NBA-Saisonvorschau Der Weg zum Titel führt wieder über New Jersey

In der vergangenen Saison verpassten NBA-Größen wie die Miami Heat oder die Knicks aus New York überraschend die Playoffs. Dafür konnten die "grauen Mäuse" aus Charlotte und vor allem New Jersey mit starken Leistungen überzeugen. Die Saisonvorschau von SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Personalveränderungen in der Eastern Conference.

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Atlanta Hawks:

Dies könnte die Saison der Atlanta Hawks werden. Neuzugang Glenn Robinson und Rookie-Point-Guard Dan Dickau komplettieren eine erfolgversprechende Startformation. Nicht zuletzt deshalb hat Coach Lon Kruger schon im Vorfeld die Playoff-Teilnahme als Minimalziel festgesetzt. Bleiben die Schlüsselspieler gesund und kann Dickau seine viel versprechenden Ansätze vom College in die NBA übertragen, sollten sich die Gegner der Hawks schon einmal warm anziehen.


Chicago Bulls: Das Team aus der "Windy City" rüstet sich konsequent für die kommenden Jahre. Schon in der vergangenen Saison wurde die Mannschaft durch die Rookie-Forwards Tyson Chandler und Eddie Curry deutlich verjüngt. Mit Jay Williams kam nun ein Spielmacher dazu, der mit seiner abgeschlossenen College-Ausbildung und einer kompletten Spielanlage für Verstärkung sorgen soll. Mangels etablierter Top-Stars, von Jalen Rose einmal abgesehen, und wegen der fehlenden Erfahrung wird es jedoch wohl noch einige Jahre dauern, bis sich das Konzept der Bulls-Verantwortlichen bezahlt macht. So bleibt Chicago erst einmal Punktelieferant.


Detroit Pistons: Auch bei den Pistons setzt man auf die Zukunft. Mit Jerry Stackhouse wurde der Top-Scorer und beste Spieler nach Washington verschifft. Im Wechsel kam Nachwuchstalent Richard Hamilton. Ob dieser jedoch die Last der Offensive allein auf seinen schmalen Schultern tragen kann, darf bezweifelt werden. Zwar haben die Pistons mit Ben Wallace einen der besten Verteidiger der Liga in ihren Reihen, wegen der fehlenden Feuerkraft im Angriff steht ihnen jedoch eine düstere Saison bevor. Mit ihrer jungen Mannschaft und reichlich finanziellem Spielraum können die Pistons dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.


Indiana Pacers: Indiana-Coach Isiah Thomas hat eine extrem junge Truppe um den Veteranen Reggie Miller herum aufgebaut. Mit Jermaine O'Neal spielt einer der vielversprechendsten Nachwuchs-Center in den Reihen der Pacers und Point-Guard Jamaal Tinsley hat schon in seinem ersten NBA-Jahr bewiesen, dass er auch gegen erfahrene Gegenspieler mithalten kann. Dazu ist Supertalent Al Harrington nach seiner schweren Knieverletzung wieder an Bord. Wenn das Team endlich einmal vom Verletzungspech verschont bleibt, könnte die Saison durchaus erfolgreich verlaufen.


Milwaukee Bucks: Ein Spielertausch sorgte während der Sommerpause für Gesprächsstoff in Milwaukee. Toni Kukoc kam aus Atlanta, dafür ließen die Bucks Glenn Robinson ziehen. Freuen dürfte sich Forward Tim Thomas, der Robinsons Position und auch dessen Spielzeit übernehmen wird. Ansonsten läuft weiter alles über das Guard-Duo Ray Allen und Sam Cassell.


New Orleans Hornets: Neue Stadt - neues Glück. Nach ihrem Unzug aus Charlotte gelten die Hornets wieder einmal als Mitfavorit im Osten. Mit einem jungen und sehr ausgeglichenen Team kann Coach Paul Silas beruhigt in die Zukunft schauen, vor allem da Aufbauspieler Baron Davis doch noch langfristig an den Verein gebunden werden konnte. Dazu hat Forward Jamaal Mashburn seine Verletzung auskuriert und kehrt in die Mannschaft zurück.


Toronto Raptors: Während des Sommers blickte ganz Toronto ängstlich auf das verletzte Knie von Superstar Vince Carter. Doch die Sorge war unbegründet: Der Slam-Dunk-Champion der Liga ist wieder fit und voll belastbar. Zwar erreichte das Team im vorigen Jahr auch ohne seinen Spitzenspieler die Playoffs, Coach Lenny Wilkens würde auf eine ähnlich nervenaufreibende Erfahrung in Zukunft jedoch nur allzu gerne verzichten. Zumal die Abgänge von Forward Keon Clark, Tracy Murray und Aufbauspieler Chris Childs durch die Neuverpflichtungen kaum kompensiert wurden. Das größte Problem haben die Raptors jedoch unter dem Korb. In ihren Reihen findet sich kein brauchbarer Center-Spieler, nachdem der ohnehin kaum noch effektive Hakeem Olajuwon seinem Karriereende entgegen sieht.


Boston Celtics: Zum etablierten Duo Paul Pierce und Antoine Walker kam Power Forward Vin Baker aus Seattle. In der körperlich schwächeren Eastern Conference dürfte es für den viel gescholtenen Baker einfacher werden, sich unter den Körben durchzusetzen. Bei dem Wirbel um den Spielertausch mit den Sonics haben die Verantwortlichen aus Boston jedoch offenbar vergessen, sich nach einem brauchbaren Spielmacher umzusehen. Ob Tony Delk mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe fertig werden kann, ist fraglich. Mit diesem Makel behaftet, werden die Celtics beim Kampf um einen Playoff-Platz einen schweren Stand haben.


Miami Heat: Bei den Heat schrillen sämtliche Alarmglocken. In der letzten Saison wurden nach einem katastrophalen Saisonstart überraschend die Playoffs verpasst. Um das Unglück komplett zu machen, leidet Center Alonzo Mourning erneut unter einer Nierenerkrankung; der All-Star wird die komplette Saison verpassen. Dabei zählen die Heat auf dem Papier eigentlich zu den stärksten Teams im Osten. Hinzu kommt Erfolgstrainer Pat Riley. Trotz dieser guten Vorraussetzungen stehen die Heat am Scheideweg. Startet die Mannschaft ähnlich schlecht in die Saison wie im letzten Jahr, wird sogar für Riley die Luft langsam dünn.

New Jersey Nets: Der Vizemeister der NBA macht jetzt richtig ernst. In einem raffinierten Tausch sicherten sich das Team aus New Jersey die Dienste von Dikembe Mutombo. Der Center-Spieler kam aus Philadelphia und soll Shaquille O'Neal bei einer möglichen Finalrevanche Paroli bieten. Außerdem konnte Spielmacher Jason Kidd gehalten werden, so dass die Nets in diesem Jahr als Top-Favorit im Osten gelten.


New York Knicks: Die Sorgen der Knicks nehmen kein Ende. In einem Tausch mit den Denver Nuggets wurde Flügelspieler Antonio McDyess verpflichtet, der sich schon in einem der ersten Vorbereitungsspiele verletzte. Die niederschmetternde Diagnose: Kniescheibenbruch. Damit ist die Saison für McDyess beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat. Dazu sorgt Latrell Spreewell wieder einmal für Unruhe. Bei einer angeblichen Schlägerei auf seiner Yacht brach sich der Shooting-Guard einen Finger. Die daraufhin fällige Strafe durch den Verein (250.000 Dollar) will Spreewell nicht bezahlen. Immerhin ist Guard Allan Houston wieder fit.


Orlando Magic: Bei den Magic sind die Erwartungen für die kommende Saison riesig. Zu Recht, schließlich scheint Forward Grant Hill seine langwierige Knöchelverletzung endlich losgeworden zu sein. Hält Hill der Belastung stand, könnte er Top-Scorer und Supertalent Tracy McGrady in der Offensive entlasten und gemeinsam eines der spektakulärsten Duos der Liga bilden. Aus Portland kam Veteran Shawn Kemp nach Florida. Wenn dieser seine persönlichen Probleme in den Griff bekommt, könnte er den Magic zu mehr Präsenz unter den Körben verhelfen. Dies ist umso nötiger geworden, seit Center-Legende Patrick Ewing nach 17 NBA-Jahren seine Karriere beendet hat.


Philadelphia 76ers: Der Vizemeister von 2001 blickt auf eine enttäuschende Saison zurück. Vor allem in der Offensive haperte es bei den Sixers zuletzt gewaltig. Um Abhilfe zu schaffen, ließ man Center Dikembe Mutombo ziehen und verpflichtete Keith van Horn und Todd MacCulloch von den New Jersey Nets. Die Hauptlast im Angriff wird jedoch wieder der amtierende Top-Scorer der Liga, Allen Iverson, schultern müssen. Der Guard hatte durch wiederholte Gesetzeskonflikte in der Sommerpause für negative Schlagzeilen gesorgt, und auch das Verhältnis mit Coach Larry Brown ist nicht immer harmonisch.


Cleveland Cavaliers: In Cleveland versucht man alles, um das Image der "grauen Maus" abzulegen. Insgesamt neun neue Gesichter sollen mit einer spektakuläreren Spielweise Fans und Fernsehzuschauer anlocken. Besonders Forward Darius Miles, von den Los Angeles Clippers zu den "Cavs" gewechselt, und Rookie-Scharfschütze Dajuan Wagner gelten als Hoffnungsträger. Der Verlust von Point-Guard Andre Miller wird sich jedoch schmerzlich bemerkbar machen. Auf viele Siege kann das junge und zusammengewürfelte Team nicht hoffen.


Washington Wizards: Der Hauptstadtclub hat seinen Ruf als Punktelieferant abgelegt. Auf der Welle der Euphorie nach dem Comeback von Michael Jordan spielten die Wizards in der vergangenen Spielzeit überraschend um einen Playoff-Platz mit und mussten sich erst kurz vor Saisonschluss geschlagen geben. Dieses Jahr soll es endlich klappen. In der Sommerpause schlug der Verein auf dem Transfermarkt kräftig zu und sicherte sich die Dienste von Jerry Stackhouse und Larry Hughes. Sicher war Jordan an den Personalentscheidungen nicht ganz unbeteiligt. Schließlich kann er sich nun, da diese beiden Spieler in der Offensive Verantwortung übernehmen, auf die Position des sechsten Mannes konzentrieren. Die damit verbundene geringere Einsatzzeit dürfte der spielenden Legende entgegenkommen. Jordan, der unter einer chronischen Knieverletzung leidet, könnte so die ganze Saison durchspielen und nicht wie im vergangenen Jahr in der entscheidenden Phase ausfallen.

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