Sportstars kritisieren US-Urteil zu Abtreibungsrecht »Das ist in keiner Weise pro Leben«

Das Urteil des Supreme Court, das Recht auf Abtreibung in den USA zu kippen, sorgt bei Sportstars für Entsetzen. Fußballerin Megan Rapinoe ist den Tränen nah, Tennisstar Coco Gauff sieht die Geschichte sich wiederholen.
Megan Rapinoe

Megan Rapinoe

Foto: Steve Luciano / AP

Angeführt von einer entsetzten Megan Rapinoe haben sich amerikanische und auch internationale Sportlerinnen und Sportler zum durch den Supreme Court abgeschafften Recht auf Abtreibung geäußert. »Ich wünschte, wir könnten heute über Fußball sprechen«, sagte die 36 Jahre alte US-Fußballerin während einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft.

»Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie traurig dieser Tag für mich und meine Mitspielerinnen ist«, sagte sie mit immer wieder stockender Stimme und den Tränen nahe: »Die Grausamkeit ist der Punkt, denn das ist in keiner Weise pro Leben. Ich habe null Vertrauen, dass meine Rechte vor Gericht gewahrt werden.«

Der Supreme Court hat in den USA das landesweite Recht auf Abtreibung gekippt. Die 1973 gefällte Entscheidung »Roe v. Wade« ermöglichte Frauen, Abtreibungen bis etwa zur 24. Schwangerschaftswoche durchzuführen. Diese wurde jetzt vom Obersten Gericht verworfen, die einzelnen US-Staaten entscheiden nun selbst.

Coco Gauff

Coco Gauff

Foto: Clive Brunskill / Getty Images

Rapinoe setzt sich im Kampf für Menschenrechte ein, im vergangenen Jahr unterzeichneten sie und 499 andere US-Sportlerinnen ein Schreiben zur Unterstützung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch. Jetzt fürchtet die Olympiasiegerin die Folgen des neuen Urteils. »Es wird so viele der bestehenden Ungleichheiten in unserem Land noch verschärfen«, erklärte sie. Die Entscheidung mache »kein einziges Kind sicherer, ganz sicher nicht. Und es macht keine einzige Frau sicherer, auch nicht im Sinne einer Schwangerschaft.«

Zum Abschluss ihrer knapp neunminütigen Rede appellierte Rapinoe an das »Mitgefühl« und die »Menschlichkeit« aller: Jeder sollte verstehen, betonte sie, »dass, nur weil ich an etwas glaube, das nicht bedeutet, dass alle anderen das auch tun müssen«.

Basketball-Superstar LeBron James: »Es geht um Macht und Kontrolle«

Auch Tennisspielerin Coco Gauff zeigte sich enttäuscht. »Es fühlt sich an, als würde sich Geschichte wiederholen«, sagte die 18 Jahre alte French-Open-Finalistin vor dem Tennis-Highlight in Wimbledon. »Ich ermuntere Menschen weiter, ihre Stimme zu erheben und sich nicht entmutigt zu fühlen, weil wir definitiv einen Wandel erreichen können, und hoffentlich wird das auch passieren.« Der 22 Jahre ältere Superstar Serena Williams wollte sich vor Beginn des Rasenklassikers zu dem Thema hingegen nicht äußern.

Basketball-Superstar LeBron James teilte bei Twitter einige Kommentare zu der Entscheidung und deren Auswirkungen auf schwarze Frauen. Der Profi von den Los Angeles Lakers kommentierte: »Es geht absolut um Macht und Kontrolle.« Die Liga-Chefs der Männer- und der Frauen-NBA veröffentlichten ein gemeinsames Statement. Frauen sollten selbst die Entscheidungen über ihre Gesundheit und Zukunft treffen. Die Freiheit sollte geschützt werden, forderten sie.

Der politisch und im Kampf um Menschenrechte und gegen Unterdrückung ohnehin sehr aktive Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton zeigte sich »angewidert« vom Urteil. »Diese Entscheidung wird die Schwächsten unter uns treffen«, betonte der 37 Jahre alte Brite.

ara/sid/dpa
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