NBA-Skandalspiel "Ich dachte, ich kämpfe um mein Leben"

Randalierende Fans, entsetzte Trainer, prügelnde Profis: Die Indiana Pacers und NBA-Champion Detroit Pistons haben für einen der größten Skandale der Geschichte in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga gesorgt. Indianas Ron Artest drohen neben einer langen Sperre sogar strafrechtliche Konsequenzen.


Indiana-Profi Artest: Drakonische Strafe droht
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Indiana-Profi Artest: Drakonische Strafe droht

Detroit - Auslöser der wüsten Massenschlägerei war ein Foul von Artest gegen Detroits Center Ben Wallace, der sich mit einem Schubser revanchierte. Binnen Sekunden stürmten Mitglieder beider Mannschaften auf das Parkett und hieben aufeinander ein. Detroits aufgebrachte Fans bewarfen zudem die Pacers-Spieler mit Hunderten von Gegenständen, darunter ein Stuhl sowie Bierbecher, Cola-Flaschen und Eiswürfel.

Die Partie musste 45,9 Sekunden vor Schluss beim Stand von 97:82 für Indiana abgebrochen werden. "Das war das Schlimmste, was ich in meiner Laufbahn als Spieler und Trainer jemals gesehen habe", kommentierte Detroits Coach Larry Brown die Geschehnisse fassungslos. Und auch Indianas Trainer Rick Carlisle war konsterniert: "Ich bin jetzt 20 Jahre dabei. Ich dachte, ich kämpfe um mein Leben. So etwas sieht man nicht einmal beim Eishockey."

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NBA-Skandal: Basketball brutal

Beide Trainer und auch die herbei geeilten Polizei-Kräfte konnten in der Revanche für das Finale der vergangenen Saison in der Eastern Conference die Streithähne zunächst nicht trennen. Besonders Artest ließ sich nicht beruhigen und legte sich immer wieder mit gegnerischen Fans an. Als sich die Situation endlich zu entspannen schien, schlug er einen pöbelnden Fan noch mit einem schweren Faustschlag ins Gesicht zu Boden. Indianas Spieler, Trainerstab und Betreuer konnten die Arena im Hagel zahlreicher Wurfgeschosse schließlich nur unter Polizeischutz verlassen.

Artest und sein Teamkollege Jermaine O'Neal, der sich ebenfalls als Schläger besonders profiliert hatte, drohen aufgrund der Bildbeweise nun sogar strafrechtliche Konsequenzen. Zwar ließ NBA-Commissioner David Stern in einer ersten Reaktion der Liga auf den Skandal zunächst lediglich die Auswertung der TV-Bilder ankündigen, doch scheinen zumindest lange Sperren gegen die wüstesten Profis programmiert.

Im Schatten der schockierenden Ereignisse in Detroit fanden die übrigen Spiele kaum Beachtung. In einer der weiteren Partien setzten sich die Dallas Mavericks knapp mit 103:101 gegen die New York Knicks durch. Beim achten Erfolg der Texaner im zehnten Saisonspiel überragte einmal mehr der deutsche Superstar Dirk Nowitzki mit 30 Punkten und zwölf Rebounds.

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