Deutsches NHL-Duell Eiszeit zwischen Schubert und Hecht

Zwei Deutsche kämpfen in der National Hockey League um den Einzug ins Finale. Christoph Schubert kann mit Ottawa heute alles klar machen, Jochen Hecht muss mit Buffalo auf ein Wunder hoffen. Bis zur Entscheidung haben sich die beiden nichts zu sagen.

Von , Ottawa


Die Aussage hörte sich böse an, aber so war sie gar nicht gemeint. "Dafür ist in den Playoffs keine Zeit. Da konzentriert sich jeder auf sich selbst. Da hat man den Tunnelblick", sagte Jochen Hecht auf die Frage, ob er während der Halbfinales zwischen Buffalo und Ottawa denn mal Zeit habe, sich mit Christoph Schubert zu unterhalten. Beide kennen sich schließlich aus der deutschen Nationalmannschaft. Und beide sind übrig geblieben von den sieben Deutschen, die in der National Hockey League ihr Geld verdienen. Ein Münchner und ein Mannheimer zwischen all den Kanadiern, Amerikanern, Finnen, Russen, Tschechen und Schweden – das müsste doch verbinden. Tut es aber nicht. Denn weil Schubert und Hecht das gleiche Ziel haben, sind die Kollegen derzeit Kontrahenten.

Er werde alles geben, damit er der Deutsche im Endspiel sei, so Hecht, der bei diesem Satz keine Miene verzog. Schubert sieht die Angelegenheit nicht ganz so ernst. "Ich hoffe doch, dass wir mal Zeit für einen Plausch haben", sagte der 25-Jährige noch vor dem ersten Spiel. Das ist fast eine Woche her. In dieser Zeit ist viel passiert. Vor allem viel Überraschendes. Nicht die favorisierten Buffalo Sabres sind auf dem Weg ins Finale, sondern die Ottawa Senators. Ein Sieg fehlt Schubert und seinem Team noch zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. In Buffalo hingegen fühlt sich Hecht an das Szenario des Vorjahres erinnert. Da war für die Sabres nach dem Halbfinale Sommerpause.

"Wir haben ein sehr gutes Team. Alles andere als der Titel wäre eine Enttäuschung", sagte der 29-Jährige Anfang der Woche. Da hatte Buffalo gerade das dritte Spiel verloren. Erneut war das beste Team der regulären Saison offensivschwach. Erneut zeigte sich Ottawa beeindruckend unbeeindruckt – und wurde am Ende sogar noch frech. "Am Mittwoch sind wir durch. Keiner von uns will mehr nach Buffalo, keiner von uns mag die Stadt", sagt Schubert, als er nach Spielende auf dem Hometrainer sitzt und regeneriert. Seine Mitspieler wie Kapitän Daniel Alfredsson oder Torjäger Dany Heatley haben dafür keine Zeit. Sie werden von Kamerateams umlagert. Nichts Neues für die Stars der Senators.

Schubert hingegen kann ungehindert duschen und ist kurze Zeit später wie immer als Erster umgezogen. Alltag auch für ihn. Er spielt seine zweite Saison in Ottawa und hat 80 von 82 Vorrunden-Spielen bestritten. Allerdings scheint es so, als hätten sie bei den Senatoren die richtige Position für ihre Nummer fünf immer noch nicht gefunden. Zu Saisonbeginn war Schubert Verteidiger. Das hatte er schon als Jugendlicher bei Hedos München, in Klostersee und Landshut gespielt. Seit Wochen setzt Trainer Bryan Murray den Rotschopf jedoch in der vierten Angriffsreihe ein.

Schubert hat das akzeptiert – vorerst. "Ich wusste, dass ich diese Rolle in den Playoffs spielen werde. Mein Leben lang möchte ich das nicht machen, aber wenn ich so den Cup gewinne, ist es mir auch Recht." Wenn der Paradesturm mit Alfredsson, Heatley und Spezza mal Luft holen muss, darf Schubert aufs Eis. Seine Aufgabe ist einfach: den Gegner zu beschäftigen und in die eigene Verteidigungszone zurückzudrängen. Denn Rest erledigen dann die Drei aus der ersten Reihe.

"Sie schießen die wichtigen Tore, dafür bekommen sie ihre Millionen", sagt Schubert ohne Neid und Selbstmitleid. Es gibt sicherlich technisch versiertere Eishockeyspieler als ihn, aber nicht viele haben so ein Kämpferherz. Das hat auch Bryan Murray erkannt. Christoph erfülle die Aufgaben, die er von ihm erwarte, lobt der Trainer. Sieben bis zehn Minuten Eiszeit gibt er seinem Deutschen pro Spiel.

Hecht kommt kontinuierlich auf das Doppelte. Er steht oft in der Starting-Line, gehört zu den Führungsspielern in Buffalo. Sein Coach Lindy Ruff schätzt die Vielseitigkeit des 29-Jährigen. Der soll mit seiner Reihe die Topstars des Gegners aus dem Spiel nehmen. Das hatte in der zweiten Playoff-Runde gegen die New York Rangers und deren Superstar Jaromir Jagr gut geklappt. Doch gegen Ottawas Tor-Trümpfe hatte Hecht bislang das Nachsehen. Auch ein Grund, warum die Senators 3:0 führen.

Auf Statistiken gebe er nichts, die müsse man ignorieren, so Hecht. Seine Zahlen-Phobie ist verständlich. Erst zweimal in der NHL-Geschichte hat eine Mannschaft nach drei Niederlagen in Folge noch 4:3 gewonnen. Hecht glaubt trotzdem an einen Sieg heute Abend. Schubert hingegen will nach dem Spiel endlich mit seinem Nationalmannschaftskollegen plaudern. Dann sei schließlich das Halbfinale vorbei. Und somit auch die Zeit des Schweigens.



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Seite 1
RagnarLodbrok, 16.05.2007
1.
Oje, doch so viel Interesse an Eishockey. Ich glaube das ist eins der wenigen Themen, in dem nach der Eröffnung 30 Stunden kein Eintrag ist. Also ich oute mich hier jetzt. ICH BIN EIN EISHOCKEYFAN und wennn ich der letzte in Deutschland sein werde. Und jetzt beginne ich (mit mir) hier eine Disskussion. "Platz neun für das Nationalteam bei der WM, erfolgreiche Deutsche in der NHL - ist das deutsche Eishockey besser als sein Ruf?" Ja, deutsches Eishockey ist besser als sein Ruf. Bei der WM hat die Auswahl des DEB auf die vermeintlich besten 6- 8 Spieler verzichten müssen und damit ist die Leistung noch höher einzuschätzen. Ausserdem ist es so, dass es sich bei der Eishockey WM quasi um zwei Turniere in einem handelt. Russland, Kanada, USA, Tschechien, SLowakei, Finnland und Schweden spielen in einer anderen Liga und kann als Maßstab für das deutsche Eishockey nicht gelten. Für Deutschland ist Platz 8 (also der Einzug ins Viertelfinale das Maß der Dinge. Mit er Leistung bei dieser WM, wären Sie n.m.E. auch auf diesen Platz gekommen, wenn Sie das bessere Losglück gehabt hätten und in der Zwischenrunde den Platz mit dem Schweizer Team getauscht hätten. So gab es in der Gruppe der Deutschen (in der nur 4 das Viertelfinale erreichen können), eben 4 der oben genannten Teams. Und dennoch war es ein Tor in allerletzter Minute der Tschechen, was ein Erreichen des Viertelfinales verhindert hat. Uwe Krupp, unser Klinsmän (ich gehe wenn ich unser schreibe, davon aus, dass es doch noch einen oder zwei Fans in deutschland gibt) machte seine Sache sehr gut und die jungen Wilden wuchsen über sich hinaus. Das auch schon letztes Jahr beim Aufstieg. Ich bin mir sicher, innerhalb der nächsten drei WM´s erreicht Deutschland das Viertelfinale.
RagnarLodbrok, 16.05.2007
2.
Zitat von RagnarLodbrokOje, doch so viel Interesse an Eishockey. Ich glaube das ist eins der wenigen Themen, in dem nach der Eröffnung 30 Stunden kein Eintrag ist. Also ich oute mich hier jetzt. ICH BIN EIN EISHOCKEYFAN und wennn ich der letzte in Deutschland sein werde. Und jetzt beginne ich (mit mir) hier eine Disskussion. "Platz neun für das Nationalteam bei der WM, erfolgreiche Deutsche in der NHL - ist das deutsche Eishockey besser als sein Ruf?" Ja, deutsches Eishockey ist besser als sein Ruf. Bei der WM hat die Auswahl des DEB auf die vermeintlich besten 6- 8 Spieler verzichten müssen und damit ist die Leistung noch höher einzuschätzen. Ausserdem ist es so, dass es sich bei der Eishockey WM quasi um zwei Turniere in einem handelt. Russland, Kanada, USA, Tschechien, SLowakei, Finnland und Schweden spielen in einer anderen Liga und kann als Maßstab für das deutsche Eishockey nicht gelten. Für Deutschland ist Platz 8 (also der Einzug ins Viertelfinale das Maß der Dinge. Mit er Leistung bei dieser WM, wären Sie n.m.E. auch auf diesen Platz gekommen, wenn Sie das bessere Losglück gehabt hätten und in der Zwischenrunde den Platz mit dem Schweizer Team getauscht hätten. So gab es in der Gruppe der Deutschen (in der nur 4 das Viertelfinale erreichen können), eben 4 der oben genannten Teams. Und dennoch war es ein Tor in allerletzter Minute der Tschechen, was ein Erreichen des Viertelfinales verhindert hat. Uwe Krupp, unser Klinsmän (ich gehe wenn ich unser schreibe, davon aus, dass es doch noch einen oder zwei Fans in deutschland gibt) machte seine Sache sehr gut und die jungen Wilden wuchsen über sich hinaus. Das auch schon letztes Jahr beim Aufstieg. Ich bin mir sicher, innerhalb der nächsten drei WM´s erreicht Deutschland das Viertelfinale.
Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass die DEB Auswahl innerhalb der nächsten zwei WM´s den Titel ... des Achtplatzierten holt.
RagnarLodbrok, 16.05.2007
3.
Zitat von RagnarLodbrokDem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass die DEB Auswahl innerhalb der nächsten zwei WM´s den Titel ... des Achtplatzierten holt.
Da muß ich aber wiedersprechen, bin mir sicher schon 2009 wird der Titel "Platz 8" geholt
RagnarLodbrok, 16.05.2007
4.
Zitat von RagnarLodbrokDa muß ich aber wiedersprechen, bin mir sicher schon 2009 wird der Titel "Platz 8" geholt
sorry muß natürlich 2008 heißen. :)
Umberto, 16.05.2007
5.
Zitat von RagnarLodbroksorry muß natürlich 2008 heißen. :)
Sorry, ich will Sie hier bei Ihrer Unterhaltung nicht stören, erlaube mir jedoch darauf hinzuweisen, dass das deutsche Eishockey wohl schon mal bessere Tage gesehen hat. Ich erinnere mich - ganz, ganz dunkel - das man bei Olympischen Spielen (ich meine 1976) schon mal Dritter war. Und damals hab' ich tatsächlich hin und wieder dabei zugeschaut.
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