Allstar-Game in Las Vegas Viva NBA!

Das Spiel der Spiele steht an: Wie jedes Jahr lädt die NBA die besten Spieler aus Ost und West zum Allstar-Game. Fans zählen seit Wochen die Tage, die Akteure hoffen auf eine Nominierung. Dabei hatte das Riesenevent, das heute in Las Vegas beginnt, mit Startproblemen zu kämpfen.

Von Jan Hieronimi


Im Jahre 1951 hatte ein Mann namens Haskell Cohen eine ziemlich gute Idee. Cohen arbeitete als Publizist für die noch junge NBA. Was wäre, fragte er sich, wenn man die besten Spieler der Liga zu einem Freundschaftsspiel zusammen brächte – würden sich die Fans eine solche Begegnung ansehen? Im Liga-Management hielt man nichts von seinem Vorschlag. Alleine Walter Brown, Besitzer der Boston Celtics, erkannte in einem solchen "Allstar Game" Potenzial. Er erklärte sich bereit, alle Ausgaben und eventuelle Verluste zu übernehmen. "Noch in der letzten Woche davor war nicht klar, ob das Spiel stattfinden würde. Der damalige Commisioner Maurice Podoloff rief mich wenige Tage vorher an und bat mich, das Ganze abzusagen. Jeder, mit dem er gesprochen hatte, hatte ihm versichert, dass das Spiel ein Flop werden und die Liga schlecht aussehen lassen würde", erinnerte sich Brown später.

10.094 Zuschauer bevölkerten damals den Boston Garden für das erste Allstar-Game der NBA-Geschichte. 56 Jahre später ist aus dem einst so stiefmütterlich behandelten Spiel ein aufwendigst durchinszeniertes, mehrtägiges Mega-Event geworden, dem Basketball-Fans ähnlich heiß entgegen fiebern wie Football-Anhänger dem Superbowl. Das Allstar-Weekend bildet den (vorläufigen) Höhepunkt einer jeden NBA-Saison. Das Aufeinandertreffen der auserwählten Spieler ist dabei längst nur noch der krönende Abschluss.

Zuvor jagt ein hochkarätig besetzter Wettbewerb den nächsten: Bei der Skills Challenge dribbeln und passen sich die Stars durch einen Hindernisparcours, beim Dreier-Wettbewerb gilt es, innerhalb einer Minute möglichst alle 25 Bälle von "Downtown" zu versenken, bei der freitags stattfindenden Rookie Challenge schließlich messen sich die vielversprechendsten Jungtalente. Die höchsten Einschaltquoten jedoch erzielt Jahr für Jahr der 1984 eingeführte Dunking Contest, in dem einst Sprungwunder wie Michael Jordan, Dominique Wilkins oder Vince Carter an ihrer Legende feilten.

Eine Liga feiert sich selber

Geht es Monate später in den Playoffs nur noch um Sieg oder Niederlage, steht beim Allstar-Weekend die Show klar im Vordergrund. Die NBA feiert sich selber: Auf dem Feld, wo kein anderer US-Sport so zur technischen Spielerei einlädt wie Basketball mit seinen No-Look-Pässen, Crossover-Dribblings und Alley-Oop-Dunks. Und auch abseits des Parketts: Den unzähligen Medienvertretern – darunter allein 300 Journalisten aus dem Ausland – werden die Stars so ausführlich und oft wie menschenmöglich vor Mikros und Kameras geführt.

Jeden Tag besuchen Spieler bei insgesamt gut zwanzig PR-Terminen Schulen, Krankenhäuser oder wohltätige Einrichtungen. Und auch das gemeine Fanherz wird gehätschelt. Zum 14. Mal baut die Liga für die gut 100.000 Besucher einen gigantischen Basketball-Rummelplatz namens "Jam Session" auf, mit riesigen Fanshops, zahlreichen Wurfstationen, Autogrammstunden und einem kompletten Basketballcourt, auf dem die Allstars ihr öffentliches Training abhalten.

2007 gastiert der NBA-Zirkus im perfekten Umfeld: in Las Vegas, der Stadt für Show und Glitzer. Zum ersten Mal in der Liga-Geschichte wird somit eine Stadt zum Austragungsort, die kein NBA-Team beherbergt – oder noch nicht? Schon seit 20 Jahren wird diskutiert, ob ein Club nach Las Vegas umziehen könnte. Denn die Glücksspielmetropole hätte der Liga viel zu bieten. NBA-Spieler zählen selbst während der laufenden Saison, aber insbesondere in der Sommerpause zu den Dauergästen in den Casinos der Stadt. An zahlungskräftigen und –willigen Zuschauern auf der Suche nach Unterhaltung herrscht wahrlich kein Mangel. Die teuren VIP-Logen wären immer gefüllt. Und auch an Investoren, die einen schlagkräftigen NBA-Club aufbauen würden, würde es nicht fehlen. "Jeder Team-Besitzer, mit dem ich bisher gesprochen habe, liebt Vegas", bekräftigt Gavin Maloof, dem neben den Sacramento Kings auch das Palms-Hotel gehört, in dem die Spieler am Wochenende absteigen werden. Bisher stört sich Commisioner David Stern an der Tatsache, dass in der Hauptstadt des Glücksspiels auch auf Basketball-Begegnungen gewettet werden könnte.

Für das kommende Wochenende werden in Las Vegas die Wetten auf das Allstar-Weekend ausgesetzt. Der Show steht somit nichts im Wege, die Stadt wird für vier Tage ganz im Zeichen des orangen Leders stehen. Zu den hellsten Sternen am NBA-Himmel werden sich wie üblich die heißesten Namen im Showbusiness gesellen: Christina Aguilera, Toni Braxton und Mary J. Blige treten im Rahmenprogramm auf, während Rap-Musiker wie Nelly, P. Diddy (2006 gekleidet im Trainingsdress der deutschen Fußball-Nationalmannschaft) oder Jay-Z wie jedes Jahr in der ersten Reihe Platz nehmen werden. Nach den Spielen werden sie zu einer der exklusiven Partys pilgern, bei denen Stars wie Allen Iverson oder LeBron James die Gastgeber mimen. Diejenigen, die nicht derart dekadent vor Ort feiern, werden sich für das Allstar-Game zu teils unchristlichen Zeiten vor dem Fernseher versammeln – in 215 Ländern wird live übertragen. Haskell Cohen sei Dank.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.