NBA-Saisonvorschau Im Westen (fast) nichts Neues

Nach der eher ruhigen Sommerpause ohne wirklich spektakuläre Wechsel führt auch in der kommenden NBA-Saison der Weg zum Titel nur über einen der Giganten aus dem Westen. Der amtierende Champion, die Los Angeles Lakers, der aufstrebende Nachbar aus Sacramento, aber auch die San Antonio Spurs gelten als heißeste Kandidaten auf die Krone des Profi-Basketball. SPIEGEL ONLINE stellt die Teams der Western Conference mit den wichtigsten Veränderungen vor.

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Los Angeles Lakers:

Shaquille O'Neal und Kobe Bryant greifen nach dem vierten Titel in Folge. Eine Leistung, die nicht einmal die Chicago Bulls mit Michael Jordan in den neunziger Jahren vollbracht haben. Trainer Phil Jackson hat seine Meistermannschaft nahezu unverändert an Bord behalten. Einzig Point Guard Lindsey Hunter wurde nach Toronto geschickt. Im Gegenzug erhielten die Lakers mit Rookie Kareem Rush einen viel versprechenden Neuling, der sich schon in naher Zukunft in die Startformation spielen könnte. Auf dem Weg zum Titel stellen die Sacramento Kings die größte Hürde dar. Die Conference Finals im Westen dürften auch in diesem Jahr wieder den Charakter eines vorgezogenen Endspiels besitzen.


Sacramento Kings: Die Kings sinnen auf Rache. Nach der traumatischen Playoff-Niederlage gegen die Lakers im letzen Jahr wollen Chris Webber und Co. den ganz großen Schritt in die Finals schaffen. Neuzugang Keon Clark sorgt für eine noch größere Dominanz unter den Brettern, der Rest der Truppe ist eingespielt und erfahren. Sorgen bereitet im Moment Spielmacher Mike Bibby. Nach seiner Vertragsverlängerung plagt ihn eine Fußverletzung. Ansonsten deuten alle Zeichen auf einen heißen Tanz mit den Lakers.


Portland Trail Blazers: Auf dem Papier sind die Blazers wie in jedem Jahr ein Favorit auf die Meisterschaft. Mit einer Mischung aus erfahrenen Veteranen und jungen Heißspornen könnte die Mannschaft aus dem äußersten Nordwesten der USA jedem Gegner Kopfzerbrechen bereiten. Voraussetzung ist jedoch, dass es Coach Maurice Cheeks endlich gelingt, aus den vielen Superstars eine Einheit auf dem Platz zu formen. An dieser Aufgabe war bereits sein Vorgänger Mike Dunleavy gescheitert. Immerhin ist es dem Verein gelungen, Störenfried und Großverdiener Shawn Kemp loszuwerden. Einen potenziellen Superstar angelten sich die Blazers mit dem vielseitigen Rookie Qyntel Woods.


Dallas Mavericks: Beim international besetzten Team aus Texas sind die Playoffs wieder das erklärte Ziel. Coach Don Nelson hat die Mannschaft in den wesentlichen Teilen nicht verändert und hofft auf eine weitere starke Saison von Dirk Nowitzki. Wollen die Mavericks den hohen Ansprüchen von Teambesitzer Mark Cuban jedoch gerecht werden, reicht die bloße Teilnahme an den Playoffs nicht mehr aus. Ein Besuch in den Conference Finals oder gar im Endspiel sollte es schon sein. Dafür muss die Mannschaft aber von ihrem attraktiven "Feuer frei"-Spielstil abweichen und endlich eine konstante Verteidigung aufbauen.


Minnesota Timberwolves: Gelingt es den T'Wolves in dieser Saison ihr Playoff-Trauma ablegen? Dem Team aus Minnesota ist es noch nie gelungen, über die erste Playoff-Runde hinauszukommen. Spektakuläre Neuzugänge waren für den Verein wegen des hochdotierten Vertrags von Kevin Garnett nicht drin. Immerhin befindet sich Spielmacher Terrell Brandon nach seiner karrierebedrohenden Knieverletzung auf dem Weg der Besserung und wird voraussichtlich schon bald wieder die Geschicke seiner Mannschaft auf dem Platz leiten können.


San Antonio Spurs: Beim Meister von 1999 konzentrierte man sich darauf, den eingespielten Kern der Mannschaft zusammenzuhalten. Tim Duncan, seines Zeichens amtierender wertvollster Spieler der Liga, und Center-Oldie David Robinson werden zum letzten Mal die "Twin Towers" bilden. Nach der Saison ist für den 37-jährigen Robinson Schluss. Nicht zuletzt deshalb werden die Spurs wieder einmal alles daran setzen, in den Playoffs an den Lakers vorbeizukommen. Ein kleines Fragezeichen steht hinter den beiden sehr jungen Aufbauspielern, dem Franzosen Tony Parker und Neuling Emanuel Ginobili. Nach einer überragenden Weltmeisterschaft sicherten sich die Spurs die Rechte an dem argentinischen Supertalent. Ob die beiden Guards allerdings eine ganze Saison lang Verantwortung übernehmen können, müssen sie erst noch beweisen.


Houston Rockets: Hinter den Texanern liegt eine turbulente Sommerpause. Die zähen Verhandlungen mit dem chinesischen Basketball-Verband um den Center-Hünen Yao Ming haben sich schließlich gelohnt. Mit dem ersten Draft-Pick verpflichtete die Mannschaft von Trainer Rudy Tomjanovich den vielseitigen 2,26-Meter-Riesen. Wie schnell sich der Asiate an die harte Gangart in der NBA gewöhnt, werden die ersten Saisonspiele zeigen. Nachdem Superstar Steve Francis seine Migräne-Erkrankung offenbar im Griff hat und Forward Markus Taylor in die Mannschaft zurückkehrt, können die Rockets mit großen Erwartungen in die neue Saison gehen.


Utah Jazz: Das Duo Karl Malone und John Stockton bittet zum (wieder einmal) letzten Tanz mit ihrer Jazz-Combo. Malone wird nach der kommenden Spielzeit die Basketballschuhe an den Nagel hängen, und auch der mittlerweile 40-jährige Stockton sieht seiner Rente entgegen. Danach stehen bei den Jazz alle Zeichen auf Neuaufbau. Einen großen Teil dazu soll der Russe Andrej Kirilenko beitragen. Schon in der abgelaufenen Spielzeit ließ der 21-jährige Forward sein enormes Talent durchscheinen. Die Jazz blicken auf ihre schlechteste Saison seit 15 Jahren zurück. Sollte sich die Harmonie zwischen den Routiniers, zusammen haben Stockton und Malone 35 Jahre NBA auf dem Buckel, und dem Rest der voraussichtlichen Startformation, zusammen sechs Jahre NBA-Erfahrung, nicht früh einstellen, steht dem Team aus Utah ein tiefer Fall bevor.


Denver Nuggets: Den Kellerkindern aus der "Mile-High-City" blieb auch in dieser Sommerpause das Pech treu. Hoffnungsträger Marcus Camby, aus New York nach Colorado gekommen, musste sich noch vor dem ersten Saisonspiel einer Hüftoperation unterziehen und fällt erst einmal aus. Umso mehr Verantwortung soll Juwan Howard übernehmen. Der während der vergangenen Saison nach Denver gewechselte Forward muss nun beweisen, dass er seinen gewaltigen Vertrag wert ist. Die Leitung des Ganzen übernimmt Trainer-Neuling Jeff Bzdelik.


Memphis Grizzlies: Lakers-Legende Jerry West soll den Grizzlies als neuer Manager das Siegen beibringen. Einen ersten Schritt hin zum Fernziel Playoff-Teilnahme bedeutet die Verpflichtung von Rookie-Forward Drew Gooden. Dominanz unter den Körben und eine enorme Athletik machen Gooden zum Hoffnungsträger in Memphis. Zusammen mit dem Spanier Pau Gasol wird er ein Flügel-Duo bilden, das so manchem Gegner Kopfschmerzen bereiten könnte. In der starken Western-Conference dürfte dies für einen Platz in den Playoffs jedoch nicht ausreichen.


Phoenix Suns: Unter der heißen Sonne Arizonas trauern Fans und Spieler noch immer Point-Guard Jason Kidd hinterher. Ohne dessen Führung verpassten die Suns im letzten Jahr überraschend die Playoffs. Kidd-Nachfolger Stephon Marbury konnte bisher keine Akzente setzen, dazu war der ehemalige Superstar Penny Hardaway praktisch durchgehend verletzt. Die Suns haben ein großes Potenzial, das sie jedoch zu selten abrufen.


Los Angeles Clippers: Es tut sich was beim "anderen Club" aus Los Angeles. Nach Jahren katastrophaler Transfer-Entscheidungen und noch schlimmerer sportlicher Leistungen haben die Clippers-Verantwortlichen einen wichtigen Schritt auf dem Weg in bessere Zeiten gemacht. Alle Hoffnungen der Clippers konzentrieren sich auf einen Namen: Andre Miller, bester Vorlagengeber der Liga. Die Verpflichtung des Aufbauspielers - Miller kam im Tausch mit Darius Miles von den Cleveland Cavaliers - könnte das Team von Alvin Gentry endlich aus dem Keller der Liga befreien. Als Ziel ist die erste Playoff-Teilnahme seit sechs Jahren festgesetzt.


Seattle Supersonics: Beim Team aus Seattle ist der Neuaufbau in vollem Gange. Sorgenkind Vin Baker konnte samt Riesenvertrag nach Boston verschifft werden. Im Tausch kam Point-Guard Kenny Anderson, dessen Kontrakt nach der Saison ausläuft. Danach haben die Sonics reichlich finanziellen Spielraum und können um die wechselwilligen Top-Spieler mitbieten. Als Investition in die Zukunft wurde in der Sommerpause das Nachwuchstalent Rashaad Lewis nach einem wahren Verhandlungsmarathon dauerhaft an den Verein gebunden. Ein Fragezeichen steht noch hinter Gary Payton. Der alternden und zuweilen eigenwillige Spielmacher hat schon mehrfach Wechselabsichten deutlich gemacht. Misslingt der Start in die Saison, könnte Payton den Sonics Ärger ins Haus bringen.


Golden State Warriors: Die Dauerverlierer aus Oakland trennten sich von dem ewigen Talent Larry Hughes. Wirkliche Verstärkung könnte Draft-Pick Mike Dunleavy Jr. liefern, der als hervorragender Distanzschütze gilt. Auf der Trainerbank darf sich Neuling Eric Musselman daran versuchen, der unerfahrenen Mannschaft auf den richtigen Weg zu helfen.

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