Baseball Johnson peilt den großen Wurf an

Dreizehn Jahre musste sich Randy Johnson gedulden. Doch nun steht der derzeit beste Pitcher der Major League Baseball mit den Arizona Diamondbacks kurz vor dem ersten Meistertitel seiner Profikarriere.

Von Christian Kahlstorff


Randy Johnson: "Ich kann mich noch steigern"
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Randy Johnson: "Ich kann mich noch steigern"

Phoenix - "Das ist ein traumhaftes Gefühl. Es lief alles wunderbar", jubelte Johnson nach dem 4:0-Sieg gegen die New York Yankees am Sonntagabend im zweiten Finale der World Series, "wir brauchen nur noch zwei Siege, und wir glauben jetzt, dass wir es schaffen können."

"Er war sensationell", musste auch New Yorks Manager Joe Torre konsterniert feststellen, der sich allerdings damit trösten kann, dass Johnson im dritten Spiel am Dienstagabend in New York nicht mit von der Partie sein kann. Laut MLB-Reglement müssen die Start-Pitcher zwischen zwei Spielen drei Tage pausieren.

Dass Johnson aussetzen muss, ist eine eindeutige Schwächung für die Arizona Diamondbacks, jenes Team, das erst vor vier Jahren gegründet worden war. Momentan ist der trickreiche Linkshänder eine Klasse für sich. Bei seiner jüngsten Gala gegen den Titelverteidiger schleuderte Johnson den Ball 111-mal, die entnervten Yankees trafen die Lederkugel lediglich dreimal.

"Ich weiß nicht, was ihr von mir wollt"

Große Worte sind Johnsons Sache dennoch nicht. "Ich spreche nicht viel über meine Person. Das ist doch irrelevant", sagte er einmal in einem Interview und tat so, als ob es das Normalste von der Welt wäre, Bälle auf 160 Stundenkilometer zu beschleunigen und die Gegner damit in den Wahnsinn zu treiben: "Ich weiß nicht, was ihr von mir wollt. Ich gehe jeden fünften Tag raus und tue das, was ich tue." Doch noch nie war der schlaksige Hüne so erfolgreich wie in dieser Saison.

Johnson entschied 21 Spiele quasi im Alleingang vom Wurfhügel und stellte damit einen persönlichen Rekord auf. Dazu kamen 372 Strike-Outs - das drittbeste Ergebnis, das je ein Spieler in der MLB erzielen konnte. Nun soll der erste Meistertitel seiner Profikarriere glücken. "Das Alter bringt das Beste in mir zum Vorschein", glaubt der 38-Jährige.

"Nicht das Gefühl, ein kompletter Spieler zu sein"

Doch der vierfache Familienvater, der 1988 in die MLB kam und bereits für Montreal, Houston und Seattle spielte, meint, sein Leistungslimit noch lange nicht erreicht zu haben. "Am Ende der vorigen Saison hatte ich noch immer nicht das Gefühl, ein kompletter Spieler zu sein. Ich wusste, dass ich mich noch steigern kann."

Drei bis vier Jahre könne er wohl noch weitermachen. "Aber irgendwann werde ich den Ball nicht mehr so schnell wie jetzt werfen können", weiß auch Johnson, der auch als "The big unit" bekannt ist. So wird der 105 Kilogramm schwere 2,12-Meter-Mann wegen seiner Größe genannt - lang wie der Anhänger eines Trucks.

"Ich habe meine eigene Art der Vorbereitung"

Bei den Arizona Diamondbacks, für die er seit 1999 spielt, fühlt sich Johnson wohl und pflegt dennoch sein Einzelgänger-Image. Seit 1993 kann Johnson auf zehn positive Sieg/Niederlage-Bilanzen verweisen. "Mein Vater ist 1992 gestorben, er hat mich die letzten neun Jahre lang inspiriert", nennt der lange Schlacks einen Grund für seinen Aufstieg.

Das Geheimnis seiner Strikeouts hat Johnson jedoch nie gelüftet. Am Anfang der Saison legte ihm Pitcher-Kollege Curt Schilling vor einem Spiel gegen die Florida Marlins ein Laptop als Geschenk in den Spind. Doch für die darauf gespeicherten Profiles und Statistiken der gegnerischen Spieler hatte Johnson keinen Bedarf: "Ich habe das Computerzeugs nicht weiter beachtet." Am Abend warf der Mann aus Walnut Creek in Kalifornien ein komplettes Spiel und erzielte zehn Strike-Outs. Johnsons lapidarer Kommentar: "Ich habe meine eigene Art der Vorbereitung."

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