NBA-Finals Hollywood gegen hungrige Meute

Es ist das Spiel Favorit gegen Underdog, Hollywood gegen Arbeiterstadt, Superstars gegen hungrige Meute: In der Nacht von Sonntag auf Montag treffen die Los Angeles Lakers im ersten NBA-Finale auf die Detroit Pistons.


Gestatten, Offensivlawine: Lakers-Center Shaquille O'Neal
REUTERS

Gestatten, Offensivlawine: Lakers-Center Shaquille O'Neal

Los Angeles - Wenn die Lakers am Sonntag im heimischen Staples Center die "best of seven"-Serie gegen die Detroit Pistons eröffnen, ist der vierte Titel in den letzten fünf Jahren eigentlich nur Formsache. Das exzentrische Hollywood gegen die biedere Arbeiterstadt, hochbezahlte Superstars gegen eine hungrige Meute junger Nobodies, die Lakers-Offensivlawine gegen Detroits "Betonmischer" - wie man es auch dreht und wendet, am Ende aller Vergleiche hat der kalifornische 5:1-Favorit deutlich die Nase vorn.

Und das trotz einer verheerenden Saison, nach der sich der Titelfavorit nur dank eines gewaltigen Endspurts in die Playoffs rettete. Verletzungspech, das Medienspektakel um den wegen Vergewaltigung angeklagten Kobe Bryant und die für den Verein typischen Grabenkämpfe hatten die Konkurrenz kurzzeitig vom Machtwechsel im US-Basketball träumen lassen. Doch wie schon so oft war der Rekordmeister in den Playoffs auf die Sekunde topfit.

Fragezeichen hinter der Dynastie

"Das zeichnet eben einen echten Champion aus. Wir sind viel zu erfahren, als dass wir uns von Detroit noch den Titel wegschnappen lassen," kündigte Center Shaquille O'Neal die Fortsetzung der Lakers-Dynastie an, hinter der nach jüngsten Entwicklungen zumindest ein großes Fragezeichen steht.

Der mit "Shaq" im Dauerclinch liegende Bryant bestätigte vergangene Woche seine Abwanderungsgelüste und für Trainer-Guru Phil Jackson, der seinen zehnten Titel und damit den NBA-Rekord anstrebt, könnte das Finale zur Abschiedsvorstellung werden. Sein Gehaltswunsch von 14 Millionen Dollar pro Jahr stieß beim Lakers-Management bisher auf taube Ohren.

Die Augen werden sich in den Endspielen auch auf zwei andere Spieler richten: Gary Payton und Karl Malone. Die beiden waren vor der Saison nach Kalifornien gewechselt, um endlich ihren ersten "Championship-Ring" zu gewinnen. Für ihr großes Ziel haben Malone, der bei den Utah Jazz 18 Jahre lang vergeblich einem Titel hinterherlief, und Spielmacher Payton (11 Jahre in Seattle) auf viel Geld verzichtet.

In den Playoffs zeigte sich, wie wichtig besonders Malone für die Lakers ist. Der 40-Jährige, der in der regulären Saison lange verletzt war, kam rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase wieder in Form und gilt - auch wegen seiner diplomatischen Art und seinem hohen Ansehen bei Jackson - mittlerweile als heimlicher Chef. Malone stand mit den Utah Jazz zweimal im Endspiel. 1998 und 1999 schied er - wie Gary Payton mit den Sonics 1996 - gegen die Chicago Bulls aus. Die Ironie ist, dass er jetzt für den Trainer spielt, an dem er damals scheiterte: Phil Jackson.

"Die Lakers sind satt und wir sind heiß"

Im Lager der Pistons schaut man vor der dritten Auflage des Endspiels (nach 1988 und 1989) den bereits begonnenen Planungen der Lakers-Meisterfeier eher belustigt zu. "Die Lakers sind satt und wir sind heiß", so "Bad Boy" Rasheed Wallace. Der 2,06 Meter große Power-Forward ist besonders motviert. Dreimal, damals noch mit Portland - ist er in den Playoffs schon an den Lakers gescheitert. Jetzt bildet er gemeinsam mit seinem Namensvetter - Center Ben Wallace -das Herzstück der äußerst schnellen und wendigen Pistons-Verteidigung.

Herzstück der Verteidigung: Detroits Ben Wallace
DPA

Herzstück der Verteidigung: Detroits Ben Wallace

Schon im Halbfinale gegen die Indiana Pacers - immerhin das beste NBA-Team der regulären Saison - hatte Detroit dem Gegner nur durchschnittlich 72,6 Punkte erlaubt. Wie man aber speziell unter dem Korb der körperlichen Überlegenheit eines Shaquille O'Neal begegnen will, konnte auch Wallace nicht erklären.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger setzt natürlich auf die Lakers. Sollte das Starensemble den Titel in nur fünf Spielen perfekt machen, wird er seiner Amtskollegin Jennifer Granholm aus Michigan ein komplettes kalifornisches Menü mit Wein, Spargel, Erdbeeren und speziellem Fast Food spendieren. Essen muss Granholm allerdings im Lakers-Trikot. Sollten die Pistons gewinnen, ist umgekehrt für Schwarzenegger - im Pistons-Dress - deftigere Kost aus Michigan angesagt.

Wenn es nach den Buchmachern geht, sieht es schlecht aus für Frau Granholm: Gewinnt Los Angeles in nur fünf Spielen die 10. Meisterschaft, gibt es für einen Dollar Einsatz magere 1,20 zurück.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.