Baseball Auch Superstar Bonds im Doping-Sumpf

Der Dopingskandal in der Major League of Baseball hat einen weiteren Hauptdarsteller. Neben Jason Giambi hat auch San Franciscos Homerun-König Barry Bonds zugegeben, Steroide genutzt zu haben. Die Geständnisse stammen aus dem Untersuchungsausschuss zur Balco-Affäre, die auf mysteriöse Weise an die Öffentlickeit gelangten.

San Francisco - Während Giambi zugab, die Leistung steigernden Mittel drei Jahre lang wissentlich genommen und sich 2003 zudem regelmäßig nicht nachweisbare Wachstumshormone injiziert zu haben, weist Bonds jegliche Eigenverantwortlichkeit von sich. Nach Angaben des "San Francisco Chronicle" behauptet der 40-Jährige, die Doping-Substanzen mit den berüchtigten Namen "The Cream" und "The Clear" für Mittel gegen Gelenkentzündungen und zur Nahrungsmittelergänzung gehalten zu haben.

Als Quelle für die Substanzen gaben beide Spieler Bonds damaligen Privat-Trainer Greg Anderson an. Dem Coach wird im kommenden Jahr gemeinsam mit den Balco-Verantwortlichen, die auch zahlreiche US-Leichtathletikstars wie Marion Jones, Tim Montgomery und Kellie White mit ihren Doping-Mitteln versorgt haben sollen, der Prozess gemacht.

Vor dem Untersuchungsausschuss berichtete Bonds, dass er nie an die Wirkung der Mittel geglaubt, sondern sie eher aus Loyalität zu Anderson genommen hätte. Er hätte ihm auch dafür nichts bezahlt und auch Verantwortlichen der Giants nichts davon erzählt. 2003 erhielt Anderson 15.000 Dollar von Bonds für ein spezielles Gewichtstraining, 2001 nach seiner 73er-Homerun-Saison gab es einen 20.000 Dollar-Bonus für Anderson.

Unterdessen hat sich US-Staatsanwalt Kevin Ryan besorgt über die undichten Stellen im Justizministerium geäußert und eine Untersuchung beantragt. "Verstöße gegen die Schweigepflicht der Grand Jury werden nicht toleriert werden", so Ryan.

Leck im Justizministerium

Bonds-Verteidiger Michael Rains sagte, die Bruchstellen im Justizministerium seien ein Versuch, seinen Mandanten in eine Schmutzkampagne zu verwickeln. Die Dokumente des Untersuchungsausschusses seien versiegelt gewesen. Der "Chronicle" hat seine Quellen bisher nicht genannt.

Balco-Gründer Victor Conte meldete sich in einem TV-Interview zu Wort. In einem Vorabdruck eines heute in den USA ausgestrahlten Fernsehbeitrages wirft er der MLB Naivität vor: "Dort glaubt man noch an den Weihnachtsmann. Einen Bezug zur Realität hat man nicht. Das Anti-Doping-Programm der Liga ist ein Witz. Ich bin davon überzeugt, dass mindestens 50 Prozent der Profis irgendeine Art von Steroiden einnehmen."

Die Liga hatte sich jahrelang Dopingtests verweigert und erst auf Druck des US-Senats schärfere Bestimmungen eingeführt. Während seit 2001 in den Minor Leagues in Sachen Steroide hart durchgegriffen wird, sind die Kontrollen in der MLB noch lax. Baseball-Commissioner Bud Selig hofft jedoch, dass die Maßnahmen zu Beginn der neuen Saison auch auf dem höchsten Level greifen. Bisher können Profis, die bereits mehrere Jahre in der MLB spielen, gemäß der Gewerkschaftsbestimmungen nur selten ohne Vorankündigung getestet werden. Zudem werden längere Spielsperren erst nach mehrmaligen Vergehen ausgesprochen.

Yankees erwägen Vertragsauflösung

Die Yankees ziehen inzwischen in Erwägung, sich von Giambi aufgrund des Doping-Geständnisses zu trennen. Der Infielder hatte 2002 einen mit 130 Millionen Dollar dotierten Siebenjahresvertrag, den sechshöchsten Vertrag in der Baseball-Geschichte, in New York unterzeichnet. Giambi, der 2000 mit dem MVP-Award der American League ausgezeichnet wurde, war in der vergangenen Saison bei einem enttäuschenden Schlagdurchschnitt von .208 nur 80 Spiele im Einsatz. Die restlichen Spiele fiel er wegen eines verstauchten Knöchels und einem gutartigem Tumor an der Hirnanhangdrüse aus.

Während Giambi neben einer Sperre auch um sein Geld fürchten muss, dürfte Bonds einen erheblichen Imageverlust erleiden. 2001 hatte der "King" mit 73 geschlagenen Homeruns in einer Saison einen MLB-Rekord aufgestellt. In der ewigen Homerun-Bestenliste der Liga liegt er auf Rang drei. In der vergangenen Spielzeit war er zum siebten Mal zum "wertvollsten Spieler" (MVP) der National League gewählt worden.

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