Wegen Angriffskrieg Taekwondo-Weltverband entzieht Putin den schwarzen Ehrengürtel

Er war ihm 2013 verliehen worden, doch nun muss Kremlchef Putin seinen schwarzen Ehrengürtel ablegen. Neben dem Taekwondo-Weltverband ziehen auch weitere Sportverbände Konsequenzen.
Wladimir Putin

Wladimir Putin

Foto: Sergei Guneyev / AP

Russlands Präsidenten Wladimir Putin wurde wegen der Invasion in der Ukraine sein ehrenhalber verliehener schwarzer Gürtel im Taekwondo aberkannt. Der Verband World Taekwondo zitierte in seiner Mitteilung sein Motto »Frieden ist kostbarer als Triumph« und verurteilte die russische Militäraktion in der Ukraine.

World Taekwondo teilte mit, dass die »brutalen Angriffe auf unschuldige Leben« die Werte des Sports von Respekt und Toleranz verletzten. »In diesem Zusammenhang hat World Taekwondo beschlossen, den 9. Dan-Ehrengürtel, der Wladimir Putin im November 2013 verliehen wurde, zu entziehen«, schrieb der Vorstand in einer Erklärung .

Zudem sollen in Russland und Belarus keine offiziellen Taekwondo-Wettkämpfe stattfinden, Flaggen und Hymnen beider Länder werden auf internationaler Bühne nicht mehr präsentiert.

Bereits am Sonntag hatte der Judo-Weltverband angekündigt, Putins Status als Ehrenpräsident und Botschafter »angesichts des anhaltenden Kriegskonflikts in der Ukraine« aufzuheben. Andere Sportorganisationen wie die Fifa und die Uefa haben russische Nationalmannschaften und Klubs vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Mittlerweile haben weitere Sportvereinigungen reagiert. Die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL stoppte ihre Geschäftsverbindungen nach Russland. »Die National Hockey League verurteilt den Einmarsch Russlands in der Ukraine und drängt auf eine schnellstmögliche friedliche Lösung«, teilte die Liga in einem Statement mit. Daher werde man nicht nur die Beziehungen zu russischen Geschäftspartnern aussetzen, sondern auch die eigenen russischsprachigen Online-Auftritte vorerst pausieren.

Auch die Option, Russland als Austragungsort für künftige NHL-Wettbewerbe zu wählen, sei nun kein Thema mehr, hieß es weiter. Zugleich beteuerte die Liga ihre Unterstützung für russische Profis, die »im Namen ihrer Klubs und nicht im Rahmen Russlands spielen«. Diese Spieler und ihre Familien befänden sich »in einer äußerst schwierigen Lage«.

EHF schließt russische und belarussische Teams aus

Zuvor hatte am Montag das Internationale Olympische Komitee (IOC) angesichts der Invasion in die Ukraine empfohlen, russische und belarussische Athletinnen und Athleten nicht mehr an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu lassen.

Der europäische Handball-Verband EHF ist der IOC-Empfehlung gefolgt und hat Russland und Belarus vorerst suspendiert. Nach dem Beschluss des EHF-Exekutivkomitees vom Montagabend dürfen weder die Nationalmannschaften noch Klubs aus den beiden Ländern an europäischen Wettbewerben teilnehmen.

Betroffen ist in der Männer-Champions League Meshkow Brest aus Belarus. In der Königsklasse der Frauen spielen Rostow-Don und ZSKA Moskau. Laut EHF werden auch Schiedsrichter und Offizielle aus Russland und seinen Verbündeten Belarus bis auf Weiteres nicht mehr für Spiele nominiert. In Russland geplante Veranstaltungen werden neu vergeben.

Eishockey-WM wohl ohne Rekordsieger

»Diese Maßnahmen mussten mit sofortiger Wirkung ergriffen werden, da der Krieg in der Ukraine weiter wütet und die Grundsätze der EHF für die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und den Geist der Fairness gefährdet«, hieß es in einer Mitteilung. Die EHF bedauere die Folgen für Einzelpersonen, Vereine und Nationalmannschaften und hoffe, dass die Rückkehr des Friedens neue Überlegungen ermögliche.

Auch der Eishockey-Weltverband (IIHF) schloss die russischen und belarussischen Mannschaften »bis auf Weiteres« aus allen Wettkämpfen aus. Damit folgt die IIHF anderen internationalen Verbänden wie der Fifa und Uefa. Zudem werde Russland die Gastgeberrechte für die Junioren-WM 2023 entzogen, hieß es in der Mitteilung von Montag.

Die Eishockey-WM in Finnland findet damit wohl ohne Russland und Belarus statt. Bei den Olympischen Spielen in Peking hatte Russland noch ganz knapp im Finale gegen Finnland den Titel verpasst. Eine Eishockey-WM ohne Russland war bislang nicht vorstellbar. 27 Mal hat die Sbornaja den Titel geholt und ist damit neben Kanada der Rekordsieger.

Russische Eiskunstläuferinnen dürfen nicht mehr teilnehmen

Auch der Volleyball-Weltverband FIVB hat Konsequenzen gezogen und Russland die Männer-Weltmeisterschaft entzogen. Ein neuer Ausrichter für das WM-Turnier vom 26. August bis 11. September werde nun gesucht, teilte die FIVB mit. Wegen des Krieges in der Ukraine sei es »unmöglich, Weltmeisterschaften in Russland vorzubereiten und durchzuführen«, hieß es in dem Statement.

Der Eislauf-Weltverband Isu hat alle Wettbewerbe für Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Russland und Belarus gesperrt. Ausdrücklich in diese Maßnahme eingeschlossen wurden sämtliche Funktionäre, Preisrichter und andere Offizielle.

Russland ist eine erfolgreiche Eiskunstlaufnation: Bei den Olympischen Winterspielen in Peking gewannen Mitglieder des russischen Teams sechs von 15 möglichen Medaillen. Bei der letztjährigen WM in Stockholm holte die Mannschaft ebenfalls sechsmal Edelmetall, darunter drei Plaketten aus Gold.

bka/Reuters/sid/dpa