42. Superbowl Kampf der Quarterbacks

Kampf um die Krone: Im Superbowl treffen die New York Giants auf die New England Patriots. Im Mittelpunkt stehen die Quarterbacks. Giants-Spielmacher Eli Manning will seinen ersten Titel erobern - und seinem Gegenüber Tom Brady die perfekte Saison vermasseln.

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Kurz nach seinem bislang größten Triumph durfte sich Eli Manning ein wenig Ironie erlauben: "Wir machen die Dinge gerne spannend", sagte der Superstar der New York Giants. "Die einfachen Siege mögen wir nicht." Wenige Stunden zuvor hatte sein Team 23:20 nach Verlängerung bei den Green Bay Packers gewonnnen – und zum ersten Mal seit 2001 (7:34 gegen die Baltimore Ravens) wieder den Superbowl erreicht.

Die 42. Auflage des Endspiels um die amerikanische Footballmeisterschaft steigt am Sonntag (24 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Glendale, Arizona. Und Manning darf beruhigt sein; dieses Spiel wird alles andere als leicht. Gegner sind die New England Patriots, die in dieser Saison alle 18 Spiele gewonnen haben und damit den Rekord der Miami Dolphins aus dem Jahr 1972 (17 Siege inklusive Superbowl) überboten. Sie werden angeführt von Quarterback Tom Brady – wie Manning der wichtigste Mann seines Teams.

Oft sind es die Spielmacher, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, daher wählen die Clubs ihre Quarterbacks besonders sorgfältig aus. Neben vielen athletischen Prüfungen müssen die potentiellen Superstars auch auf anderer Ebene überzeugen: bei einem Intelligenztest.

Generell absolviert jeder angehende Profi den "Wonderlic Test", bei dem in 12 Minuten 50 Fragen beantwortet werden sollen. "Wenn ein Quarterback weniger als 25 Fragen richtig hat, machen wir uns schon unsere Gedanken. Bei den anderen beschäftigt uns das nicht so stark", sagt Jerry Reese, früher Scouting-Chef und heute General Manager der New York Giants. Zum Vergleich: In Amerika kommt ein Chemiker im Schnitt auf 31 Punkte, ein Hausmeister auf etwa 15.

Eli Manning beantwortete vor seinem NFL-Debüt 39 Fragen korrekt.

Kein Wunder, dass er 2004 im Alter von 24 Jahren als großer Hoffnungsträger von den Giants verpflichtet wurde: Überragende Statistiken als Spieler der Universität von Mississippi, im Draft von den San Diego Chargers als Nummer eins gewählt, dann nach New York getauscht. Manning bekam einen Sechsjahres-Vertrag über 54 Millionen Dollar, eine ungeheure Summe für einen Rookie. Schon wenige Monate später hatte er den etablierten Kurt Warner als Quarterback abgelöst. Das Magazin der "New York Times" widmete ihm eine lange Story unter dem Titel "Das Eli-Experiment".

Tatsächlich sollte es aber noch einige Jahre dauern, bis das Experiment wirklich glückte. Manning, ein eher leiser Typ und kein geborener Anführer, zeigte schwankende Leistungen. Zwar brachte er die Giants zweimal in die Playoffs, doch dort schied das Team jeweils im ersten Spiel aus – zu wenig für einen anspruchsvollen Club wie die Giants. Experten zweifelten, ob er noch der richtige Mann für den Job sei; es hieß, er könne die wichtigen Spiele nicht gewinnen.

An dieser Haltung änderte sich auch Mitte der aktuellen Saison nichts – trotz einer positiven Siegbilanz. "Wenn wir über einen Spieler am Ende der Saison sprechen, ist die wichtigste Frage: Wird er uns helfen zu gewinnen? Und um noch weiter zu gehen: Können wir mit diesem Mann den Titel holen?", sagt Giants-Mitbesitzer John Mara.

Heute ist von Zweifeln keine Rede mehr. Auf dem Weg ins Endspiel gewannen Manning und Co. zehn Auswärtsspiele hintereinander. Nach dem Ursprung des Erfolgs des 27-Jährigen braucht man nicht lange zu suchen, sein Talent liegt schließlich in der Familie. Vater Archie war in den 70er und 80er Jahren Quarterback bei den New Orleans Saints und wurde 1978 zum Spieler des Jahres in der NFC gewählt. Bruder Peyton ist seit 1998 Spielmacher der Indianapolis Colts und gewann im vergangenen Jahr den Superbowl.

Dieses Kunststück will Eli Manning wiederholen, doch die Giants sind nur Außenseiter. Denn die Patriots wissen, dass ihre Serie von 18 Siegen wertlos ist, solange am Ende nicht der Meistertitel steht. Ihre Mission ist noch nicht zu Ende und auf einen Mann können sie sich dabei besonderes verlassen: Tom Brady.

Der 30-Jährige gilt als einer der besten Quarterbacks der Geschichte und hat seinem New Yorker Pendant Manning vor allem eines voraus: Erfolg. Er weiß, wie man die wichtigen Spiele gewinnt. Dreimal stand Brady im Superbowl, dreimal führte er seine Patriots zum Sieg (2002/2004/2005).

Es scheint unvorstellbar, dass Brady die Nerven verlieren könnte. Egal ob 200-Kilo-Kolosse auf ihn zustürmen oder die Medien das Drama eines verpatzten Finals heraufbeschwören – er behält die Ruhe. "Es gibt Druck im Superbowl, es gibt Druck in der regulären Saison, es gibt sogar Druck, wenn man nur sein Haus verlässt. Wer immer am besten damit umgeht, wird seine Ziele erreichen", so Brady.

Was soll diesen Mann erschüttern? Am letzten Spieltag der regulären Saison trafen New York und New England schon einmal aufeinander. Im dritten Viertel lagen die Patriots 16:28 zurück. Der Rekord drohte zu entgleiten, die 75.000 Zuschauer im Giants-Stadion machten mächtig Stimmung.

Brady blieb ruhig, mit einem 65-Yards-Pass auf Receiver Randy Moss brachte er die Gäste im letzten Abschnitt wieder in Führung. Es war sein 50. Touchdown-Pass der Saison – ein neuer NFL-Rekord. Am Ende siegten die Patriots 38:35.



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