L.A.-Lakers-Star Bryant Der Darth Vader der NBA

Kobe Bryant ruft bei Mitspielern und Fans extreme Reaktionen hervor. Wegen seiner Arroganz auf dem Feld ist er gehasst und wegen seines Könnens gefürchtet. In dieser Saison scheint der Punktesammler endlich seinen Egotrip beendet zu haben.

Von Christian Zdrilic


Das Spiel aus der vergangenen Saison gegen die Toronto Raptors, in dem Kobe Bryant 81 Punkte im Alleingang erzielte, ist bereits jetzt Legende. Nebenbei sind diese 81 Zähler die zweithöchste Punktzahl, die je in einer Partie von einem Spieler erzielt wurden. Der achtfache All-Star hält neben dieser Bestleistung noch einige weitere Rekorde, so auch für die meisten Drei-Punkt-Treffer in einem Spiel. Zwölf Mal zielte er 2003 gegen die Seattle Supersonics von jenseits der Dreierlinie richtig.

Doch trotz der überragenden Statistiken und obwohl der 28-Jährige bereits drei Meisterschaften mit den Los Angeles Lakers gewinnen konnte, ist das Ansehen von Kobe Bryant in der Liga eher schlecht. Ob es die langjährige Fehde mit seinem ehemaligen Teamgefährten Shaquille O'Neal ist, wegen der die NBA das Spiel der Miami Heat gegen die Lakers jedes Jahr auf den quotenträchtigen ersten Weihnachtsfeiertag legt, oder Ringkämpfe mit Raja Bell von den Phoenix Suns in den vergangenen Playoffs - Bryants Art, auf dem Platz herumzustolzieren, bringt viele NBA-Spieler zur Weißglut. Als "Darth Vader" der NBA titulierte ihn ein US-Fernsehkommentator.

Seine Arroganz kann sich der Megastar aber leisten: Bei einer Umfrage unter NBA-Trainern sagten acht von zehn, dass sie im entscheidenden Moment in einem Spiel am liebsten Kobe Bryant für ihr Team auf dem Platz hätten. Ein NBA-Offizieller sagte SPIEGEL ONLINE: "Kobe ist der bei weitem talentierteste Spieler seit Michael Jordan, mit viel Abstand zum Zweitplatzierten."

Bryant wurde in Philadelphia geboren, und zog mit seinen Eltern 1983 nach Italien. Sein Vater Joe "Jellybean" Bryant spielte selbst von 1975 bis 1983 in der NBA und kam nach dem Umzug bei verschiedenen Clubs der ersten italienischen Liga unter. Nach der Rückkehr nach Philadelphia spielte Kobe in der Highschool Basketball, bevor er sich mit 17 dazu entschloss, den Schritt in die NBA zu wagen, ohne vorher das College besucht zu haben. Er wurde 1996 von den Charlotte Hornets an dreizehnter Stelle gedraftet, durch einen Transfer aber sofort weiter zu den Lakers geschickt, bei denen er seitdem spielt.

Im selben Jahr als Bryant gedraftet wurde, kam auch Shaquille O'Neal von den Orlando Magic nach Los Angeles. Mit einem Bryant, der sich als Spieler von Saison zu Saison steigerte, gelang den Lakers zwischen 2000 und 2002 das Kunststück, die NBA-Meisterschaft drei Mal in Folge zu holen. Trotzdem gab es vor allem zwischen Kobe und Shaquille stetig Reibereien: Der Star-Center sah die Lakers als "sein" Team an. Bryant sollte nur die zweite Geige spielen, obwohl er wesentlich zum Erfolg der Meisterschaftsserie beitrug.

Nachdem die Lakers in der Finalserie 2004 von den Detroit Pistons geschlagen wurden, beschlossen die Lakers-Verantwortlichen, auf die Jugend und das Können von Bryant zu setzten, statt auf den alternden O'Neal. Aus den Reibereien wurde eine größere Fehde zwischen den beiden NBA-Stars: Bryant sah sich bestätigt, O'Neal fühlte sich grundlos verjagt. Während des Streits vermied es O'Neal, Bryants Namen auszusprechen, stattdessen erwähnte er in Interviews nur "einer gewisse Person." Im Januar 2006 beendeten die beiden ihren Zwist in aller Öffentlichkeit, als Sie sich vor einem Spiel am Halbkreis umarmten.

Nach O'Neals Weggang von den Lakers war Bryant der unbestrittene Anführer und unterstrich seine Ausnahmestellung durch seine störrische Art, die schwierigsten Würfe zu nehmen, und besser portierte Mitspieler zu ignorieren. Den Höhepunkt seines Egotrips erreichte Bryant im vergangenen Jahr: Mit 35,7 Punkten bei 27,2 Wurfversuchen pro Spiel holte er sich die Trophäe als erfolgreichster Punktesammler der NBA. Während des Sommers wurde Bryant am rechten Knie operiert und erwähnte in einem Interview, dass man mit 28 und zehn Jahren in der NBA nun wohl fast zum alten Eisen gehöre. Sein Team gewann zu allem Überfluss am Anfang der Saison drei Spiele ohne ihn, während vier Spieler im zweistelligen Bereich punkteten und mit 30 Assists pro Spiel ein Auge für ihre Mitspieler bewiesen. Das sind fast zehn mehr als in der vergangenen Saison - mit Bryant auf dem Platz.

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Ob es nun die Verletzung ist, die den Star der Lakers zum Umdenken gebracht hat oder das inspirierte Spiel seiner Kameraden, in jedem Fall hat sich Bryant in dieser Saison verändert. Er nimmt nur noch 19,7 Würfe pro Spiel, erzielt aber noch immer einen Punktedurchschnitt von 28,7. Nicht nur seinen Mitspielern fällt die Veränderung auf. "Man sieht, dass Kobe seinen Mitspielern zutraut etwas auf dem Platz zu bewegen. So etwas kommt, wenn man länger gemeinsam spielt", sagt Avery Johnson, der Trainer der Dallas Mavericks. Der Assistenzcoach der Lakers, Tex Winter, der bereits Michael Jordan trainierte, zieht für SPIEGEL ONLINE hohe Vergleiche: "Was Kobe nun zu tun bereit ist, ist das gleiche was Jordan lernen musste. Michael war zum Teil sogar schlimmer als Bryant, wenn es um den Versuch ging ein Spiel allein zu entscheiden. Als er aber wirklich begriff, dass es ein Teamsport ist, wurden wir viel effektiver. Die gleiche Entwicklung sehe ich nun bei Kobe".

Bryant ist trotzdem noch immer in der Lage, Punkterekorde zu erzielen, wie er in diesem Jahr mit einem 52-Punkte-Match gegen die Utah Jazz - eines der Topteams in dieser Saison - bewies. Trotzdem wird seine Entwicklung als Anführer des Teams entscheiden, wie weit die Lakers von einer Meisterschaft entfernt sind. Wenige Heimspiele und eine Verletzung des zweitwichtigsten Spielers, Lamar Odom, werden zeigen, ob Bryant etwas gelernt hat, oder die vergangenen zwei Monate nur Zufall waren.



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FIVE-Sven, 04.12.2006
1. NBA heute, NBA früher
Hallo, da wir wissen, dass die NBA-Artikel bei Spiegel Online sehr beliebt sind und wir mehr Feedback von unseren Lesern haben möchten, werde ich in Zukunft bei meinen Artikeln, die im Forum besprochen werden, auch selber antworten. Ich würde mich freuen über Fragen, Kritik, Lob und vor allem über eigene Ansichten zum Thema. Bei diesem Artikel ist es aber vielleicht am besten, wenn wir erstmal den zweiten Teil morgen abwarten, bevor wir uns in die Diskussion stürzen. Schönen Montag, wünscht der Sven PS: Für mehr Infos über die FIVE: www.fivemag.de
Flori Nowitzki, 04.12.2006
2.
Also meiner Meinung nach ist die NBA immer noch die stärkste Liga. Das liegt allerdings nur noch an den starken Individualisten, der bessere Teambasketball wird mittlerweile in Europa gespielt. Große Teams wie die Celtics (80er) oder die Bulls (9oer) findet man heute nicht mehr. Das Auf und ab eines Teams hängt oft nur von der Verfassung des Stars ab. Man merkt allerdings auch hier, dass die neuen Stras nicht mehr so komplette Spieler sind wie die 'alten hasen' Bryant, Duncan, Nowitzki, Carter oder Iverson. LeBron oder Dwayne können Spiele zwar entscheiden, leben hier aber meist rein von der Athletik, es fehlen die Variantenreiche. Zug zum Korb reicht heute nicht mehr aus, auch Sprungwürfe und die Defense müssen stimmen. Und da haben die noch Jungen, 'neuen' Stars Defizite aufzuarbeiten, Gleichzeitig liegt es an den Managern, Teams aufzubauen, die einen schlechten Tag ihres Superstars auffangen können. Die Mavericks und die Spurs kommen diesem Status noch am nächsten, allerdings fehlt auch hier die letzte Stufe zum Ausnahmeteam. Das klingt mal wieder so nach 'Früher war alles besser', aber das war es leider auch. Es wird Zeit, dass man reagiert.
Chrisb, 04.12.2006
3.
Die goldene Ära der NBA aus den 80ern und 90ern ist wohl wirklich erstmal vorbei. Michael Jordan ist zwar auch für mich der beste Spieler aller Zeiten, er hat jedoch eine Entwicklung in Gang gebracht, die, obwohl er das natürlich selbst nicht gewollt hat, eher ungesund für die Liga war. Hier nenne ich zwei Stichpunkte: zunehmende Kommerzialisierung sowie zunehmende Individualisierung des Spieles. Nicht umsonst ist die College-Liga in den USA beliebter, weil es hier noch um das Spiel selbst bzw. die Ehre der Mannschaft geht und wesentlich mehr als Teamsport verstanden wird. In der NBA stehen dagegen die individuellen Statistiken und die fetten Verträge im Vordergrund.
Subtuppel 04.12.2006
4.
Schaut man sich heutige NBA-Spiele an, wenn man damals noch die wirklich großen Spieler gesehen hat, wird einem tatsächlich etwas wehmütig zumute. Damals wurde tatsächlich noch Teambasketball gespielt und auch die Topstars stellten sich eher in den Dienst der Mannschaft und nicht umgekehrt. Einen Teil des Verfalls erkläre ich mir allerdings zum Teil auch einfach dadurch, dass es heute einfach keine vernünftigen Pointguards mehr gibt, da halt wesentlich mehr Augenmerk darauf gelegt wird, dass man fünf Meter hoch springen kann und den Ball wie blöd in der Korb wemsen kann. Abgesehen von Nash, Kidd und vllt. Chris Paul gibt es aber keinen mehr, der ein Spiel zumindest an guten Tagen wirklich von Anfang bis Ende kontrollieren kann, ohne dafür 50 Punkte machen zu müssen. Beim Fehlen solcher Leute ist es ja nicht verwunderlich, dass man kein durchgängig niveauvolles Pass-Spiel mehr zu sehen bekommt. Als Resultat davon hat man dann mit Dallas eine Mannschaft im Finale, die bei über 100 Punkten im Schnitt auf knappe 17 Assists kommt ... bäh ;)
mölf, 04.12.2006
5.
ich bin zwar nicht mehr so sehr in dem aktuellen geschehen der nba involviert, aber vielleicht macht das ja meinen beitrag interessant. hier ein paar aspekte warum mich die nba nicht mehr so sehr interessiert/warum ich mich mit keinem nba team identifizieren kann: - diese genzen tauschwirtschaft in denen clubs mehrere spieler tauschen.. würden sich fußballfans nicht verarscht fühlen, wenn je eine handvoll dortmund und schalke profis von einem zum anderen lager wechseln würden.. - das im ersten punkt erwähntes wird meines wissens zwar nicht mit den richtigen topspielern praktiziert, jedoch was bringt es wenn die timberwolves zwar kevin garnett als sympathieträger halten, aber dank seines gehaltes kein konkurrenzfähiges team um ihn aufbauen können. bei den bulls verzichteten spieler wie pippen auf jede menge gehalt um mit dem team was zu reißen. - ein weiterer punkt ist meiner meinung der charakterzug der derzeitigen spielergeneration. anders als bei unserem dirk steht für spieler die es in das rampenlicht geschafft haben nicht im vordergrund sich durch hartes training zu verbessern sondern den gangsta raushängen zu lassen. ich kann als sportler allerdings verstehen, dass man bei einem derartigen mammutprogramm mit mehreren spielen in der woche schnell die lust verliert in der spielfreien zeit hart an seinen fähigkeiten zu arbeiten.
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