Legendäre NBA-Finals Ein Bein, sechs Ringe

Unter NBA-Kennern ist noch heute umstritten, welche Endspielserie nun die spektakulärste war. Große Namen gibt es auch zum Abschluss unser Serie. In den Hauptrollen: Michael Jordan, Magic Johnson und ein Spieler, der große Probleme mit seinen Extremitäten hatte.
Von Sven Simon

5. Platz - Dr. Js Move (1980)
Wenn für diesen Move anlässlich eines Vergleiches Anleihen aus der Geschichte gesucht werden sollten, wäre der erste Transantlantikflug von Charles Lindbergh die angemessene Wahl. Im Schlussviertel des vierten Spiels der Philadelphia 76ers gegen die Lakers beschenkte Julius Erving die Basketballwelt mit seiner schönsten Flugstunde. Auf der rechten Baseline zog er an seinem Verteidiger Mark Landsberger vorbei, hob ab und sah sich in der Luft mit dem aushelfenden Kareem Abdul-Jabbar konfrontiert. Wie der "Doktor" den Ball am ausgestreckten rechten Arm hinter dem Brett herzog, an Abdul-Jabbar vorbeiflog und auf der anderen Seite des Korbes mit viel Spin rückwärts vollendete, hätte selbst Isaac Newton in Erklärungsnot gebracht. Selbst die Sixers-Fans brauchten einen Augenblick Stille, damit das Hirn verstand, was das Auge gerade sah. "Magic" Johnson nannte es "den besten Move, den ich jemals gesehen habe".

4. Platz - Jordans Dreierregen (1992)
Vor dem ersten Spiel entschieden die Portland Trail Blazers, dass es besser sei, Michael "MJ" Jordan (der nicht als Distanzschütze bekannt war) Platz zum Wurf zu geben, um seine Drives zu verhindern. Dessen Antwort: sechs Dreier und 35 Punkte in der ersten Hälfte. Beides Finalrekorde bis heute. Jordans Kommentar: "Ich konnte nicht daneben werfen. Die Dreier fühlten sich an wie Freiwürfe, sie fielen und fielen. Was soll ich sagen? Ich kann es nicht erklären."

3. Platz - Auf einem Bein (1988)
Detroits Isiah Thomas hatte bereits 14 Punkte im dritten Viertel des sechsten Spiels aufgelegt. Dann knickte er um. Thomas wurde vom Court getragen, humpelte aber nach 35 Sekunden wieder aufs Feld. Ein paar historische Minuten später hatte er mit nur einem belastbaren Fuß den dritten Spielabschnitt mit dem bis heute gültigen Rekord von 25 Zählern beendet und dabei elf seiner 13 Würfe getroffen. "Ich will diese Meisterschaft", wimmerte Thomas, als er behandelt wurde, "ich bezahle jeden Preis dafür." Zwar verloren die Pistons das sechste Spiel und zwei Tage später die Serie gegen die Lakers, aber Thomas' Bilanz ist unvergessen: ein angeschwollener Knöchel, ein verletzter Finger, eine Beule am Kopf, ein blutender Kratzer unter dem Auge, 43 Punkte, acht Assists, sechs Steals und landesweiter Respekt. In den folgenden Jahren bekam er seine zwei Ringe.

2. Platz - Magic als Center (1980)
"Magic" Johnson war neu in der Liga. Und er stand im Finale. Aber mit Kareem Abdul-Jabbar war das Zentralgestirn der Lakers für das sechste Spiel in Philadelphia wegen einer Knöchelverletzung ausgefallen. Und Coach Paul Westhead eröffnete dem Guard, dass er für Kareem Center spielen solle. "Magic" setzte sich im Flieger demonstrativ auf Jabbars angestammten Platz, legte sich – wie der Altmeister es immer tat – eine Decke über den Kopf und schlief. Ein großer Schachzug, aber seine verunsicherten Mitspieler beruhigte er damit nicht wirklich. Als er zum Sprungball antrat, wollten es die 76ers erst gar nicht glauben. Gute zwei Stunden später hatte der Rookie 42 Punkte, 15 Rebounds, sieben Assists, drei Steals und einen Block abgeliefert. Der erste von fünf Titeln für die Showtime-Lakers in den Achtzigern. "Kareem, wir wissen, dass du mit Schmerzen zu Hause sitzt", grüßte Finals-MVP "Magic" danach im TV-Interview seinen Kapitän und Saison-MVP, "aber, Big Fella, wir wollen, dass du nun aufstehst und ein bisschen tanzt."

1. Platz - Der sechste Ring (1998)
Als hätte es vorher ein Drehbuch gegeben, um das letzte Spiel von Michael Jordan für die Bulls perfekt zu choreographieren. "Das war die beste Leistung in einer kritischen Phase eines wichtigen Spiels, die ich jemals gesehen habe", sagte Bulls-Coach Phil Jackson später. Chicago liegt im sechsten Spiel 37 Sekunden vor Spielende 83:86 zurück. "MJ" bringt die Bulls per Korbleger heran und schlägt im folgenden Angriff Utahs Karl Malone von hinten den Ball aus der Hand. Jeder wusste, was kommen würde. Zu oft hatte die Welt gesehen, wie Jordan mit dem letzten Wurf ein Spiel gewann. Ein Drive, ein Handwechsel, ein Schubser gegen Verteidiger Byron Russell, ein Jumper, eine Hand, die stehen gelassen wird, ein Ball, der durchs Netz fällt. Mit seinem letzten Wurf für die Bulls holt Jordan seinen sechsten Titel und geht endgültig als einer der größten Sieger in die Sportgeschichte ein.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.