NBA-Aufsteiger Harris Entfesselt im Exil

In Dallas verschmäht, bei den Nets der Heilsbringer und All Star: Devin Harris überrascht in der NBA mit einer starken Saison. Vor allem gegen seinen Ex-Club legt sich der Guard besonders ins Zeug - und ärgert damit Mavs-Besitzer Cuban. "5IVE"-Autor Jens Möller stellt den 25-Jährigen vor.


Mark Cuban hat gerne Recht. Der Besitzer der Dallas Mavericks nimmt lieber einen 500.000 US-Dollar teuren Denkzettel der NBA in Kauf, als aufzuhören, den Schiedsrichtern und Ligaverantwortlichen in schöner Regelmäßigkeit und Lautstärke die Meinung zu geigen. Er weiß es immer besser. So wie kürzlich, als der Mavs-Boss den Tausch von Jason Kidd und Devin Harris als eine "Win-Win-Situation" für Dallas und New Jersey bezeichnete. Für derartige Realitätsverzerrung sollte es eigentlich auch mal eine ordentliche Strafe geben.

Nets-Guard Harris (mit Ball): Durchbruch in New Jersey
AP

Nets-Guard Harris (mit Ball): Durchbruch in New Jersey

Diese folgte prompt einige Tage später. Die Mavericks holten sich bei den Nets eine 91:127-Demütigung ab. Harris erzielte gegen seinem Ex-Club 41 Punkte und machte mit Gegenspieler Kidd, was er wollte. Kurz vor Spielende durfte sich der Mavs-Besitzer minutenlange "Thank you, Cuban!"-Sprechchöre aus dem Publikum anhören. "Jeder in New Jersey denkt, er sei ein General Manager", sagte Cuban anschließend sichtlich genervt. "Wenn man sich nicht für das eigene Team interessiert, redet man eben über den Gegner."

Damit lag Cuban natürlich daneben, denn über nichts reden die Sportfans in New Jersey derzeit lieber als über die wundersame Auferstehung ihrer Nets. Das Team mischt im Kampf um die Playoff-Plätze munter mit. Damit hatte kaum jemand gerechnet, auch wenn Harris vor der Saison mutig das Ziel Postseason ausgab. Dass der Low-Budget-Kader keine sparsamen Ergebnisse einfährt, liegt vor allem an ihm.

Ergebnisse NBA

Toronto - Orlando 113:90
Clevel. - Detroit 90:80
Boston - Minnes. 109:101
Sacram. - Oklaho. 122:118
41 Punkte gegen die Mavericks, sogar 47 Zähler beim Sieg gegen die Phoenix Suns – Karrierebestleistung. Dies sind keine Ausnahmen, eher Höhepunkte einer steigenden Fieberkurve, die New Jersey erfasst hat. Bis zum Jahreswechsel knackte der Point Guard acht Mal die 30-Punkte-Marke. Mit 23,6 Zählern pro Partie liegt der Ex-Maverick auf Rang sieben in der NBA – Topwert unter den Point Guards der Liga. Für Experten wie ESPN-Statistikguru John Hollinger ist die Frage nach dem "Most Improved Player", also dem am meisten verbesserten Spieler, praktisch schon beantwortet.

"Er legt da draußen nicht nur starke Zahlen auf, er bringt den Ball auch in die Hände der anderen Jungs", lobt Teamkollege Vince Carter. Im Schnitt 6,4 Vorlagen verteilt Harris pro Spiel – ebenfalls eine Karrierebestmarke und Rang elf in der Liga.

Einen Anführer hatten die Mavericks in Harris nie gesehen. "Devin ist zwar ein guter Aufbau, wird aber nie ein Teamleader sein", sagte Dirk Nowitzki einmal über den Ex-Teamkollegen. Als im Frühjahr 2008 der Mavs-Motor gewaltig stotterte, suchte das Management nach einer Antwort. Sie lautete Jason Kidd, zu dem Zeitpunkt bereits reife 34 Jahre alt und die personifizierte Erfahrung in Sachen Spielleitung. Die Nets verlangten im Gegenzug das eigentlich immer als unverkäuflich geltende Talent der Mavericks: Devin Harris.

Der Trade wurde zur Sensation: Kidd spielte wieder bei dem Team, das ihn anno 1994 draftete. Harris dagegen fand sich in die Tiefen der Eastern Conference wieder. Er zog in das alte Appartement von Kidd im Stadtviertel Edgewater. "So ist eben das Geschäft", sagte er achselzuckend zu Reportern. Auch nachdem der Abgeschobene den Mavericks beim Wiedersehen allein in der ersten Halbzeit 26 Punkte eingeschenkt hatte, zeigte Harris keine Häme. Er schleuderte den Mavs und Mark Cuban kein "Ich hab's euch doch gesagt" entgegen.

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Als Harris im Sommer 2004 von der University of Wisconsin zu den Mavericks kam, war Avery Johnson gerade zum Headcoach ernannt worden. Für ihn gibt es nur eine Wahrheit: seine. Die Trainingseinheiten der Mavericks wurden zu Drills, Widerworte waren unerwünscht. "Es ging schon sehr militärisch zu", erinnert sich Dirk Nowitzki.

Vor allem der junge Harris stand ständig im Fokus des Disziplinfanatikers Johnson. "Er dachte, er müsste Devin alles von vorne beibringen", so Nowitzki. Im Training stoppte der Coach jedes Mal das Spiel, wenn der Point Guard seiner Meinung nach eine falsche Entscheidung getroffen hatte. "In den ersten ein oder zwei Jahren sind wir häufig aneinandergeraten", sagte Harris. "Ich denke, er war härter zu mir, als er hätte sein müssen." Trotzdem entwickelte sich etwas, das Harris später "eine Art Vater-Sohn-Beziehung" nennt. Zu Beginn der Saison 07/08 lockerte Johnson probeweise die Zügel. Nach dem blamablen Erstrunden-Aus in den Playoffs gegen die Golden State Warriors musste er seinen Führungsstil überdenken. Doch schon nach 20 Spielen nahm der Headcoach seinen Ziehsohn wieder an die Kandare. Dem Mavs-Spiel half es wenig: Johnsons Kasernenhofton hatte sich abgenutzt.

Als der Kidd-Harris-Tausch schließlich feststand, sahen die Medien in Johnson den Trade-Initiator. Doch dieser bestritt später, Harris geopfert zu haben. "Ich habe so viel Zeit in ihn investiert", sagte Johnson. Aber er war es, der für sein System einen passenden Spielmacher verlangte. Und er war nicht bereit, das System seinen Spielern anzupassen. Nach dem erneuten Erstrunden-Aus – diesmal gegen New Orleans – wurde Johnson gefeuert.



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Frankenfan, 29.10.2008
1. Meine Prognose
LA Lakers. Für Dirk Nowitzki wird es leider mit seinen Maverick wieder nichts zu holen geben. Wenn er wirklich einmal den Meisterschaftsring tragen will muss er entweder zu den Lakers oder nach San Antonio gehen. Bei diesen Mannschaften hat nach meinem Gefühl die besten Chancen in den nächsten drei bis vier Jahren auch einmal die Meisterschaft zu gewinnen. Dallas wird dieses Jahr sogar Probleme bekommen die Play Offs zu erreichen.
arber-shputa 29.10.2008
2.
Zitat von sysopKönnen die Boston Celtics in der Spielzeit 2008/09 den Titel verteidigen? Wie weit kommen die Los Angeles Lakers, welche Chance haben Dirk Nowotzki und seine Dallas Mavericks und welches Team wird die Überraschung der Saison?
New Orleans Hornets sahen in den letzten Play-Off's ziemlich gut aus. Und Chris Paul ist bestimmt auch nciht schlechter geworden. Dallas ist unberechenbar. Denen traue ich alles zu . Vom Titelgewinn bis Nicht-Qualifizierung für die Play-Off's. Den Osten wird wohl wider Boston gewinnen. Die reguläre Saison und die Play-Off's.
Subtuppel 30.10.2008
3. Re
Die Lakers sehen wirklich stark aus dieses Jahr, wenn Bynum fit bleibt könnte es was werden. Der Sieg heute nacht war jedenfalls recht eindrucksvoll. Ich tippe auf das gleiche Finale wie in der letzten Saison, nur diesmal nicht mit Boston als deutlichem Favoriten. Eine Prognose zu Dallas kann man wohl erst nach ein paar Spielen abgeben, wenn der neue Trainer es schafft, Systeme auszubauen in denen die Stärken von Kidd ausgespielt werden können, sind die Playoffs jedenfalls locker drin.
bik, 31.10.2008
4. New Orleans
Mein Tip: New Orleans. Ich finde, es ist die einzige Mannschaft, die vier überragende Spieler in der Anfangsformation hat. Und anscheinend können die auch miteinander.
Flolli, 06.11.2008
5.
Zitat von bikMein Tip: New Orleans. Ich finde, es ist die einzige Mannschaft, die vier überragende Spieler in der Anfangsformation hat. Und anscheinend können die auch miteinander.
4 überragende Spieler? Und wer sollen die sein? Ich denke eher die Mannschaft lebt von EINEM Superstar, CP3, und einer ansonsten sehr soliden, aber keinesfalls überragenden Mannschaft. Die Mannschaft hat keinen wirklichen Schwachpunkt, das macht sie so gut. Aber letztendlich werden sich doch die Lakers im Westen durchsetzen. Warum? Weil Kobe überragend ist, und sie im Frontcourt einfach variabler als alle anderen Mannschaften sind mit Gasol/Bynum/Odom. Dazu kommt ein super erfahrener Trainer Phil Jackson, eine ordentliche Bank und die Motivation, es Boston zurückzuzahlen. Deswegen denke ich auch, dass sie in den Finals gegen eben jene Celtics gewinnen werden. Dirk und seine Mavs werden eine Nebenrolle spielen, wie letztes Jahr schon. Ich sehe einfach zu wenig Potenzial in dieser Mannschaft und für Dirk tut es mir wirklich leid. Da wurde auf Teufel komm raus versucht, irgendwie brauchbare Spieler zusammenzuwürfeln, statt eine klare Linie zu fahren. Und die Zukunft gehört sowieso anderen Teams.
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