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Gestorben Ursula Happe, 94

aus DER SPIEGEL 14/2021
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Bernhard Frye / dpa

Die Treppe nahm sie nie ins Schwimmbecken, auch mit über neunzig nicht. Ursula Happe wählte den Kopfsprung. Bis zum Beginn der Coronakrise ging sie regelmäßig schwimmen. Aufgewachsen als Tochter eines Bademeisters in Danzig, wurde sie nach dem Krieg einer der großen deutschen Sportstars, ohne jemals Starallüren zu entwickeln. Es waren andere Zeiten. Happe trat anfangs in einem selbst gestrickten Badeanzug an, gefertigt aus der Wolle eines alten Pullovers. Sie trainierte morgens in aller Herrgottsfrühe, weil sie sich danach um ihre Kinder kümmern musste; der Mann ging schließlich arbeiten. Sie wurde mehrfach deutsche Meisterin, Europameisterin 1954 und Olympiasiegerin 1956 in Melbourne über 200 Meter Brust, damals mit neuem Weltrekord. Direkt danach beendete sie ihre Karriere – auf Wunsch ihres Mannes. »Früher war man als Frau gehorsam«, sagte sie einmal. Ursula Happe starb am 31. März in Dortmund.

tob
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