NBA-Playoff-Ausblick Weiße Jungs bringen's nicht

Das Gerangel um die Playoffplätze in der NBA ist fast vorbei. Nun geht sie endlich los, die Postseason. Gerhard Spörl kann es kaum erwarten. Schließlich ist er fest davon überzeugt, dass Dirk Nowitzki seinen Playoff-Fluch in diesem Jahr endgültig besiegen wird.

Ich gebe zu: Allen Ezail Iverson gehört nicht zu meinen Lieblingsspielern. Ja, ja, schon gut, er ist unglaublich schnell, er springt ziemlich hoch, was er mit seinen 1,83 Metern auch muss, um über die großen Jungs hinweg zu werfen, er ist sehr treffsicher und immer noch hungrig. Aber für mich ist er einfach zu viel Ghetto: diese Klamotten, diese Tatoos, diese Ringe, diese Ketten, dieser Sound.

Da sind sie immer dabei, die Schattenseiten der NBA, die zwangsläufig dazu gehören, wenn solche Jungs zu früh zuviel Geld in die Hand bekommen und durchdrehen. Da bildet sich ganz schnell ein Kometenschweif aus Freunden und Verwandten, der die Jungs so bewundert, wie sie bewundert werden wollen, und so unterhält, wie sie unterhalten werden wollen. Gemeinsam ziehen sie durch die Clubs und Bars. Die Groupies hängen sich an, Waffen gehören zur Grundausstattung. Iverson ist ein besonders hübsches Beispiel dafür, dass einer wie er das Ghetto verlässt, aber nicht das Ghetto ihn.

Vielleicht hat mich das am meisten gestört, diese Unlust an der Veränderung. Iverson spielt immer so, wie er spielt, egal mit wem er spielt - spektakulär, aber eigensinnig. Als stünde er immer noch auf einem Freiplatz in Phillie. Deshalb ist er leicht auszurechnen und damit auszuschalten. In Philadelphia lieben sie ihn dennoch, Philadelphia ist wie Iverson. Dort hassen sie übrigens Kobe Bryant, weil der es gewagt hat, Philadelphia hinter sich zu lassen und nach Los Angeles zu den Lakers zu ziehen.

Iverson wird im Juni 32, seit 11 Jahren spielt er in der NBA. Die 76ers sind eine absinkende Mannschaft. Und deshalb hat Iverson etwas auf sich genommen, was man ihm nicht zugetraut hat. Er hat sich im Dezember verkaufen lassen. Die Denver Nuggets haben zugegriffen, und bisher gab es keinen Grund, die Investition zu bedauern. Iverson machte nach, was Shaquille O'Neal vorgemacht hat: Du musst dir eine Mannschaft suchen, die besser zu dir passt. O'Neal hat Dwyane Wade vorgefunden, Iverson fand Carmelo Anthony. Wade und Anthony liefern sich ein wunderbares Duell mit LeBron James, wer der Größte ihrer Generation ist. O'Neal und Iverson nehmen Einfluss, wer es sein wird.

Eine ungewohnte Rolle für Iverson. Mit 29 Punkten pro Spiel ist Anthony Kopf, Herz und Seele der Nuggets, nicht Iverson. In der Statistik schlägt sich das nieder: In Philadelphia kam er als "One-Man-Show" bis zum 20. Dezember noch auf 31,2 Punkte pro Spiel, in Denver sind es 25,1. Dennoch, die beiden haben sich offenbar miteinander arrangiert. Denver hat sich für die Playoffs qualifiziert und ist durchaus für eine Überraschung gut.

NBA-Resultate

Miami - Boston 89:91
Milwaukee - Atlanta 102:96
New York - New Jersey 95:104
Sacramento - New Orleans 118:125
Memphis - San Antonio 101:91
Houston- Phoenix 120:117
Denver - Minnesota 122:107
Utah - Portland 130:93

Endlich hat das Warten auf die Postseason ein Ende, wie schön. Wir können herausfinden, ob der Fluch Wirkung erzielt, den Wade über Dirk Nowitzki verhängt hat: Dieser weiße Junge bringt es nicht, lautet er, weil Nowitzki im vorigen Jahr in der entscheidenden Phase der Endspiele nachließ und die Dallas Mavericks doch noch gegen die Miami Heat verloren.

In diesem Jahr gehen die Mavericks als beste Mannschaft aus der regulären Saison hervor. Sie waren schwach gestartet, hatten dann aber grandios beständig gespielt, daheim wie auswärts, gegen starke wie gegen schwache Gegner. All das wird vergessen sein, sobald das erste Playoff-Spiel angepfiffen ist. Einen Vorteil immerhin genießen die Mavericks: den Heimvorteil als beste Mannschaft.

Die Western Conference ist ohnehin stärker denn je. Wer sie gewinnt, müsste eigentlich auch leicht mit dem Sieger aus dem Osten fertig werden. Denn im Westen sind die San Antonio Spurs gut und stark und schwer zu schlagen wie immer, ebenso wie die Hochgeschwindigkeitsspieler von den Phoenix Suns mit dem, trotz seiner 33 Jahre, immer noch und immer wieder fabelhaften Steve Nash. Die Lakers sind ganz auf Kobe Bryant ausgerichtet, der Körbe am Fließband wirft, was seiner Mannschaft nicht besonders weit gebracht hat. In Houston bei den Rockets hingegen ist ein tolles Gespann gewachsen: Tracy McGrady und Yao Ming, noch so ein weißer Junge, der den schwarzen Jungs beweisen muss, dass er's bringt. Yao erlebt seinen Durchbruch, mal schauen, ob sein Fuß hält, den er gebrochen hatte.

Playoff-Teilnehmer

WESTERN CONFERENCE
(7 der 8 Teams fix)
Dallas (66 Siege/14 Nied.)
Phoenix (61/20)
San Antonio (58/23)
Utah (50/31)
Houston (52/29)
Denver (44/37)
L.A. Lakers (41/40)
EASTERN CONFERENCE
(8 der 8 Teams fix)
Detroit (51/29)
Chicago (49/32)
Cleveland (48/32)
Toronto (47/33)
Miami (44/37)
Washington (40/40)
New Jersey (40/41)
Orlando (38/42)

Der Osten bietet nicht viel. Die Knicks in New York: eine Katastrophe. Die Nets in New Jersey: in der Rückwärtsentwicklung. Die Pistons in Detroit: treten auf der Stelle. Die Cavaliers in Cleveland: LeBron James und sonst nicht viel, also zu wenig. Die Heat in Miami, der Titelverteidiger: nur dann konkurrenzfähig wenn, und das war in dieser Saison bisher zu selten der Fall, O'Neal sowie Wade fit sind. Und dann meine Wizards, o Graus: gute Saison gespielt, Einbrüche wie immer, aber nicht so lange wie sonst. Doch jetzt hat sich Topscorer Gilbert Arenas verletzt und fällt für zwei Monate aus. Caron Butler ist auch schon länger nicht dabei. Seither verloren die Wizards Spiel auf Spiel. Das wird nichts. Ausscheiden in der ersten Runde, genau wie im vorigen Jahr.

Längeres Leben wünsche ich den Bulls in Chicago. Eine junge Mannschaft: Ben Gordon, Kirk Hinrich, Luol Deng. Dazu Ben Wallace, das Tier, der Rebound-König. Den Bulls darf man einiges zutrauen. Die Mannschaft der Zukunft.

Also, Freunde, eine kleine Wette: Die Mavericks schaffen es diesmal, sie werden Meister. Nowitzki, der Weiße, wird MVP. Und alle werden sie den Hut vor ihm ziehen. So muss es sein.

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