NBA-Finale Nowitzkis Traum ist geplatzt

Dirk Nowitzki und seine Dallas Mavericks müssen weiter auf ihren ersten Titel in der NBA warten. Die Miami Heat gewannen das sechste Spiel der Finalserie in Dallas und holten sich erstmals in ihrer Vereinsgeschichte die Meisterschaft.


Hamburg - Dirk Nowitzki saß nach der Schlusssirene geknickt in der Kabine der Mavericks und schüttelte immer wieder den Kopf, während in der Halle die Spieler aus Miami die Meisterschaft feierten. "Zweiter zu werden tut verdammt weh", sagte er nach dem 92:95 gegen Miami, "wir haben acht, neun Monate alles gegeben und gehen jetzt frustriert nach Hause. Das ist verdammt schwer zu verdauen."

Zehn Jahre nach der Niederlage von Detlef Schrempf mit den Seattle Supersonics gegen die Chicago Bulls schaffte es auch der zweite Deutsche in den NBA-Finals nicht, den Meisterschaftsring zu gewinnen. Nowitzki präsentierte sich nach zuletzt schwächeren Leistungen wieder in starker Form und erzielte 29 Punkte und 15 Rebounds, das reichte aber nicht, um seine Mavericks vor heimischem Publikum zum Sieg zu führen.

Dabei begann Dallas stark, führte schnell mit 26:12, aber Miami fand ebenso schnell wieder ins Spiel zurück. Schon zur Pause stand es 49:48 für Miami. Als die Heat 26 Sekunden vor Schluss mit 93:90 führten, sollte Nowitzki die Wende bringen. Statt für einen Wurf entschied sich der Deutsche für einen Pass, der Erick Dampier aber aus den Händen rutschte. Dwyane Wade verwandelte anschließend zwei Freiwürfe, die zwei Punkte von Josh Howard waren nur noch Ergebniskosmetik.

Miami gelang der einzige Auswärtssieg der Serie und damit der 4:2-Erfolg. Bester Werfer beim neuen Champion war erneut Dwyane Wade, der 36 Punkte erzielte und zum wertvollsten Spieler der Playoffs gewählt wurde. "Wir haben immer an uns geglaubt, das war der Schlüssel zum Erfolg", sagte Wade.

Die Heat sind nach den Boston Celtics 1969 und den Portland Trailblazers 1977 erst das dritte Team der NBA-Geschichte, das nach einem 0:2-Rückstand in den Finals noch den Titel holte.

Miamis Coach Pat Riley holte vor 18 Jahren seinen letzten NBA-Titel. Damals triumphierte er mit den Los Angeles Lakers, als die Miami Heat noch ihre erste Saison in der Liga spielten. Für Riley war es insgesamt der fünfte Titel. "Wir waren einfach dafür. Es war unsere Zeit", sagte Riley.

Star-Center Shaquille O'Neal durfte sich nach drei Titeln mit den Lakers zum ersten Mal mit Miami die Siegeszigarren rauchen. Freuen durften sich auch die Haudegen Alonzo Mourning (36) und Gary Payton (37), die ihre langjährigen Karrieren mit der ersten Meisterschaft krönten.

In einer spannenden Finalserie blieb für viele Beobachter Spiel drei der Knackpunkt. Damals sahen die Mavericks schon wie der sichere Sieger aus, gaben die Partie aber doch noch aus der Hand und brachten Miami damit zurück in die Serie. "Das war die entscheidende Niederlage", sagte Nowitzki, "danach hatten sie viel Selbstvertrauen."

Die Defensive gewinnt die Meisterschaften, heißt eine Basketball-Weisheit, und diese galt auch in diesem Jahr. Keinem Team gelangen in der regulären Spielzeit der Finalserie 100 oder mehr Punkte. Sogar in Spiel fünf, das Miami in eigener Halle nach Verlängerung 101:100 gewann, wurde diese Marke nur knapp übertroffen. Nach der Partie war Mavericks-Besitzer Mark Cuban auf das Spielfeld gestürmt und hatte die Schiedsrichter beschimpft. Die NBA verordnete eine Geldstrafe von 250.000 Dollar.

Mavericks-Coach Avery Johnson blickte trotz des verpassten Titelgewinns schon in die nächste Saison: "Wir werden wiederkommen, besser und reifer", so Johnson, "ich habe ihnen gesagt, wie stolz ich auf sie bin. Ich liebe meine Jungs - egal ob Meister oder Vizemeister."

bri/dpa/sid



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