Heat-Forward Kapono "Rocky" boxt sich durch

Als die Heat den Titel holten, saß er fast nur auf der Bank. Doch Jason Kapono gab nicht auf und setzte sich in Miami durch. Zuletzt konnte der Forward sogar beim All-Star-Game glänzen und eine Trophäe gewinnen. Eine Reportage des Basketballmagazins "FIVE".

Von Adrian Bauer


Hamburg - "Rocky", diesen Spitznamen haben seine Teamkollegen dem Swingman verpasst, weil Jason Kapono nicht nur das mächtige Kinn mit Schauspieler Sylvester Stallone teilt, sondern auch stimmlich auf einer Wellenlänge mit dem Filmstar liegt. In dieser Saison zeigt der 26-Jährige den Kampfgeist von Stallones berühmter Figur, um seinen Ruf als Top-Scharfschütze zu wahren und seine Katastrophensaison 2005/2006 vergessen zu machen. Zuletzt gewann er sogar den Wettbewerb der besten Drei-Punkte-Schützen im Rahmen des All-Star-Wochenendesin Las Vegas.

Heat-Forward Kapono: Sieger beim Dreier-Wettbewerb
AP

Heat-Forward Kapono: Sieger beim Dreier-Wettbewerb

Dabei stand seine Zeit in Miami zu Beginn unter keinem guten Stern. Als schlechter Rebounder und mieser Eins-gegen-eins-Verteidiger gehörte der 2,03 Meter große Forward nicht zu den Lieblingsspielern von Heat-Coach Pat Riley. Doch auch die zugedachte Rolle als Distanzspezialist konnte Kapono nicht zufriedenstellend ausfüllen. Statt von draußen zu ballern und so Freiräume unter dem Korb zu schaffen, zog "Rocky" mehr zum Korb und nahm schwierige Zweier aus dem Dribbling.

Zum ersten Mal in seiner Karriere rutschte seine Dreierquote unter 40 Prozent. Das sah der Coach nicht gern, und Kaponos Spielzeit wurde deutlich eingeschränkt. In den Playoffs durfte er nur einmal aufs Feld, für ganze zwei Minuten. Die Heat wurden ohne ihn Champion. "Das war ein absolut hartes Jahr. Ich habe mich oft selbst in Frage gestellt", gibt Kapono zu.

Solche Tiefschläge ist "Rocky" nicht gewohnt, denn bis dahin läuft die Karriere des Kaliforniers wie am Schnürchen. Er ist der Star seiner Highschool und schafft es an die UCLA. Nach vier Jahren verlässt Kapono die Uni als drittbester Scorer der Bruins-Historie – noch vor Reggie Miller, Bill Walton und Gail Goodrich. 2003 wird er mit dem 31. Pick von den Cleveland Cavaliers gedraftet und spielt jeweils ein Jahr für die Cavs und die Bobcats. 2005 wechselt er als Free Agent zu den Heat.

"Es war ein Traum von mir, in Miami zu spielen", sagt Kapono nach seinem Wechsel. Doch am Ende kommt ein Albtraum dabei heraus. Die Umstellung auf ein neues System und der Trainerwechsel von Stan Van Gundy zu Pat Riley treffen "Rocky" wie ein Leberhaken von Mr. T und kosten ihn Rhythmus und Spielzeit.

Doch in dieser Saison hat sich der Swingman zurückgekämpft. "Ich habe ihm gesagt, dass er aggressiver spielen muss. Dann ist er einer der besten Schützen in der NBA", erklärt Dwyane Wade. Und Kapono nutzt die zusätzliche Spielzeit durch die vielen Verletzungen bei den Heat: 9,7 Punkte im Schnitt bedeuten Karrierebestleistung, seine Dreierquote von fast 54 Prozent ist die beste der Liga. Ein echter "Rocky" gibt eben niemals auf.



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