Basketball-Bundesliga Stars im Schatten

50 Millionen Euro Umsatz, Stars aus aller Welt mit Gehältern bis zu einer halben Million Euro: Die Basketball-Bundesliga startet heute in die neue Saison – doch kaum jemand schaut zu. Ein Blick hinter die Kulissen.
Von Sascha Klettke

Wenn sich heute Abend der Scheinwerferkegel auf Darius Hall richtet, werden ihn 3000 Fans in der Quakenbrücker Sporthalle begeistert empfangen. Der 118-Kilo-Mann bekommt einen Ring überreicht - die Auszeichnung für den beliebtesten Spieler der Basketball-Bundesliga (BBL). Bei einer Abstimmung im Internet wählten Fans den US-Amerikaner auf Platz eins.

Doch außerhalb der Fan-Gemeinde ist Hall ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Seine mehr als 200 Kollegen sind wohl noch unbekannter. Dabei haben so einige von ihnen bereits in der NBA, der besten Basketball-Liga der Welt, gespielt, bekommen Spitzengehälter von rund 500.000 Euro pro Saison. Bei der Arbeit schauen den BBL-Stars aber nur wenige zu.

Im Durchschnitt 3400 Besucher kamen in der vergangenen Saison zu den Spielen der ersten Basketball-Liga. Auch über das Fernsehen erreicht der deutsche Basketball keine Massen: Beim Bezahlsender Premiere schalteten in der Saison 2005/2006 durchschnittlich 17.000 Zuschauer die Live-Übertragungen ein.

Trotzdem investieren Firmen Millionen in die Sportart. Und in den 18 Bundesliga-Standorten gibt es begeisterte Fans, die Dauerkarten, Trikots und Schals kaufen und ihren Teams zu Auswärtsspielen hinterher reisen. Warum tun sie das und warum springt der Funke nicht auf die breite Bevölkerung über?

Axel Schweitzer gehört zu den Männern, die Profi-Basketball in Deutschland möglich machen. Im Hauptberuf ist der 38-Jährige Aufsichtsratsvorsitzender der Alba Berlin Basketballteam GmbH und hauptberuflich Vorstand bei der Alba AG. Das Unternehmen im Familienbesitz ist der Hauptsponsor des Sportclubs. Warum fördert er den Verein? Ist das bloße Liebhaberei? Schweitzer widerspricht: "Wir haben durch die Nähe zum Basketball Imagewerte, um die unser mancher Markenartikler beneidet." Die Firma Alba gelte als schnell, sauber und flexibel. Das ist besonders interessant, wenn man weiß, in welcher Branche das Unternehmen aktiv ist: Alba ist ein Müllentsorger.

"Basketball bedient eine interessante Zielgruppe und hat ein interessantes Image", erklärt Schweitzer, warum das Engagement der Wirtschaft sich trotz der geringen Zuschauerzahlen lohnt: "Die Fans sind jung, überdurchschnittlich gebildet und haben ein höheres Einkommen als der Durchschnitt." Außerdem könne ein Unternehmer beim Basketball mit verhältnismäßig wenig viel erreichen: "Ich bin lieber mit Alba Berlin prominent bei einem Spitzenteam und sogar auf europäischer Ebene vertreten als Sponsor bei Arminia Bielefeld zu sein."

Doch weil nicht alle Firmenchefs so auf Basketball setzen wie Schweitzer, haben viele Basketball-Clubs zu kämpfen. Rhein Energie Köln wurde vor zwei Jahren Meister und im April Pokalsieger. Nach dem Ausstieg des Energieversorgers Rhein Energie tritt das Team unter dem Namen Köln 99ers an. Der Etat ist dadurch um mindestens eine Million geschrumpft.

Oft bringt ein neuer Sponsor auch einen neuen Vereinsnamens mit. Der amtierende Meister Brose Baskets war bis vor einem Jahr noch als GHP Bamberg auf Korbjagd. Der Mannschaft aus Jena gelang als POM Baskets der Aufstieg aus der zweiten Liga. In der BBL heißt das Team jetzt Science City Jena. Jena ist 2008 Wissenschaftsstadt und die Basketballer erhalten einen sechsstelligen Beitrag aus dem Marketing-Etat dieses Projekts. Die Begründung: Die Basketballer würden ja in vielen Universitätsstädten spielen.

Kaum Sendezeit im Fernsehen

Ein Hauptproblem auf der Suche nach Sponsoren ist die kleine Reichweite der Sportart. Basketball kommt im Fernsehen kaum vor. Wem soll das schon das Firmenlogo auf der Brust der Profisportler auffallen? Dieses Problem haben die Basketball-Clubs erkannt, sie drängen auf dem Bildschirm: "Wir wollen ins freiempfangbare Fernsehen also dorthin wo die Menschen zusehen, die wir noch gewinnen wollen", sagt Jan Pommer, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga.

Um ins Free-TV zu kommen, geht die Liga in diesem Jahr einen neuen Weg. Bisher war ein Spiel pro Woche bei Premiere zu sehen - allerdings nur für Abonnenten des Bezahlsenders. In diesem Jahr gibt es die Spiele live und gegen Bezahlung beim Projekt "Sportdigital.tv". Für drei Euro pro Spiel oder 50 Euro pro Saison werden die Spiele im Internet gestreamt. So wird auch die erste Partie der neuen Saison heute Abend übertragen: Der Überraschungs-Vizemeister Artland Dragons aus Quakenbrück empfängt um 20.15 Uhr Alba Berlin.

Mehr als tausend Abonnenten hat das Projekt nach Pommers Angaben bereits gefunden. Außerdem gibt es einen Pay-TV-Satelliten-Kanal auf der Plattform entavio. Die ist erst vor kurzem gestartet und dürfte daher bisher nur sehr wenige Zuschauer haben.

Mit "Sportdigital.tv" soll aber vor allem die Präsenz im Free-TV gesteigert werden. Fernsehsendern werden die günstig produzierten Bilder aus den Arenen angeboten - um ganze Spiele live zeigen oder Kurzberichte mit attraktivem Bildmaterial zu produzieren. "Sportdigital.tv" ist in den Arenen mit mindestens fünf Kameras präsent. "Wir reden mit den öffentlich-rechtlichen Sendern, mit der Sportschau am Sonntag, dem aktuellen Sport-Studio, der ZDF-Sportreportage und glauben, dass wir da deutlich mehr vorkommen können als in der Vergangenheit", sagt BBL-Chef Pommer. Außerdem gebe es Gespräche mit Fernsehsendern über die Live-Übertragung eines Spiels pro Woche und mittelfristig über ein regelmäßiges Basketball-Magazin.

"Die Sportschau ist eine Fußballschau"

Der Manager von Alba Berlin, Marco Baldi, sieht vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender in der Pflicht. Bei Privatsendern verstehe er, wenn sie mit der Fernsehquote argumentieren, bei ARD und ZDF sei das anders: "Ich glaube, dass man der Bevölkerung ab und zu Pluralität bieten kann und muss." Derzeit gebe es eine Monostruktur im Fernsehen: "Die Sportschau ist eine Fußballschau".

Wenn Basketball öfter im Fernsehen gezeigt werde, so hoffen alle Basketball-Manager, dann werden sich auch mehr Menschen für ihren Sport interessieren: "Wenn Leute sich überreden lassen, das erste Mal in die Halle zu kommen, dann sind sie meist begeistert und wollen wieder kommen", erklärt Baldis Quakenbrücker Kollege Marco Beens. Er hofft, dass er mit seinem Team schon bald mehr Menschen ein besonderes Vergnügen bereiten kann: "Die Leute wollen auch mal sehen, dass der Underdog gewinnt. Das ist was Tolles, wenn der Kleine dem Großen ein Bein stellt." Vielleicht klappt das ja bereits heute Abend beim Spiel gegen Alba Berlin.

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