016 gewonnen. Dreimal fuhr er auf das Podium der Tour de France. Bei der am Sonntag beendeten Frankreichrundfahrt fiel Quintana allerdings kaum auf und belegte am Ende den 17. Platz.

Wie reagiert die UCI?

Der Radsportweltverband UCI kündigte eine Aufarbeitung an. "Die UCI begrüßt und unterstützt das Vorgehen aller Beteiligten und wird die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, sobald sie die Informationen von den französischen Justizbehörden zur Kenntnis genommen hat", teilte der Verband in einer Stellungnahme  mit.

Wird im Radsport noch gedopt?

Die Tour de France erscheint in diesem Jahr so sauber wie vermutlich noch nie zuvor. Lediglich fünf Prozent der Teilnehmer sind in der Vergangenheit schon einmal beim Doping erwischt worden oder haben es gestanden. Es könnte aber sein, dass es nicht dabei bleibt. Wenn Fahrer im Nachhinein positiv getestet werden, erhöht sich der Anteil. Lesen Sie in der großen Datenanalyse, wie sich das Thema Doping bei der Tour de France über Jahre entwickelt hat.

Die Leistungen bei der diesjährigen Tour wirkten jedoch unwahrscheinlich gut. So übertraf der 21 Jahre alte Sieger Tadej Pogacar am Col de Peyresourde den Kletterrekord des ehemaligen Dopers Alexander Winokurow. Auf der letzten Etappe gewann Pogacar das Gelbe Trikot mit einer herausragenden Leistung im Bergzeitfahren, bei dem er mehr als eine Minute schneller war als Zeitfahrspezialisten. Einen konkreten Dopingverdacht gibt es gegen Pogacar jedoch nicht.

Der letzte namhafte Fahrer, der bei der Tour des Dopings überführt wurde, war 2012 der Luxemburger Fränk Schleck.

Mit Material von dpa, Reuters und sid
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