NBA-Finale Die Stars im Schatten ihrer Vorgänger

Lakers gegen Celtics: Kein Duell der NBA-Geschichte hat mehr Menschen fasziniert, Legenden begründet und nachfolgende Generationen inspiriert. Auch die Superstars im Finale 2008 schauen heute noch voller Ehrfurcht zurück. SPIEGEL ONLINE erinnert an eine große Rivalität.


"Geh nicht zu nahe an den Fernseher", hörte er die Mutter noch sagen, "er wird dir die Augen ruinieren". Doch der junge Basketballfan, kaum älter als zehn Jahre alt, war schon versunken - im Grün und Gelb des flimmernden TV-Schirms, der ihm das Paradies zeigte. Boston Celtics gegen die Los Angeles Lakers, Ende der achtziger Jahre, als die Erinnerung an die großen Duelle der beiden erfolgreichsten Team der NBA-Geschichte noch jung war. Als niemand wusste, dass es gut 20 Jahre dauern würde, bis dieses Kapitel seine Fortsetzung finden würde. Auch der Junge vor dem Fernseher konnte nicht ahnen, dass er 20 Jahre später einen großen Anteil an der Fortschreibung haben würde, wenn ab dem heutigen Donnerstag der Meister der diesjährigen NBA-Saison in eben diesem legendären Duell gesucht wird. "Ich erinnere mich, als wäre es gestern", sagt Celtics-Forward Kevin Garnett heute, "es war immer sonntags, ich saß mit einem großen Teller ganz dicht vor dem Fernseher und schaute mir die Spiele zwischen den Celtics und den Lakers an".

Garnett ist heute 32 Jahre alt, er hat viele Spielzeiten damit verbracht, ein mittelmäßiges Team (Minnesota Timberwolves) so stark zu machen, dass es manchmal für die Playoffs reichte - für mehr aber auch nicht. Zu Anfang dieser Saison wechselte er nach Boston, wo er zusammen mit Shooting Guard Ray Allen das maximal mittelmäßige Team der Celtics um den Forward Paul Pierce zu Spitzenleistungen trieb und in das Finale gegen die Lakers führte - und damit zur prestigeträchtigsten Konstellation, die die NBA zu bieten hat, vielleicht sogar der gesamte amerikanische Sport. Höchstens das Duell Boston Red Sox gegen New York Yankees im Baseball reicht da heran.

Zehn Mal gab es bislang ein NBA-Endspiel Celtics gegen Lakers. In den sechziger Jahren dominierte Boston und bezwang bei seinen insgesamt neun Finalsiegen die Lakers allein sieben Mal. Knapp 20 Jahre später holte sich Los Angeles nach einer weiteren Niederlage (1984) seine einzigen zwei Erfolge in den bislang letzten Finalduellen mit den Celtics (1985,1987). 30 Meisterschaften (16 Boston, 14 Los Angeles - davon fünf als Minnesota Lakers bis 1959) teilen sich beide Teams untereinander auf, kein anderes NBA-Team kann da mithalten.

Auch das Fanpotential der Finalisten ist konkurrenzlos in der NBA. Im vergangenen Jahr interessierte das Finale zwischen den San Antonio Spurs und den Cleveland Cavaliers (4:0) nur am Rande, zu wenig Geschichte und Glamour versprühte dieses Duell. In diesem Jahr hat NBA-Chef David Stern, dem das finanzielle Befinden der Liga sehr am Herzen liegt, sein Traumfinale bekommen. 21 Jahre ist das letzte Duell Lakers gegen Celtics mittlerweile her - viel Zeit für die nötige Glorifizierung.

Celtics gegen Lakers ist das Duell der NBA. Eine Legende, begründet von Spielern wie Bill Russell (Boston Celtics) und Wilt Chamberlain (Los Angeles Lakers) - Centern, stilbildend unter dem Brett, deren Zahlen bis heute unerreicht sind. Nur Russel und Chamberlain holten in einem Spiel jeweils über 50 Rebounds.

Oder Bob Cousy. Der Spielmacher führte die Celtics zu sechs NBA-Titeln, seine Fähigkeiten im Umgang mit dem Ball revolutionierten damals das Point-Guard-Spiel. "Houdini of the Hardwood (Bodenbelag in der Halle, Anm.)" wurde Cousy nach dem berühmten Zauberer genannt und war damit ein direkter Vorgänger von Earvin "Magic" Johnson, der mit den Lakers zwischen 1979 und 1991 fünf NBA-Titel gewann - zwei davon eben gegen die Celtics um Center Robert Parish und Forward Larry Bird.

Mit dem Finale 1987 gegen die Lakers endete die grüne Dynastie, die sich auf den Erfolgen in den fünfziger und sechziger Jahren begründete, endgültig. Noch 2007 dümpelten die Celtics im unteren Drittel der Tabelle umher.

Die Finals im Überblick

1959 Celtics Lakers 4:0
1962 Celtics Lakers 4:3
1963 Celtics Lakers 4:2
1965 Celtics Lakers 4:1
1966 Celtics Lakers 4:3
1968 Celtics Lakers 4:2
1969 Celtics Lakers 4:3
1984 Celtics Lakers 4:3
1985 Celtics Lakers 2:4
1987 Celtics Lakers 2:4
2008 Celtics Lakers 4:2
Dann kam Garnett und nun ist die 17. Meisterschaft nach 24 Jahren ohne Titel wieder sehr nahe. Zwischen den Celtics und der Krone stehen nur noch die Lakers um Kobe Bryant. Der Superstar, bislang dreimaliger NBA-Champion, ist 29 und ist mit den Lakers eher in der Lage, das zu erreichen, was Garnett mit den Celtics garantiert nicht mehr hinbekommen dürfte - eine neue Dynastie begründen. Die "drei Großen" der Celtics (benannt nach den "Big Three" Bird, Robert Parish, Kevin McHale) - Garnett, 32, Allen, 32, und Pierce, 30 - haben den Großteil ihrer Karriere hinter sich. Vielleicht ist dieses Finale bereits ihre letzte Chance.

Und ausgerechnet bei dieser geht es für Pierce, seit zehn Jahren bei den Celtics, gegen die Lakers - "seine" Lakers. Geboren in Oakland, Kalifornien, aufgewachsen nur wenige Minuten vom Forum entfernt, der alten Spielstätte der Lakers, ist Pierce immer noch ein Fan des Endspielgegners. "Ich bin mit den Lakers und den Celtics groß geworden. Jetzt spiele ich in Boston und stehe im Finale gegen die Lakers", sagt Pierce. "Irgendwie ist das ironisch - als Kind habe ich die Celtics gehasst."



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.