Psychische Gewalt im Turnen Gericht hält Kündigung von Trainerin Frehse für unwirksam

Turntrainerin Gabriele Frehse wurde gekündigt, nachdem ehemalige Schützlinge ihr im SPIEGEL psychische Gewalt vorgeworfen hatten. Doch das Vorgehen war wohl nicht rechtens. Beim DTB bleibt Frehse trotzdem unerwünscht.
Turnerin auf dem Schwebebalken (Symbolbild)

Turnerin auf dem Schwebebalken (Symbolbild)

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Donald Miralle / Getty Images

Turntrainerin Gabriele Frehse muss trotz der Vorwürfe früherer Schützlinge weiter am Olympiastützpunkt (OSP) Chemnitz beschäftigt werden. Die außerordentliche Verdachtskündigung gegen die 61-Jährige, der ehemalige ihr unterstellte Turnerinnen psychische Gewalt und Medikamentenmissbrauch vorgeworfen haben, wurde vom Arbeitsgericht Chemnitz für unwirksam erklärt.

Pauline Schäfer, Weltmeisterin am Schwebebalken von 2017, und weitere Athletinnen hatten den Fall ins Rollen gebracht, als sie im SPIEGEL Missbrauchsvorwürfe geäußert hatten . Schäfer empfand den Umgangston und das Verhalten ihrer langjährigen Betreuerin als unmenschlich. »Täglich erniedrigt zu werden – das hinterlässt irgendwann Spuren«, sagte Schäfer.

Nach gescheiterten Vergleichsgesprächen entschied das Arbeitsgericht beim Verhandlungstermin, dass keine ausreichenden Gründe für die Kündigung vorgelegen hätten, die der Vorsitzende Richter als Druckkündigung bezeichnete. Das Gericht sprach von »handwerklichen Fehlern«, das Urteil ist daher nicht als Freispruch zu deuten. So hätte Frehse beispielsweise angehört werden müssen. Ein weiterer Kritikpunkt des Gerichts war der lange Zeitraum zwischen der Freistellung und der Kündigung. Die Stützpunkt-Leitung hatte Frehse Ende April dieses Jahres auf Betreiben des Deutschen Turner-Bundes (DTB) die Kündigung ausgesprochen.

Der OSP ist zwar Arbeitgeber von Frehse, der unter seinem Dach in Chemnitz angesiedelte Bundesstützpunkt Turnen wird jedoch vom DTB betrieben. Der Verband hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er keine Zusammenarbeit mit der Trainerin mehr möchte und sie deshalb keine Kaderathletinnen mehr betreuen soll.

Man sei nicht Prozessbeteiligter, sagte DTB-Präsident Alfons Hölzl. »Aber natürlich unterstützen wir, damit wir klare Verhältnisse bekommen.« Und weiter: »Die Strukturen in Chemnitz sind hervorragend. Wir stehen klar zu Chemnitz als Bundesstützpunkt. Aber er kann wohl kaum gegen den Verband betrieben werden.«

Rückkehr von Frehse ist auszuschließen

Der DTB teilte in einem Statement mit, dass der Verband das Urteil zur Kenntnis nehme, es ohne schriftliche Begründung aber noch nicht abschließend bewerten könne. Der DTB werde den OSP aber bitten, Berufung einzulegen. Eine Rückkehr von Frau Frehse an den Bundesstützpunkt sei auszuschließen.

»Wir warten die schriftliche Urteilsbegründung ab und dann sehen wir, wie es weitergeht«, sagte der OSP-Vorstandsvorsitzende Christian Dahms, »ich muss das Ganze jetzt erst mal mit dem Vorstand des Olympiastützpunktes besprechen«.

Das Gericht befand, dass für eine Druckkündigung keine Voraussetzungen vorgelegen hätten und nannte dafür mehrere Gründe. Eine große Rolle spielte ein Gutachten, das der DTB in Auftrag gegeben hatte und das die von zum Teil ehemaligen Turnerinnen erhobenen Vorwürfe belegen sollte. Befragt worden seien laut der OSP-Anwältin 35 Sportlerinnen, von denen 17 die Vorwürfe psychischer Gewalt bestätigt hätten.

Das Gutachten war sowohl der Trainerin als auch dem Gericht jedoch nur »mit erheblichen Schwärzungen« zur Einsicht gegeben worden. Dadurch sei der Inhalt nicht zu bewerten, stellte der Richter fest. Überdies sei das Gutachten erst rund einen Monat nach der am 28. April ausgesprochenen Kündigung fertiggestellt worden. Es sei auch, so der Richter, nicht erkennbar, dass der OSP von sich aus die Aufklärung der Vorwürfe betrieben hätte.

krä/dpa/sid
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